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Platanen an der Mainlände: Diskussion nach LBV-Stellungnahme geht weiter

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Nach dem Bericht von Veitshöchheim News vom 29. Januar zur fachlichen Einschätzung des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) zur geplanten Fällung von Platanen an der Mainlände am Höchheimer Steg ist die Diskussion weitergeführt worden. In einem Kommentar äußerte sich der Veitshöchheimer Bürger Armin Genser kritisch zur Bewertung des LBV. Inzwischen hat der LBV seine Stellungnahme nochmals erläutert und fachlich ergänzt.


LBV: Naturschutzfachliche und -rechtliche Einordnung

Der LBV war auf Bitte von Bürgermeister Jürgen Götz um eine naturschutzfachliche Einschätzung gebeten worden. Bezirksgeschäftsstellenleiter Marc Sitkewitz ordnete die betroffenen Platanen aus naturschutzfachlicher und -rechtlicher Sicht ein (siehe nachstehender Link).  Bei den Bäumen handelt es sich um nicht gebietsheimische Platanen-Hybride. An den rund 40 Jahre alten Bäumen seien keine Höhlen- oder Mulmstrukturen festgestellt worden, die als Lebensraum besonders geschützter Arten relevant wären. Artenschutzrechtliche Bedenken gegen die Fällung bestünden daher – bei Einhaltung der Rodung außerhalb der Brutzeit – nicht.


Kommentar von Armin Genser: Bedeutung gewachsener Bäume

Diese stößt bei Armin Genser auf Widerspruch. In seinem Kommentar zum Artikel stellt er infrage, ob die ökologische Wertigkeit eines Baumes allein anhand seiner Gebietsheimatlichkeit beurteilt werden könne. Aus seiner Sicht spiele insbesondere das Alter der Bäume eine entscheidende Rolle. Große, gewachsene Bäume böten Lebensraum, trügen zur Verbesserung des Stadtklimas bei und prägten seit rund 40 Jahren das Ortsbild an der Mainlände.

Zudem weist Genser darauf hin, dass im Zuge der geplanten Neugestaltung erneut nicht heimische Baumarten vorgesehen seien, darunter auch Platanen. Der Vergleich mit Baumarten wie der Eiche sei daher nicht zielführend, da diese an der Mainlände nicht gepflanzt werden sollen. Auch Krankheitsrisiken beträfen nicht nur bestehende, sondern ebenso neu gepflanzte Bäume.


Verweis auf Studien zur Biodiversität von Stadtbäumen

In einer erneuten Stellungnahme betont Marc Sitkewitz, dass es ihm nicht darum gehe, die Platanen „schlechtzureden“, sondern um eine sachlich korrekte naturschutzfachliche und -rechtliche Einordnung. Aspekte wie Kleinklima, Schattenspende oder Ortsbild seien für diese Bewertung nicht maßgeblich. Diese Abwägung liege beim Gemeinderat.

Sitkewitz verweist in diesem Zusammenhang auf wissenschaftliche Untersuchungen zur Biodiversität von Stadtbäumen. In Studien der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sei festgestellt worden, dass bei den untersuchten Baumarten hinsichtlich der Biodiversität im Kronenraum keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen heimischen und südosteuropäischen Arten bestehen. Platanen seien in diesen Untersuchungen allerdings nicht berücksichtigt worden.

Entscheidend sei daher der sogenannte Biodiversitätsindex, wie er unter anderem im Rahmen der Studie „Biodiversitätsindex für Stadtbäume im Klimawandel“ der Stadt Zürich ermittelt wurde. Diese unter Leitung von Dr. Sandra Gloor durchgeführte Untersuchung zeigt, dass Platanen im Vergleich zu allen untersuchten Baumarten den niedrigsten Biodiversitätsindex von 1,3 aufweisen.


Alter der Bäume und artenschutzrechtliche Relevanz

Dass das Alter von Bäumen grundsätzlich zur ökologischen Wertigkeit beiträgt, stellt der LBV nicht infrage. Für die naturschutzrechtliche Bewertung sei jedoch entscheidend, ob Strukturen vorhanden seien, die als potenzielle Lebensstätten im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes gelten. Bei rund 40 Jahre alten Platanen seien solche Strukturen in der Regel noch nicht ausgebildet. Entsprechend seien weder höhlenbrütende Vogelarten noch Fledermäuse betroffen.


Unterschiedliche Bewertung – Entscheidung bereits getroffen

Die Diskussion zeigt, dass sich die Positionen weniger in der Faktenlage als in der Gewichtung der Bewertungskriterien unterscheiden. Während der LBV die naturschutzrechtliche Zulässigkeit beurteilt, stellen Kritiker der Fällung die stadtökologischen, klimatischen und gestalterischen Aspekte in den Vordergrund.

Ob die bestehenden Platanen stärker in die Planung hätten einbezogen werden sollen, bleibt damit eine politische Frage. Die Entscheidung darüber hat der Hauptausschuss des Gemeinderats jedoch bereits in seiner Sitzung am 27. Januar 2026 getroffen (siehe nachstehenden Link).

