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„Einfach glücklich“ im Bacchuskeller - UWG Veitshöchheim lud zum Musikkabarett zum Faschingsausklang

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Bereits zum 20. Mal veranstaltete die U.W.G. Veitshöchheim e.V. ihren traditionellen Kabarettabend am Faschingsdienstag im stimmungsvoll ausgeleuchteten Bacchuskeller – und wieder war das Gewölbe restlos gefüllt. Rund 80 Besucher erlebten am 17. Februar 2026 einen ebenso heiteren wie hintergründigen Ausklang der närrischen Tage. Vorsitzender Martin Issing begrüßte das Publikum und freute sich über ein ausverkauftes Haus im 40. Jubiläumsjahr der UWG.

Unter dem Motto „Einfach glücklich – Musikalisches Kabarett“ gastierte das Duo „Spuimawas“ und sorgte zweieinhalb Stunden lang – inklusive Pause – für beste Unterhaltung.

Zwei Künstler, ein eingespieltes Duo

Hinter „Spuimawas“ stehen der seit mehr als vier Jahrzehnten bühnenerfahrene Schauspieler, Sänger und Musikkabarettist Frank Astor aus Dießen sowie Dr. Wilfried Müller aus Utting, vielen als „Wilfried vom Ammersee“ bekannt. Seit dem vergangenen Sommer stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne und können inzwischen auf rund 20 Auftritte als Duo zurückblicken – ihre Harmonie war an diesem Abend deutlich spürbar.

Astor griff tief in seinen Fundus eigener Songs. Seine Lieder kreisen um die „Irrungen und Wirrungen des menschlichen Daseins“, nehmen Alltagsmarotten aufs Korn und suchen zugleich stets das Schöne im Leben.

So wandelte er den internationalen Klassiker „Always look on the bright side of life" aus Monty Python's Life of Brian kurzerhand um in "Allweil schau auf das Schöne im Leb'n". Titel wie das augenzwinkernde Aufschieberlied „Das mach ich später, was soll das Gezeter“ oder die satirische Eigenkomposition „Mein Analytiker, der macht’s mit Freud“ zeigten seine Bandbreite zwischen Coaching-Parodie und feinsinniger Gesellschaftsbeobachtung.

Müller brachte den typisch bairischen Ton ein, griff immer wieder zur Mundharmonika und überzeugte als musikalischer Bänkelsänger mit Gitarre. Mit sichtbarer Freude interpretierte er Texte von Karl Valentin – unter anderem im Duett mit Astor beim amüsanten Sketch „Die Heiratsanzeige einer einsamen Witwe“. Zwischendurch karikierte Müller sächselnd Walter Ulbricht – sehr zur Erheiterung des Publikums.

Zwischen Lebensweisheit und Satire

Nach der Pause lud Astor die Gäste ein, für zwei Minuten die Augen zu schließen und sich eine heile Welt vorzustellen – um anschließend über „nach mir die Zukunft, hinter mir die Vergangenheit“ zu philosophieren. Er ging dann auf die immer mehr bis ins letzte Gen digitalisierte Menschheit ein, um dann aber die Vorzüge von ChatGPT bei der Analyse der Anglizismenflut zu loben.

Das Programm reichte von poetischen Momenten über Betrachtungen zur Vergänglichkeit bis zu bissigen Spitzen etwa über Gender-Auswüchse, charmant verpackt. Kleine Geschichten und zündende Witze  verbanden die Lieder.

Astor interpretierte so auch Werke anderer Kabarettgrößen, etwa das melancholische „Isarflimmern mitten im Paradies“ des Liedermachers Willy Michl oder das „Wunderlied“ aus dem Film "Sommer in Orange" von Marcus H. Rosenmüller. Für Lachsalven sorgte zudem  "behmisch" hinterlegt „Mein Weib will mich verlassen, Gott sei Dank“ von Georg Kreisler. Auch der motorlärmende Workaholic-Nachbar bekam sein Fett weg. Astors Fazit: „Solche Absurditäten sind nur mit Humor zu ertragen.“

Als Schlussnummer präsentierte das Duo – angelehnt an „Father and Son“ von Cat Stevens – eine augenzwinkernde Version des Kölner Kultsongs „Nur wer vögelt, kann auch fliegen“. Eine Zugabe durfte nicht fehlen: Für den anwesenden Gast Josef Hohmann gab es ein spontanes Geburtstagslied.

Zwei Stunden Auszeit vom Alltag

Immer wieder entstand ein beinahe familiäres Gefühl im Bacchuskeller, wenn das Publikum in verteilte Refrains wie „Sitz di her“ einstimmte. Ohne große Technik, dafür mit Gitarre, Stimme und Spielfreude setzte „Spuimawas“ auf unmittelbaren Kontakt.

So etwa, als Astor die Frage karikierte, ob Geld glücklich mache – nachdem er kurzerhand einem Besucher einen 20-Euro-Schein geschenkt hatte.

Gerade am Faschingsdienstag, an dem vielerorts die Lautstärke regiert, wirkte dieser Abend wie eine bewusste Alternative: kein schrilles Spektakel, sondern ein musikalisch-kabarettistisches Miteinander. Gitarrenklänge, Chansons und satirische Einlagen wechselten sich ab, ohne zu sehr ins Derbe abzurutschen.

Am Ende dankte lang anhaltender Applaus dem Duo für einen gelungenen Abend, Vorsitzender Martin Issing den Künstlern mit einem  EU-Mittelpunktswein.

Viele Gäste verließen den Bacchuskeller mit einem Lächeln – und dem Gefühl, für zwei Stunden „einfach glücklich“ gewesen zu sein. Der traditionelle Kabarettabend der UWG hat damit seinen festen Platz im Veitshöchheimer Kulturkalender erneut bestätigt.

Ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit der UWG im 40. Jubiläumsjahr beschloss die Veranstaltung

v.l. Martin Issing, Claudia Schädel, Frank Astor, Wilfried Müller, Sabine Werner, Julia Kinzkofer, Andreas Düll und Manfred Roßner

Randnotiz: Als Schlappsau am Dienstag unterwegs war UWG-Gemeinderatskandidat Dominik Reinhard (li.), der mal kurz für einen Drink mit seinem Kompagnon vorbeischaute.

Fotos Dieter Gürz

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