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Spektakuläres und außergewöhnliches Konzert des bolivianischen Jugend-Ensembles San Ignacio de Moxos am Gymnasium Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Außergewöhnlichen Besuch aus dem bolivianischen Amazonasbecken hatte in dieser Woche das Gymnasium Veitshöchheim.  Im Rahmen ihrer Europa-Tournee gab das Ensamble Moxos  ein pädagogisches Konzert für die  siebten Klassen sowie die Spanischkurse der zehnten und zwölften Klassen.

Außergewöhnlichen Besuch aus dem bolivianischen Amazonasbecken hatte in dieser Woche das Gymnasium Veitshöchheim. Im Rahmen ihrer Europa-Tournee gab das Ensamble Moxos ein pädagogisches Konzert für die siebten Klassen sowie die Spanischkurse der zehnten und zwölften Klassen.

Spektakuläres und außergewöhnliches Konzert  des bolivianischen Jugend-Ensembles San Ignacio de Moxos am Gymnasium Veitshöchheim
Spektakuläres und außergewöhnliches Konzert  des bolivianischen Jugend-Ensembles San Ignacio de Moxos am Gymnasium Veitshöchheim
Spektakuläres und außergewöhnliches Konzert  des bolivianischen Jugend-Ensembles San Ignacio de Moxos am Gymnasium Veitshöchheim
Spektakuläres und außergewöhnliches Konzert  des bolivianischen Jugend-Ensembles San Ignacio de Moxos am Gymnasium Veitshöchheim

Bereits in der ersten Julihälfte gab die aus sieben Erwachsenen bestehende Bolivianische Folklore-Gruppe "Los Masis" bei ihrem Konzert in der Schulaula den Zuhörern einen Einblick in den lebendigen Reichtum des kulturellen Erbes der indigenen Bevölkerung Boliviens.

Im Gegensatz dazu spielte nun das aus Jugendlichen ab 14 Jahren bestehende "Ensamble Moxos" unter seiner Leiterin Raquel Maldonado klassische Barockmusik der Jesuiten und verband diese mit folkloristisch-traditionellen Elementen ihrer eigenen indigenen Tradition.

So kamen bei dem Ensemble auch einheimische Instrumente wie Trommeln aus Holz, Kuh- oder Kalbfell, Flöten aus Vogelknochen zum Einsatz. Besonders beeindruckten die "Bajones", die mannshohen Bassflöten aus Palmblättern. Letztere durften einzelne Schüler auch ausprobieren. Zum Schluss hatte die Truppe noch einen traditionellen Tanz der "Macheteros" mit beeindruckenden Federkronen und Holzmacheten im Programm, bei dem die Schüler mittanzen durften.

Schulleiter Dieter Brückner sprach erneut von einem besonderen Ereignis im Schulalltag, denn seine Schüler lernten wiederum nicht nur Musik aus einem anderen Kulturkreis von einem authentischen Ensemble kennen. Sie erfuhren von der Ensembleleiterin auf Spanisch, übersetzt Schülerinnen aus den zwölften Klassen, auch viel Wissenswertes über die Landschaften Boliviens von den bis zu über 6.500 Meter hohen Anden bis zum tropisch-heißen Tiefland der Savannen und dem Regenwaldgebiet entlang des Amazonas, seiner Fauna und Tierwelt mit Krokodilen, Pumas, Jaguare, Anakondas und Piranhas, sowie die Eroberung des südamerikanischen Landes durch die Spanier und die Christianisierung und Sesshaftmachung der indigenen Nomadenstämme durch die Jesuiten vor über 300 Jahren. Bei letzterem habe auch die Musik eine große Rolle gespielt. Die spanischen Eroberer hätten viele Ureinwohner zu Sklaven gemacht. Wer sich von den Jesuiten missionieren ließ, sei von der Versklavung verschont worden. Obwohl der Orden sehr streng gewesen sei, habe er den Ureinwohnern erlaubt, ihre eigene Kultur auszuleben. So hätten sich beide Kulturen angenähert und zur Mestizen-Kultur vermischt. Das musikalische Programm des Ensembles drücke diese Verschmelzung aus

