Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Aktualisiert: Wenn eine Nachricht Betroffenheit auslöst - SPD-Ortsverein Veitshöchheim sammelt Spenden für Bahnhofsmission Würzburg und Wildwasser

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Der SPD-Ortsverein Veitshöchheim übergab am 8. Januar den zweiten Teil der bei der Altortweihnacht am 3. Adventswochenende im Haus der Begegnung durch den Verkauf von Popcorn gesammelten Spenden in Höhe von 400 Euro an die Bahnhofsmission Würzburg.

Der erste Teil der Sammlung, ein Betrag von 600 Euro, der bereits am 2. Adventswochenende zusammenkam, ging an den Verein Wildwasser e.V..

(siehe nachstehender Link auf Bericht vom 14.12.2025).

„Die Bahnhofsmission und Wildwasser leisten unverzichtbare Arbeit für Menschen, die oft durch jedes Raster fallen. Uns war es wichtig, mit unserer Spendenaktion ein sichtbares Zeichen der Solidarität zu setzen und konkret zu helfen“, betont die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Veitshöchheim, Olga Kämmer. Beide Organisationen helfen Menschen in schwierigen Lebenssituationen unbürokratisch, kostenfrei und ohne lange Umwege. Sie beraten, begleiten und geben Halt nach Gewalterfahrungen oder in scheinbar ausweglosen Situationen.

Ein Ort für alle – mitten in Würzburg

Es ist ein Nachmittag am Würzburger Hauptbahnhof. Noch ist es hell, die Stadt ist wach. Menschen warten – dann öffnet sich die Tür der Bahnhofsmission. Wer eintritt, wird empfangen mit einer Tüte Brötchen und warmem Tee. Manche nehmen das Angebot dankbar an und gehen weiter, andere bleiben, setzen sich, kommen ins Gespräch. Ein Buch wird aus dem kleinen Regal zwischen Tresen und Fenster genommen.

Hier darf jeder kommen: unabhängig von Alter, Geschlecht oder Religion. Niemand muss sich erklären oder verändern. Hier darf man einfach Mensch sein.

Eine Radiomeldung als Auslöser

Dem Besuch des SPD-Ortsvereins Veitshöchheim bei der Bahnhofsmission Würzburg ging eine Nachricht voraus, die nachwirkte. Ein Bericht von Radio Gong machte auf den steigenden Bedarf aufmerksam, auf wachsende Kosten und auf immer mehr Menschen in akuten Notlagen – darunter zunehmend Frauen, auch mit Kindern, teils mitten in der Nacht.

Die Frage stellte sich schnell: Was können wir tun?

Spenden statt Wegsehen

Olga Kämmer: "Dem Ortsverein ist bewusst, dass er weder die Reichweite noch die Mittel hat, um große finanzielle Lücken zu schließen. Doch Nichtstun kam ebenfalls nicht infrage. So entstand die Idee, im Rahmen der Altortweihnacht Spenden zu sammeln."

„Wir sind das Netz unter dem Netz“

Bei der Führung durch die Räumlichkeiten schildert Geschäftsführer Michael Lindner-Jung die vielfältige Arbeit der Bahnhofsmission. Seit 1980 ist er dort tätig. „Wir sind das Netz unter dem Netz – keiner darf verloren gehen“, beschreibt er die Aufgabe der Einrichtung.

Die Menschen, die hierherkommen, stammen aus allen Bildungs- und sozialen Schichten. Für manche ist die Bahnhofsmission eine kurze Zwischenstation, von der aus sie an Beratungsstellen, Frauenhäuser oder weiterführende Hilfsangebote vermittelt werden. Für andere ist sie ein fester Anlaufpunkt im Alltag. Jeder findet hier das, was er gerade braucht: einen Platz zum Aufwärmen, ein Gespräch oder die Ruhe vor dem Stadtlärm.

Steigende Zahlen, wachsende Herausforderungen

Tagsüber steht die Bahnhofsmission allen offen, nachts hilft ein Nachtdienst bei dringenden Anliegen. 21 hauptamtliche Mitarbeitende und rund 40 Ehrenamtliche stemmen den Betrieb. Sie werden sorgfältig an ihre Aufgaben herangeführt und begleitet, Supervisionen und Schulungen gehören dazu.

Die Herausforderungen wachsen dennoch. Die Zahl der Hilfekontakte steigt seit Jahren deutlich an: 2025 wurde die Bahnhofsmission mehr als 75.000-mal aufgesucht – ein Plus von 85 Prozent gegenüber 2021. Viele Besucherinnen und Besucher sind mehrfach belastet, etwa durch psychische Erkrankungen, Behinderungen, Wohnungslosigkeit, Abhängigkeit oder Gewalterfahrungen. Allein 1.177 Mal diente die Bahnhofsmission als Notübernachtungsstelle für Frauen mit Kindern.

Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen

Gesellschaftliche Krisen spiegeln sich hier unmittelbar wider – ebenso politische Entwicklungen. Mit Beginn des Ukraine-Kriegs wurden innerhalb weniger Tage hilfesuchende Flüchtlinge zum Alltag der Anlaufstelle.

Auch die finanzielle Situation zeigt sich deutlich: Die rund um die Uhr besetzte Hilfestation am Hauptbahnhof verursacht hohe Personalkosten. Mit dem neuen Konzept als gGmbH geht die Bahnhofsmission dennoch optimistisch in die Zukunft.

Kleine Räume, große Wirkung

Ein Besucher bittet Leiterin Johanna Anken um ein Beratungsgespräch. Dafür steht ein kleiner, aber behaglicher Raum zur Verfügung. Die Willkommensatmosphäre ist deutlich spürbar. Über die Spende, kleine Aufmerksamkeiten für die Mitarbeitenden und das ehrliche Interesse an der Arbeit der Bahnhofsmission freut sich Geschäftsführer Lindner-Jung sehr.

Oder, wie er es selbst formuliert:
„Auch wenn wir die Augen vor den Menschen und ihren Problemen verschließen – sie verschwinden nicht.“

Foto: SPD 

Kommentiere diesen Post