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Infogang 2025 der Gemeinde Veitshöchheim Teil 2 - Großbaustelle Lindentalstraße: Sanierung bis Ende 2027 – Gemeinde investiert über 7,4 Millionen Euro

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Bürgermeister Jürgen Götz und sein Tiefbauingenieur Jürgen Hardecker informierten beim Info-Gang 2025 an drei Stellen der 930 Meter langen Lindentalstraße über die Fortschritte bei der Generalsanierung durch die beauftragte Baufirma Grümbel, Gössenheim seit dem Baubeginn im Juli 2024, was noch bis Ende 2025 ansteht  und welche weiteren Abschnitte bis zur endgültigen Fertigstellung Ende 2027 folgen.

Die Sanierung der Lindentalstraße wurde schon 2017 beschlossen. Damals war sogar noch eine Kostenbeteiligung der Anlieger über Straßenausbaubeiträge vorgesehen. Parallel wurde das Radwegekonzept verabschiedet, das die Lindentalstraße als wichtigen Baustein enthält.

Doch bis zum ersten Spatenstich dauerte es noch. Erst 2018 wurde die Vorentwurfsplanung beschlossen, danach folgte eine umfangreiche Dimensionierung der Kanalisation – auch mit Blick auf die Baugebiete Sandäcker und Am Geisberg. 2023 fiel dann die Entscheidung für die Radverkehrsführung, 2024 startete schließlich die Baustelle.

„Die Lindentalstraße erhält entsprechend der Planung des lngenieurbüros Hoßfeld & Fischer, Bad Kissingen einen komplett neuen Unterbau, moderne Leitungen, sichere Gehwege, Radstreifen und zeitgemäße Beleuchtung“, fasste der Bürgermeister zusammen.

Gründe für den Ausbau

Beim dritten Halt in Höhe Arndtstraße/Uhlandstraße führte der Bürgermeister den Istzustand vor Augen. Die Fahrbahn ist von Rissen und Schlaglöchern durchzogen, die Gehwege sind teilweise kaum mehr nutzbar, Asphalt, Borde, Rinne müssen erneuert werden.

Hinzu kommt: Unter der Straße verbirgt sich ein Netz alter Leitungen, die ebenfalls am Ende ihrer Lebensdauer sind – Wasser, Kanal, Strom, Gas und Telekommunikation  und bei der Straßenbeleuchtung sind die Masten, zum Teil Peitschenmasten, angerostet, die Abstände mit 65 Meter viel zu groß.

Zusammenarbeit mit allen Versorgungsträgern

Um Synergieeffekte zu erzielen, führen Gemeinde, Versorgungsbetriebe und Energieversorger die Arbeiten koordiniert durch. Die Versorgungsbetriebe Veitshöchheim erneuern Kanal- und Wasserleitungen, die Energieversorgung verlegt neue Strom- und Gasleitungen, Telekom und Vodafone verlegen moderne Speedpipes und Mikrokabel. Die Gemeinde selbst sorgt für neue Straßenbeleuchtung.

„So vermeiden wir, dass in wenigen Jahren erneut aufgerissen werden muss“, betonte Götz.

Mehr Sicherheit durch größeren Kanal

Besonders eindrucksvoll sind die Dimensionen beim Kanalbau. Der bisherige Hauptsammler hatte im unteren Bereich einen Innendurchmesser von 70 Zentimetern. Künftig misst er 1,40 Meter – die Kapazität vervierfacht sich von 0,38 auf 1,54 Quadratmeter.

„Das ist nicht nur eine technische Zahl“, betonte Tiefbauingenieur Hardecker. „Das bedeutet, dass Starkregenereignisse, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, künftig besser abgeleitet werden können. Wir erhöhen damit die Sicherheit für viele Anwohner.“

Der neue Kanal entlastet auch die Hauptsammler in der Günterslebener Straße und der Schönstraße über einen Bypass in der Heinestraße.

Radfahrer sollen mehr Platz bekommen

Auch die Verkehrssicherheit spielte bei den Planungen eine große Rolle. Die Lindentalstraße ist Teil der Ost-West-Radroute 5. Im Gemeinderat wurden verschiedene Varianten diskutiert – vom Schutzstreifen bis zur Fahrradstraße. Am Ende setzte sich die durchgehende Markierung von Schutzstreifen durch.