Möglich machte den Auftritt von Moxos wiederum Simone Navarro, die seit dem Schuljahr 2007/08 am Gymnasium Spanisch als spät beginnende Fremdsprache ab Klasse 10 unterrichtet. Zuvor hatte sie zwei Jahre lang als Lehrkraft für Spanisch und Englisch an der Deutschen Schule Santa Cruz in Bolivien unterrichtet. Von dort stammt auch ihr Mann Benjamin Navarro, der hier am Gymnasium unter anderem den Wahlkurs Grafikdesign gibt.

Die siebten Klassen kamen in den Genuss dieses Konzerts, weil sie in den betreffenden Stunden sowieso größtenteils Musikunterricht hatten und bei ihnen auch Barockmusik auf dem Lehrplan steht.

Die Gruppe hatte am Freitagabend in der Adalberokirche Würzburg einen weiteren Auftritt.

Fotoalbum
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Spektakuläres und außergewöhnliches Konzert  des bolivianischen Jugend-Ensembles San Ignacio de Moxos am Gymnasium Veitshöchheim
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INFOs über das Ensamble Moxos

Wie Raquel Maldonado erzählte, kommen sie aus dem kleinen Dorf San Ignacio de Moxos, gelegen im Departamento Beni im bolivianischen Tiefland. Deren Bevölkerung gehört größtenteils der indigenen Gruppe der Moxeños an, die Anfang der 1990er Jahre zusammen mit anderen indigenen Gruppen durch einen zwei Monate andauernden Protestmarsch erreichten, dass der Staat seine vielfältigen indigenen Kulturen und Identitäten würdigt und anerkennt.

Die Zukunftsperspektiven jugendlicher Moxeños sind wie auch bei anderen indigenen Gruppen im Regenwald nicht besonders aussichtsreich. Ihr Auskommen finden sie oft nur im Verkauf von Kunsthandwerk an Touristen oder schlicht durch Bettelei.

Das Ensamble Moxos entstand aus einer Initiative, die sich die Bewahrung und Aufwertung des geschichtlichen und kulturellen Erbes der Moxeños zum Ziel gesetzt hat. Durch das Engagement von Einzelpersonen und die Förderung der UNESCO entstanden so Mitte der 1990er Jahre zunächst Chor und Orchester: Ihren ersten wichtigen Auftritt hatten sie bei der 250-Jahrfeier des Dorfes im Jahr 2002. Vorangegangen waren Sanierungsarbeiten der alten jesuitischen Kirche und eine Sichtung des Notenbestandes im Archiv.

Heute besteht das Ensemble aus rund 20 Musikerinnen und Musikern im Alter von 14 bis 32 Jahren. Durch seine Musik versucht das Ensemble die Identität der indigenen Gemeinschaft und die Erinnerung an die eigene Kultur zu erhalten und weiterzutragen. Aus seinen Melodien spricht zugleich die Geschichte, die es auch für kommende Generationen bewahren möchte.

An das Ensemble ist eine Schule angegliedert, die von etwa 200 Kindern und Jugendlichen besucht wird. Sie erhalten dort eine professionelle musikalische Ausbildung – allerdings ohne den religiös-erzieherischen Anspruch, den die Jesuiten damals verfolgten. Ziel ist es, die vielschichtige kulturelle Identität mit all ihren Ausprägungen aufrecht zu erhalten und die barocken Musikstücke lesen, spielen und interpretieren zu lernen. Die Schule finanziert sich über den Verkauf von CDs und durch Konzertauftritte, da es im bolivianischen Kulturbetrieb kaum finanzielle Unterstützung für sie gibt.

Links:

Video-Zusammenfassung des spektakulären und außergewöhnlichen Konzertes des Ensemble San Ignacio de Moxos am Sitz der UNESCO am 23. Oktober 2013

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