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aktualisiert: Radweg-Verlängerung am Höchheimer Steg: Kritik und fachliche Einschätzung zum Schutz der Platanen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Verlängerung des Radwegs als Teil der Baumaßnahme

Im Zuge der Bauarbeiten am Höchheimer Steg wird auch der Radweg entlang der Mainuferstraße verlängert. Wie bereits berichtet wurde, soll der bislang an der Tiergartenstraße endende Radweg (im Bild) künftig bis zum Höchheimer Steg führen.

Rätselhafter Holzzaun sorgt für Fragen

Als Vorarbeit wurde von der bauausführenden Firma Würzburger Pflasterbau an vier Tagen ein riesiger Holzzaun errichtet. Die vielen Passanten, die hier am Mainufer entlang gehen, bleiben häufig stehen und fragen sich nach dem Zweck der Konstruktion, denn dieser erschließt sich auf den ersten Blick nicht.

Vorgaben zum Schutz der Platanen

Des Rätsels Lösung: Der Zaun soll den Wurzelbereich der Platanen während der Bauarbeiten schützen.

Bei der Planung musste die Schwierigkeit bewältigt werden, den Wurzelbereich der Platanen zu schützen und trotzdem genug Platz für den Radweg zu haben. Mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde wurde deshalb entschieden, die Ufervegetation teilweise zu entfernen beziehungsweise zurückzuschneiden. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass der Radweg einen Abstand von vier Metern zu den Baumstämmen einhalten müsse, um Schäden am sensiblen Wurzelbereich zu vermeiden.

Kritik am errichteten Schutzzaun

Der Veitshöchheimer Bürger Armin Genser, der die Arbeiten vor Ort genau beobachtet hat, kritisiert nun die konkrete Umsetzung der Schutzmaßnahme. 

„Der Abstand zum Radweg wurde jetzt durch ein überdimensioniertes Bauwerk gesichert“, sagt Genser. Die Konstruktion bestehe aus massiven Vierkanthölzern, die straßenseitig auch direkt in der Nähe der Baumstämme 30 bis 40 Zentimeter tief in den Boden eingeschlagen worden seien.

Sorge um mögliche Wurzelschäden

Nach Ansicht des Kritikers steht dieses Vorgehen im Widerspruch zum eigentlichen Ziel der Maßnahme – nämlich dem Schutz der Wurzeln.

„Man kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dabei starke Wurzeln getroffen und verletzt wurden“, meint Genser. Gerade in unmittelbarer Stammnähe verlaufen häufig wichtige Wurzeln der Bäume.

Ein von ihm befragter Baumpfleger habe darauf hingewiesen, dass Verletzungen im Wurzelbereich langfristige Folgen haben können. „Der Baum überlebt möglicherweise noch einige Jahre und stirbt dann ab“, befürchtet das Gründungsmitglied des Veitshöchheimer Grünen-Ortsverbands.

Fachliche Einschätzung eines Baumsachverständigen

Der Veitshöchheimer Baumsachverständige Manfred Fischer verweist auf die geltenden fachlichen Regeln beim Baumschutz auf Baustellen.

„Es gibt die DIN 18920 ‚Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen‘. Diese schreibt den Schutz durch sogenannte Stangengevierte vor“, erklärt Fischer. Dabei handelt es sich um stabile Schutzkonstruktionen, die den Bereich um den Stamm während der Bauarbeiten sichern sollen.

Allerdings sollten die Pfosten nach seiner Einschätzung nicht unmittelbar am Stammfuß eingeschlagen werden.

Der Sachverständige sieht jedoch keine akute Gefahr für schwere Schäden an den Platanen. „Die Pfosten wurden mit dem Vorschlaghammer exakt senkrecht eingeschlagen. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn die Arbeiter eine dicke, statische Wurzel getroffen hätten“, so Fischer, der ebenfalls vor Ort die Arbeiten beoabachtet hatte.

Feinwurzeln seien in diesem unmittelbaren Stammnahbereich in der Regel nicht vorhanden. „Es hätte höchstens eine Rindenabschürfung entstehen können, die der Baum aber relativ gut wieder überwachsen kann.“

Alternative Lösungen möglich?

Aus Sicht des Kritikers Genser hätten einfachere und schonendere Lösungen ausgereicht, um den geforderten Abstand zum Baustellenbereich zu markieren.

