Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Digital statt analog: Veitshöchheim rüstet Feuerwehr mit neuen Pagern aus

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Mit der offiziellen Übergabe von 55 digitalen Pagern hat Veitshöchheims Bürgermeister Jürgen Götz am 4. März 2026 gemeinsam mit Feuerwehrkommandant Florian Fischer die digitale Alarmierung bei der Freiwilligen Feuerwehr Veitshöchheim eingeläutet.

Damit endet nach rund einem halben Jahrhundert die Ära der analogen Funkmeldeempfänger. Mit der Einführung des digitalen Sprechfunks war die Alarmierung der letzte noch offene Baustein für den vollständigen Umstieg auf Digitaltechnik. Aktuell versehen 77 aktive Feuerwehrdienstleistende im Alter von 18 bis 67 Jahren ihren Einsatzdienst. Die Alarmierung der 22 Tagesalarm-Aktiven aus dem Umland erfolgt über Pager von deren Heimatwehren oder ergänzend per Handyalarmierung.


Auftragsvergabe durch den Gemeinderat

Die formale Grundlage für die Beschaffung schuf der Gemeinderat am 3. Dezember 2024 in nichtöffentlicher Sitzung. Bereits am 14. April 2023 hatte sich die Gemeinde Veitshöchheim entschieden, an der zentralen Ausschreibung des Freistaats Bayern teilzunehmen.

In enger Abstimmung mit dem für Kartell- und Vergaberecht zuständigen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie wurde ein Verfahren entwickelt, um digitale Pager zentral auszuschreiben und Kommunen bei der Beschaffung zu entlasten. Die Kosten für das Vergabeverfahren übernahm der Freistaat.

Der Landkreis Würzburg gehört zum vierten und letzten Migrationsbereich dieser landesweiten Ausschreibung. In den vorherigen Bereichen konnten laut Gemeinderverwaltung bereits günstige Konditionen hinsichtlich Preis, Gewährleistung und Wartung erzielt werden. Den Zuschlag erhielt die Motorola Solutions Germany GmbH.


55 Geräte fest bestellt – 25 optional

Die Gemeinde sicherte sich eine Mindestabnahmemenge von 55 Gerätesets sowie eine optionale Menge von 25 weiteren Sets. Ein Geräteset umfasst:

  • 🚒  Pager inklusive Akku
  • 🚒 Heimzusatz mit Antenne
  • 🚒 Ladegerät mit Ladekabel
  • 🚒 Tragesystem (Clip, Holster oder Tragetasche)

Der Stückpreis beträgt 847,88 Euro. Für 55 Geräte ergibt sich ein Gesamtkaufpreis von 46.633,13 Euro.

Im Haushalt 2024 waren 55.000 Euro für die Beschaffung eingeplant. Diese Mittel wurden in das Haushaltsjahr 2025 übertragen. Weitere 25 Geräte sind im Haushaltsplan 2026 vorgesehen.

Der Freistaat Bayern fördert die Beschaffung mit 80 Prozent, maximal jedoch 680 Euro je Gerät. Für Veitshöchheim bedeutet die Beschaffung von 80 Pagern konkret:

  • 🚒 Gesamtkosten: 68.000 Euro
  • 🚒 Staatliche Förderung: 54.400 Euro
  • 🚒  Eigenanteil der Gemeinde: 13.600 Euro


Verzögerung wegen Leitstellen-Umbau

Eine frühere Beschaffung war nicht möglich, da die digitale Alarmierung im Bereich der Integrierten Leitstelle Würzburg (ILS) technisch noch nicht umgesetzt war. Erst nach einem umfassenden Hardware-Tausch im Jahr 2025 konnten die Voraussetzungen geschaffen werden.

Die ILS Würzburg war eine der letzten Leitstellen in Bayern, die auf digitale Alarmierung umgestellt wurde. Koordiniert wird der Aufbau des Alarmierungsnetzes durch den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Würzburg. Für den Landkreis wurden 87 Standorte mit digitalen Alarmumsetzern konzipiert, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.

Eine frühere Bestellung hätte zur Folge gehabt, dass die Geräte mangels technischer Infrastruktur nicht nutzbar gewesen wären, während Gewährleistungsfristen bereits angelaufen wären – zudem hätte dies die Förderfähigkeit gefährdet.


Vorteile der digitalen Alarmierung

Künftig erfolgt die Alarmierung über das verschlüsselte TETRA-BOS-Funknetz als Textnachricht. Mehrere Einheiten können parallel innerhalb von Sekunden alarmiert werden. Die digitale Übertragung gilt als abhörsicher und weniger störanfällig als das analoge System.