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P
Sehr geehrter Herr Bogner, sehr geehrter Herr Gürz, <br /> als leider erfolgloses Beispiel für die Baumpflege junger Baumanpflanzungen kann man hier die nun zum größten Teil vertrockneten (inzwischen entfernten) und verkümmerten Bäume an der Pont-l'Eveque-Allee (ortsseitig) nehmen, welche von Bürgern im Zuge des Wettbewerbs Entente Florale vor <br /> Jahren gespendet wurden. <br /> <br /> Diese wurden aufwendig mithilfe des Wassertank-Unimogs der Gemeinde gegossen. Dabei lief der umweltbelastende Motor des besagten Fahrzeugs bei gleicher Tätigkeit täglich stundenlang.<br /> <br /> Die Bäume konnten nicht erhalten werden. <br /> Man kann argumentieren, dass die Brücke über diesen Bäumen ein Dach bildete, jedoch kommt der Regen dort seitwärts schon an die Stämme. Es ist die Sonne und Hitze die dort unbarmherzlich regiert. <br /> Große neu angepflanzte Bäume haben zudem mit den starken Seitwärtsböen und Winden vom Main zu kämpfen. <br /> Diesen Kampf haben die Schatten und Kühle spendeten Platanen schon gewonnen.
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B
Sehr geehrter Herr Düll,<br /> <br /> bitte nehmen Sie mir meine Offenheit nicht übel, jedoch bin ich nicht der Typ, der sprichwörtlich tote Pferde reitet. Nach meiner Einschätzung werden sich die Entscheidungsträger dieses Projekts bereits zum jetzigen Zeitpunkt Gedanken darüber machen, wie bestehende Defizite argumentativ relativiert werden können. Lassen Sie uns daher den Blick nach vorne richten und über die kommenden Schritte sprechen. In diesem Zusammenhang möchte ich meine bereits gestellte Frage nochmals ausdrücklich aufgreifen: <br /> <br /> Welche konkreten Maßnahmen und Zuständigkeiten sind künftig vorgesehen, um sicherzustellen, dass Neupflanzungen dauerhaft fachgerecht gepflegt, ausreichend bewässert und langfristig erhalten werden?<br /> <br /> Sollten diese Punkte bislang nicht verbindlich bedacht und geregelt worden sein, erachte ich jede Argumentation zugunsten von Neu- oder Ausgleichspflanzungen als wenig überzeugend. Ohne ein tragfähiges Pflege- und Erhaltungskonzept laufen entsprechende Maßnahmen Gefahr, ihren Zweck zu verfehlen.<br /> <br /> Ich bitte daher um eine klare und konkrete Darlegung der vorgesehenen Vorgehensweise.
A
Danke Herr Gürz, für die Gegenüberstellung.<br /> Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass die naturschutzfachliche Einschätzung von Herrn Sitkewitz und meine Intention, die Platanen zu erhalten, einen völlig unterschiedlichen Ausgangspunkt haben. <br /> Mir geht es um den Erhalt der sechs etwa 40 jährigen Platanen. Meine Gründe dafür wurden ja erläutert. <br /> <br /> Zu den von Herrn Sitkeritz genannten Studien und Bewertungen gibt es auch diverse gegenteilige Standpunkte, so z.B. vom Regierungspräsidium Freiburg (RPF) Referat 56 – Naturschutz und Landschaftspflege. Hier geht es nämlich um den Erhalt bestehender Bäume. <br /> Bei den von Herrn Sitkewitz genannten Studie und besonders bei Dr. Halla, geht es um Neupflanzungen. Städteplaner greifen gerne und wohl auch häufig bei Neupflanzungen zur unkomplizierten Platane. Herr Halla schreibt von dem "verführerischen, gehorsamsten Baum", "er eignet sich keinesfalls als Massenanbau" und "...dass ein Teil der Identität und Einmaligkeit unserer schwäbisch-fränkischen Heimat auf der Strecke bleibt."<br /> <br /> In Veitshöchheim geht es nicht um Neupflanzungen.<br /> Der "geringe Biodiversitätsindex" auf den abgestellt wird, nimmt mit zunehmenden Alter zu. Dazu muss man die Bäume halt auch alt werden lassen. Es käme doch niemand auf die Idee, die vielen Platanen an Friedrich-Ebert-Ring in Würzburg oder hier im Hofgarten zu fällen, und dies u.a. mit dem Biodiversitätsindex zu begründen. <br /> Das angeführte Argument, die gefällten Bäume würden durch Neupflanzungen ersetzt, greift nicht. Es wurde mehrfach betont, dass die Aufwertung des Dreschplatzes höchst erfreulich ist. Aber das Eine schließt das Andere nicht aus.<br /> <br /> Dazu eine Entscheidung aus Oldenburg. Dort sollten zwei Platanen aus gestalterischen Gründen gefällt werden. Begründung: Man möchte einen freien Blick auf das neue Stadtmuseum haben (Vhh: "Ein Befreiungsschlag, der die Blicke zum Fluss, mainabwärts und auf das neue Brückenbauwerk freigebe", so der Planer).<br /> Im Ausschuss für Stadtgrün, Umwelt und Klima (ASUK) wurde der absurden Begründung zur Fällung, gegen die ökologisch wichtigen und als fester Teil des Stadtbildes bezeichnen Bäume, in einem Dringlichkeitsantrag durch die Fraktionen von Grünen, CDU und SPD, widersprochen und die Fällung verhindert.