Als Beispiele nannte er Baustahlpflöcke mit Flatterband oder auch ein herkömmlicher Metallbauzaun mit Standfüßen. Beide Varianten hätten den Baustellenbereich klar abgegrenzt, ohne Pfosten in unmittelbarer Stammnähe in den Boden treiben zu müssen.

Bauzaun aus Metall aus fachlicher Sicht ungeeignet

Den Vorschlag von Genser, statt der Holzpfosten einen klassischen Bauzaun aus Metall aufzustellen, hält dagegen Fischer für problematisch. „Ein Gitterbauzaun ist nicht geeignet, da Baufirmen diesen gern verschieben oder kurzfristig entfernen, um den Platz zum Überfahren oder zum Zwischenlagern von Materialien zu nutzen“, erklärt er.

Fragen zur konkreten Ausführung

Unklar bleibt für den Baumsachverständigen Fischer die genaue Linienführung des errichteten Schutzzauns. „Die Trassenführung des Bauzauns zum Main hin unmittelbar an der geplanten Radwegtrasse erschließt sich mir nicht, sagt Fischer. 

Stellungnahme des beauftragten Planungsbüros

Für die Gemeinde hat inzwischen auch das beauftragte Fachbüro Großberger Beyhl Partner Landschaftsarchitekten mbB aus München Stellung genommen.

Demnach erfolgte das Aufstellen des Baumschutzzaunes, wie schon von Fischer aufgeführt, auf Grundlage der einschlägigen Richtlinien, insbesondere der DIN 18920 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen“ sowie der FGSV-Richtlinien zum Schutz von Bäumen und Vegetationsbeständen bei Baumaßnahmen (R SBB). Die Maßnahme sei zudem in Abstimmung mit der ökologischen Baubegleitung erfolgt.

Nach Angaben des Planungsbüros seien die Holzpfosten mit der nötigen Sorgfalt gesetzt worden. „Das Einbringen der Holzpfosten erfolgte mit entsprechender Umsicht, um bei Konflikten mit vorhandenen Wurzeln die Lage der Holzpfosten anzupassen beziehungsweise seitlich zu verschieben.“

Der Holzzaun erfülle vor allem eine Schutzfunktion für den vorhandenen Wurzelraum. Er solle verhindern, dass dieser Bereich durch Baumaschinen befahren oder für die Lagerung von Baumaterialien genutzt werde.

Aus diesem Grund sei die Konstruktion bewusst ortsfest ausgeführt worden. „Ein mobiler Bauzaun oder Flatterband würde diesen Schutz nicht ausreichend gewährleisten“, heißt es in der Stellungnahme.

Der Holzschutzzaun soll über die gesamte Dauer der Bauarbeiten bestehen bleiben und erst nach Abschluss aller Belagsarbeiten an Straße, Gehweg und Mainufer-Radweg wieder entfernt werden.

Sensibles Thema nach früheren Diskussionen

Der Umgang mit den Platanen im Uferbereich war bereits in der Vergangenheit Gegenstand intensiver Diskussionen in Veitshöchheim. Umso größer ist bei manchen Bürgern die Erwartung, dass bei Bauarbeiten in diesem Bereich besonders sorgfältig vorgegangen wird.