Die neuen Pager – das Modell TPG2200 von Motorola Solutions sind etwas größer als ihre bis zu 40 Jahre alten analogen Vorgänger links, bieten jedoch deutlich mehr Funktionen:

  • 🚒 Anzeige von Einsatzort und Stichwort im Display
  • 🚒 Parallele Alarmierung mehrerer Einheiten innerhalb von Sekunden
  • 🚒 Mehrfaches Nachsenden der Alarmierung bei Nichterreichbarkeit
  • 🚒 Praktisch unbegrenzte Programmierung von Alarmschleifen
  • 🚒 Verschlüsselte, abhörsichere Übertragung

Für Einsatzkräfte, die mehreren Organisationen angehören – etwa Feuerwehr, Rettungsdienst oder THW – kann ein Pager mit sogenannten Mischprofilen genutzt werden.

Der Akku ist laut Hersteller für bis zu 48 Stunden ausgelegt und kann über USB-C oder in der Ladehalterung geladen werden.



Kritik aus den eigenen Reihen

Zugführer Dieter Leimkötter (beim Jubiläumsabend im letzten Jahr mit dem Bayerischen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet) blickt mit etwas Wehmut auf die alten Geräte zurück. Er sieht die Umstellung kritisch – vor allem im praktischen Einsatzalltag. Sein Fazit fällt deutlich aus: Für ihn sei die Anschaffung technisch nicht zwingend notwendig gewesen. Seinen analogen Melder werde er vorerst weiter nutzen.

Das neue Modell sei größer und schwerer als das bisherige analoge Gerät. Bereits nach rund 30 Stunden melde der Pager „Akku leer“, obwohl zuvor noch eine halbvolle Anzeige bestanden habe. Ein tägliches Laden sei damit faktisch notwendig.

Beim Laden über USB-C blinke die LED dauerhaft – störend insbesondere nachts. Nur in der Ladehalterung lasse sich das unterdrücken.

Alarm ohne Sprachdurchsage

Besonders vermisst Leimkötter die frühere Sprachdurchsage. Analog habe man sofort gehört, ob mehrere Schleifen ausgelöst wurden und ob zusätzlich die Sirene mitlief – ein Hinweis auf die Größe des Einsatzes. Zudem seien „Wo, Was und welche Einheiten“ direkt angesagt worden. Heute erscheine die Information ausschließlich im Display.  „Da brauche ich erst meine Lesebrille – und wenn ich im Auto sitze, muss ich anhalten, um die Meldung zu lesen.“, so seine Kritik. "Der alte Melder ging noch in der Tiefgarage, jetzt halt nicht mehr“, sagt er.


Diskussion um Folgekosten

Auch wirtschaftlich sieht Leimkötter Herausforderungen. Bei etwa 1.000 Ladezyklen könnten die Akkus nach rund drei Jahren verschlissen sein. Bei 80 Euro pro Akku würden für 80 Geräte rund 6.400 Euro anfallen.

Die bisherigen analogen Melder arbeiteten mit handelsüblichen AA-Akkus, deren Austausch deutlich günstiger war. Sämtliche Betriebs- und Wartungskosten der neuen Geräte trägt die Gemeinde vollständig selbst.

Zudem verweist er auf eine weitere Alarmierungsform: Parallel werden die Einsatzkräfte über die Smartphone-App „A-Pager“ informiert, über die auch Rückmeldungen („Komme“ / „Komme nicht“) möglich sind. Diese Funktion wäre technisch auch über den neuen Pager realisierbar, ist jedoch nicht aktiviert. Die App gilt allerdings nicht als offiziell zugelassener Alarmierungsweg.


„Alternativlos, aber teuer“

Für die Gemeinde war die Beschaffung letztlich alternativlos, da Bayern landesweit auf Digitalfunk umstellte. Der Testbetrieb in anderen Netzabschnitten habe gezeigt, dass das Digitalfunknetz für die Alarmierung gut geeignet sei.

Während die Führung auf Zukunftssicherheit, parallele Alarmierung und Verschlüsselung verweist, zeigt die Stimme aus der Mannschaft, dass der Umstieg im Alltag nicht nur Vorteile bringt.

Für die Bürger ändert sich indes nichts: Die Freiwillige Feuerwehr Veitshöchheim bleibt rund um die Uhr einsatzbereit – künftig digital alarmiert.


Fotos Dieter Gürz 

Kommentiere diesen Post