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T
Am 8. März diesen Jahres sind Wahlen. Man kann da sein Kreuz machen, wo man möchte. Ich werde die Politik, die man hier betreibt, nicht mehr wählen ...Mehr an Tourismus interssiert und an Gewerbesteuer, als das was der Wähler möchte.Alle 6 Jahre kommen die GEWÄHLTEN Vertreter dann aus ihrem Loch und werben um Stimmen ... Hier in Veitshöchheim sollte der Mensch wichtig sein und nicht die Partei!!! Wir sind nicht München oder Berlin ....
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D
Wer alle sechs Jahre das „Aus-dem-Loch-Kommen“ der Gemeinderäte bemängelt, übersieht, dass hinter jeder Entscheidung echte Menschen stehen, die ehrenamtlich Zeit, Energie und Verantwortung investieren – oft ohne Beifall. Demokratie funktioniert nun mal nicht wie ein Online-Voting: Wir wählen Vertreter, die unsere Interessen in den Gremien vertreten.<br /> <br /> Natürlich kann man immer sagen „das ist nicht, was ich will“ – aber dann müsste man für jede Entscheidung einen Bürgerentscheid abhalten. Praktisch? Eher nicht. Und ehrlich: Wir können froh sein, dass es noch Menschen gibt, die sich freiwillig engagieren, statt zu meckern. Wer das vergisst, hat den Wert der repräsentativen Demokratie noch nicht ganz verstanden – man wählt, man vertraut, und manchmal muss man eben anerkennen, dass Verantwortung nicht von allein wächst.
G
Ja, über die Platanen wurde auch in meinen Augen nun rein politisch aber leider nicht mehr demokratisch abgestimmt. Indem die Entscheidung ohne "örtlichen Bezug" auf die Tagesordnung des Hauptausschusses kam, wurde zum einen die Bevölkerung nicht ausreichend über einen anstehenden Beschluss informiert. Zum anderen hat die CSU im Hauptausschuss durch ein geschicktes Manöver immer die Mehrheit, da die anderen Parteien nicht proporzional vertreten sind. <br /> <br /> Ich möchte anmerken, dass alle Räte sich mit ihrem Eid an die Einhaltung von Gesetzen verpflichten.<br /> §31 BauGB ist ein solches Gesetz. Nach §31 BauGB Abs. 2 kann nur dann vom Bebauungsplan befreit werden, wenn die Grundzüge der Planung nicht berührt werden.<br /> <br /> Wer von uns könnte reinen Gewissens für eine Befreiung vom Bebauungsplan nach § 31 BauGB stimmen, weil<br /> a) "die eingetragene Spielanlage nie realsiert worden ist" und zudem<br /> b) "die Grundzüge der Planung nicht berührt werden"?<br /> <br /> Was bitte waren dann die Skateranlage, der Rollschuh- und der Basketballplatz mit angrenzender Grünfläche auf der frei gespielt wurde? Keine Spielanlage?<br /> <br /> Ein Fahrradweg, eine Doppelbushaltestelle, der Mainbalkon sowie die Aufenthalts- und Gastrofläche anstelle der Parkplätze, sowie die Verschwenkung der Pont-l'Eveque-Allee und die Entfernung der verpflichtend zu erhaltenen Platanen, berühren nicht die Grundzüge der Planung von 1986?<br /> <br /> Diese aus meiner Sicht fragliche Entscheidung des Hauptausschusses soll nun die Basis für 3 Mio € Städtebauförderung sein?
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B
Sehr geehrter Herr Gürz,<br /> <br /> herzlichen Dank für Ihren Beitrag. <br /> <br /> Die aktuelle Diskussion sollte allen beteiligten Gemeinderäten als Lehre dienen und bei zukünftigen Projekten ähnlicher Art entsprechend berücksichtigt werden.<br /> <br /> Ich möchte an dieser Stelle einen wichtigen Punkt von Herrn Armin Genser aufgreifen. Er weist darauf hin, dass abzuwarten bleibt, wie sich die neu gepflanzten Bäume entwickeln. Ein Blick auf bestehende Neupflanzungen, etwa in den Sandäckern oder am Jahresbaumweg, verdeutlicht diese Unsicherheit.<br /> <br /> Daher richtet sich meine Frage an Herrn Bürgermeister Jürgen Götz sowie an die Mitglieder des Gemeinderates:<br /> Welche konkreten Maßnahmen und Zuständigkeiten sind künftig vorgesehen, um sicherzustellen, dass Neupflanzungen dauerhaft fachgerecht gepflegt, ausreichend bewässert und langfristig erhalten werden?
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