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G
Ich bin froh über jeden Bürger, der aufmerksam ist und auf Defizite hinweist. Für mich geht es nicht um „Schuld“, sondern um die Möglichkeit daraus zu lernen und somit Fehlentwicklungen in der Zukunft zu vermeiden. Beim Umbau de „Urbanen Lände“ wird es sicher noch mehr Situationen geben, bei denen es darauf ankommt, aufmerksam zu sein, um vorher die Weichen richtig zu stellen. Klare Ansage an die ausführenden Firmen, worauf sie achten müssen und dass sie bei potentiellen Schäden auch haften müssen ist nur eine der notwendigen Möglichkeiten.
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S
Die Frage, ob es keine anderen Probleme gibt in der Gemeinde gibt erübrigt sich als whataboutism. Seien wir froh, dass engagierte Bürger ein Auge werfen und sich hierzu äußern.<br /> Ggf. scheint die Kritik an dem Baumschutzzaun als Spitzfindigkeit. Im Siedlungsbereich treffen unterschiedliche Nutzungskonflikte aufeinander. Wenn man teilt, dass auch Stadtgrün zur Infrastruktur zählt sollte man versuchen eine bautechnische beste Lösung zu finden um Vorhaben umzusetzen. Es zählt nicht nur der neue Radweg, die „hölzernen Leitungen“ (Wurzeln von Alleebäumen) sind Eigentum der Gemeinde. Die Erfahrung oder das fachliche Auge zeigt, dass hierbei insbesondere in der Ausführung durch (Tiefbau-)Dienstleister und oder wegen mangelnder Überwachung durch die Gemeinde Defizite bestehen hinsichtlich des Schutzes unseres Allgemeinguts, was insbesondere auch Bäume, ihre Wurzeln , ihr Anwachsen , ihre Entwicklung und Langlebigkeit besteht. Ein allgemeiner Verweis auf die gängigen DIN Normen hilft hier nicht weiter, auch wenn von den vom Baugeschehen entfernten Planungsbüros wiederholt genannt. Auf die Ausführung kommt es an. Hoffen wir, dass die Pflanzgruben der kleinen Bäume in der Neugestaltung mit mehr Fingerspitzengefühl hergestellt werden als der Baumschutzzaun. Manchmal muss grün weichen um neues Grün zu schaffen sagt man in der Praxis… aber das muss auch gewollt und gescheit umgesetzt werden…
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C
Was leben wir doch in einer gesegneten Welt, wenn man man sich ständig über solchen Schwachsinn aufregen und Gedanken machen muss.<br /> Es scheint wirklich keine anderen Probleme im Ort zu geben.
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A
Ja, Herr Horscek wir leben in einem gesegnet Welt (besser, in einem gesegneten Ort). Das sollte uns aber nicht davon abhalten am Geschehen in der Gemeinde teilzunehmen. Mit "aufregen" hat das wenig zu tun. <br /> Den "Schwachsinn" sehe ich weniger darin, Kritik an der Ausführung zu äußeren, als in der Ausführung der Maßnahme selbst. Probleme, in Ihren Augen vielleicht "Problemchen", gibt es sicher einige im Ort. Deshalb ist es auch erfreulich, dass Menschen auf ganz verschiedenen Ebenen dazu beitragen, diese anzugehen. Jeder wie er mag und kann.<br /> Der Blog ist eine Möglichkeit seine Meinung kuntzutun und sollte vielleicht auch häufiger genutzt werden. Mir tut nur Herr Gürz leid, dem das "Überstunden" beschert.
B
Lieber Herr Gürz,<br /> <br /> vielen Dank für Ihren Beitrag.<br /> <br /> Ich bin kein Freund des Höchheimer Stegs und bin der Meinung, dass eine Sanierung des alten Steges vermutlich ausreichend gewesen wäre.<br /> <br /> Allerdings wird derzeit nahezu jede Maßnahme, die einen Eingriff in Flora und Fauna am Mainufer bedeutet, sehr kritisch bewertet. Vielleicht sollte man sich auch vor Augen halten, dass weltweit täglich Millionen von Bäumen gerodet werden. Auf das Thema Regenwald möchte ich hier gar nicht weiter eingehen.<br /> <br /> Sinnvoller wäre es aus meiner Sicht, den Blick nach vorne zu richten und darauf zu achten, dass das neue Grün nach dieser Baumaßnahme gut gepflegt und entwickelt wird. Möglichkeiten, das Rathaus und seine Verantwortlichen kritisch zu begleiten, wird es sicherlich auch künftig noch genügend geben.
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B