„Die Platzverhältnisse sind eng, und das Gefälle ist stark. Mit Schutzstreifen können wir den Raum optimal nutzen“, erläuterte der Bürgermeister. Für Radfahrer bedeutet das: mehr Sichtbarkeit und mehr Sicherheit im Mischverkehr.

Millioneninvestition – mit Zuschuss vom Freistaat

Billig ist das Ganze nicht: Rund 6,1 Millionen Euro für die eigentlichen Bauarbeiten und zusätzlich 1,3 Millionen Euro für die Entsorgungskosten schlagen zu Buche. Die Kosten teilen sich Gemeinde (2,9 Mio.), Versorgungsbetriebe (3,8 Mio.) und Energieversorger (0,7 Mio.).

Eine gute Nachricht gab es im Juli 2024: Der Freistaat Bayern bewilligte eine Förderung nach dem Finanzausgleichsgesetz zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in Höhe von 1,4 Millionen Euro. „Das hilft uns sehr, diese große Investition zu stemmen“, so Götz.

Technik im Detail – frostsicher und barrierefrei

Wie der gemeindliche Tiefbauingenieur am ersten Halt am Beginn des bereits fertiggestellten Abschnitts an der Schönstraße erläuterte, erhält  Straße erhält einen komplett neuen frostsicheren Oberbau:

  • Fahrbahn: 6 Meter breit, 4 cm Asphaltdecke, 14 cm Asphalttragschicht (= 18 cm, vor 12 cm),  37 cm Schotter-Frostschutzschicht, zuzüglich 30 cm Bodenaustausch. Dank des Gefälles kann auf Entwässerungsrinnen verzichtet werden.

  • Gehwege: mindestens 1,50 Meter breit, regulär 1,65 bis 2,50 Meter. Aufbau aus 8 cm Betonpflaster mit Granitborden 12 cm bzw. 3 cm Überfahrhöhen, 4 cm Splittbett und 41 cm Frostschutzschicht, zuzüglich 30 cm Bodenaustausch.

Verkleinert werden die  Kurvenradien bei Einmündungen, um die Fahrbahnquerungswege möglichst kurz zu halten. 

In enger Abstimmung mit Behindertenbeauftragten und Mobilitätstrainern wird auf Barrierefreiheit geachtet. Wichtige Elemente sind:

  • abgesenkte Bordsteine mit 3 cm Tastkante,

  • tastbare Leitlinien entlang der Gehweghinterkante,

  • kurze Querungswege durch verkleinerte Kurvenradien,

  • spezielle Übergangssteine zur besseren Orientierung,

  • differenzierte Querungsstelle an der Lessingstraße mit Anschluss Richtung Sandäcker.

Neue Straßenbeleuchtung und Markierungen

Die alte Beleuchtung mit angerosteten Peitschenmasten und großen Abständen wird durch moderne LED-Technik ersetzt. Künftig sorgen 37-Watt-Leuchten (bisher 2 x 80 Watt) in acht Metern Höhe mit Abständen von rund 35 Metern für mehr Sicherheit.

Für den Radverkehr werden 1,25 bis 1,50 Meter breite Schutzstreifen aufgebracht. In den nördlichen Einmündungsbereichen erhöhen Zick-Zack-Markierungen die Verkehrssicherheit. Insgesamt werden 38 Längsparkplätze markiert.

Zwölf Bauabschnitte bis 2027 – Aktueller Stand 

Seit dem 9. Juli 2024 rollen die Bagger in der Heinestraße: Dort begannen die umfangreichen Arbeiten mit der Erneuerung von Wasser- und Gasleitungen. Insgesamt sind für die Modernisierung von Lindentalstraße, Heinestraße und den angrenzenden Stichstraßen zwölf Bauabschnitte vorgesehen. Die Bauzeit ist auf dreieinhalb Jahre angesetzt – Ende 2027 soll alles fertig sein.

Beim Infogang informierte an der Einmündung der Schillerstraße Bauleiter Jürgen Hardecker über den aktuellen Fortschritt.

Bis hierher sind bereits Wasser-, Kanal-, Strom- und Telekommunikationsleitungen erneuert. Auch die neue LED-Straßenbeleuchtung ist installiert, Bordsteine sind gesetzt. In den kommenden Tagen wird die Asphalttragschicht bis Hausnummer 19 eingebracht. Der kleine Stich Lindentalstraße gegenüber der Schillerstraße ist derzeit provisorisch versorgt.