Lieber Herr Genser,<br /> <br /> haben Sie herzlichen Dank für Ihre Antwort. <br /> <br /> Das Einschlagen der Pfosten mit dem Vorschlaghammer über eine solche Länge hinweg ist bereits eine beachtliche Leistung. Sie könnten beispielsweise prüfen, ob Schlagmarken am Kopf der Pfosten sichtbar sind oder ob diese möglicherweise mit einem Bagger in den Boden gedrückt wurden.<br /> <br /> Ihren Ausführungen kann ich gut folgen, und es ist natürlich lobenswert, dass sich ein Mitbürger dieser Sache annimmt. Schließlich gilt für keinen von uns eine Art Narrenfreiheit.<br /> <br /> Wie bereits erwähnt, würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie auch dem übrigen Grün Ihre Aufmerksamkeit schenken würden. In Veitshöchheim findet man zahlreiche Bäume mit Trockenschäden oder Pilzbefall. Auch hier ist eine sorgsame Hand beziehungsweise ein aufmerksamer Bürger hilfreich.<br /> <br /> Denn wie bereits richtig erkannt wurde! Ein gesundes und gepflegtes Grün schont letztlich auch den Geldbeutel der Gemeinde.
A
Lieber Herr Bogner, gerade weil ich den Blick nach vorne richte habe die Maßnahme kritisiert. Wenn Sie regelmäßig die Mainpost lesen, wird Ihnen sicher nicht entgangen sein, dass jedes Jahr etliche Artikel zu lesen sind, in denen berichtet wird, dass Baufirmen oder auch Gemeindearbeiter völlig unsachgemäß mit vorhandenem "Grün" umgehen. Vielleicht spricht es sich an den entsprechenden Stellen allmählich herum und man geht in Zukunft etwas sorgfältigiger mit diesen Themen um. Nebenbei bemerkt. Jeder der einen Garten hat oder vielleicht schon einmal einen Baum gepflanzt hat, weiß die Stellungnahme der beauftragten Planungsfirma einzuschätzen, als das was sie ist, nämlich eine Ausrede. Wie geschrieben, es bestand keine Not, die Pfähle in unmittelbarer Nähe des Stammes zu setzen. Da halte ich die Auskunft eines von mir befragten unabhängigen Fachmanns für maßgeblicher.
A
Herr Fischer als Baumsachverständiger hat recht, wenn er sich auf die DIN-Norm 18920 zum Schutz der Bäume bei Baumaßnahmen bezieht. Er betont allerdings, dass man die Pflöcke nicht in unmittelbarer Nähe des Stammfußes hätte einschlagen dürfen. Ja, genau das ist der Punkt. Bei nahezu allen Platanen wurde der Vierkantpfosten in unmittelbarer Nähe (30-50 cm) zum Stamm eingeschlagen. Dass dabei keine Wurzeln beschädigt wurden, halte ich für recht unwahrscheinlich. Wie dem auch sei. Diese Vorgehen konterkariert die eigentliche Schutzmaßnahme und ist nicht zu entschuldigen. Von der Gemeinde wurde versäumt, die Ausführung zu begleiten oder zumindest explizite Vorgaben an die Firma zu erteilen. Hier wurde völlig unfachmänisch gearbeitet. Es zeigt wieder einmal, dass im "Rathaus" scheinbar wenig Sensibilität gegenüber der Natur besteht. Es wäre ein leichtes gewesen, die Pfosten mit Abstand zwischen die Bäume zu setzen. Damit hätte dann der Schutzzaun seine Aufgabe erfüllt.
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D
Artikel wurde ergänzt um Stellungnahme des von der Gemeinde beauftragten Planungsbüros:<br /> <br /> Für die Gemeinde hat inzwischen auch das beauftragte Fachbüro Großberger Beyhl Partner Landschaftsarchitekten mbB aus München Stellung genommen.<br /> <br /> Demnach erfolgte das Aufstellen des Baumschutzzaunes, wie schon von Fischer aufgeführt, auf Grundlage der einschlägigen Richtlinien, insbesondere der DIN 18920 „Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen“ sowie der FGSV-Richtlinien zum Schutz von Bäumen und Vegetationsbeständen bei Baumaßnahmen (R SBB). Die Maßnahme sei zudem in Abstimmung mit der ökologischen Baubegleitung erfolgt.<br /> <br /> Nach Angaben des Planungsbüros seien die Holzpfosten mit der nötigen Sorgfalt gesetzt worden. „Das Einbringen der Holzpfosten erfolgte mit entsprechender Umsicht, um bei Konflikten mit vorhandenen Wurzeln die Lage der Holzpfosten anzupassen beziehungsweise seitlich zu verschieben.“<br /> <br /> Der Holzzaun erfülle vor allem eine Schutzfunktion für den vorhandenen Wurzelraum. Er solle verhindern, dass dieser Bereich durch Baumaschinen befahren oder für die Lagerung von Baumaterialien genutzt werde.<br /> <br /> Aus diesem Grund sei die Konstruktion bewusst ortsfest ausgeführt worden. „Ein mobiler Bauzaun oder Flatterband würde diesen Schutz nicht ausreichend gewährleisten“, heißt es in der Stellungnahme.<br /> <br /> Der Holzschutzzaun soll über die gesamte Dauer der Bauarbeiten bestehen bleiben und erst nach Abschluss aller Belagsarbeiten an Straße, Gehweg und Mainufer-Radweg wieder entfernt werden.
B
Aha.