Die Baustelle wird eng begleitet: Jeden Dienstagmorgen um 8 Uhr findet ein Jour-Fix mit allen Beteiligten statt. Vertreter der Gemeinde, der Bauleitung und der beteiligten Firmen stimmen dabei den nächsten Schritt ab. So sollen Zeitplan und Koordination möglichst eingehalten werden – eine wichtige Voraussetzung, da das Großprojekt mitten im bewohnten Gebiet liegt.

Blick nach vorn

Bis Ende 2025 stehen noch rund zweieinhalb Jahre Bauzeit an – abhängig natürlich vom Wetter. Schon nächste Woche geht es weiter mit dem Kanalbau im Stich Lindentalstraße. Der Durchmesser wird hier von 20 auf 40 Zentimeter vergrößert. Parallel erfolgt in der Lindentalstraße selbst der Einbau des Hauptsammlers, der von 60 auf 100 Zentimeter erweitert wird. Hinzu kommen neue Wasser- und Gasleitungen, Speedpipes für Glasfaser, Stromkabel sowie die Beleuchtung.

Die weiteren Schritte sind bereits terminiert:

  • 2026: Fortsetzung des Kanal- und Straßenbaus bis zur Kreuzung Heinestraße. Außerdem wird im Frühjahr die Wasserleitung in der unteren Kantstraße ausgetauscht.

  • 2027: Ausbau der Heinestraße mit Anbindung an Günterslebener Straße und Lessingstraße. Zudem ist der Austausch der Wasserleitung in der Arndtstraße vorgesehen.

Belastung für Anwohner

Bis zur Fertigstellung heißt das für die Anwohner: Geduld haben. Die Bauarbeiten bringen zwangsläufig Einschränkungen mit sich – Umleitungen, wechselnde Zufahrten und Baulärm gehören zum Alltag. Die Gemeinde bemüht sich um eine möglichst bürgerfreundliche Verkehrsführung. So werden die Bauabschnitte nacheinander abgearbeitet, damit Zufahrten weitgehend erreichbar bleiben. Dennoch müssen sich die Anlieger darauf einstellen, dass es zeitweise keine direkte Zufahrt zum eigenen Haus gibt.

„Wir wissen, dass diese Zeit für die Bürger eine große Belastung bedeutet“, betonte der Bürgermeister beim Rundgang. „Darum versuchen wir, so transparent wie möglich zu informieren. Wer sich auf die wöchentlichen Termine einstellt, weiß, wann welche Einschränkungen kommen.“

Investition in die Zukunft

Am Ende der Arbeiten – voraussichtlich Ende 2027 – soll ein hochmodernes Leitungsnetz unter der Lindentalstraße liegen. „Dann müssen wir hier in den nächsten 40 Jahren nicht mehr baggern“, betont der Bürgermeister. Auch oberirdisch soll die Straße gewinnen: breitere Gehwege, eine sichere Straßenbeleuchtung und ein erneuertes Fahrbahnband mit einem Radstreifen sorgen für mehr Sicherheit und Lebensqualität.

Bürgermeister Jürgen Götz wirbt deshalb um Verständnis: „Wir investieren hier in die nächsten Jahrzehnte. Wenn die Lindentalstraße fertig ist, haben wir eine moderne, sichere und zukunftsfähige Straße.“

Besonderheit Bahndurchlass

Als die Teilnehmer der Informationsveranstaltung am unteren Ende der Schönstraße durch das Gebüsch blickten, bot sich ihnen ein ungewöhnlicher Anblick: Auf den Gleisen stand ein Bauzug der Deutschen Bahn, darunter waren drei sogenannte Behelfsbrücken installiert – jeweils eine pro Gleis. Diese Provisorien ließ die Bahn auf Kosten der Gemeinde errichten.

Hintergrund: Unter den Gleisen verläuft an dieser Stelle ein begehbarer Kanal, der das Abwasser in Richtung Main und weiter zur Kläranlage führt. Der Durchlass unter der Bahn muss in den kommenden Jahren erneuert werden. Erste Abstimmungen zwischen Gemeinde und Bahn laufen bereits.

Fotos Dieter Gürz

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