Sommerkonzert im Synagogenhof: Das Duo Saitenblicke verzaubert mit tänzerischen Rhythmen von Harfe und Gitarre
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Goldenes Abendlicht fiel durch die alten Mauern des Synagogenhofs, die Luft war warm, die Stühle fast alle besetzt: Beim dritten Sommerkonzert in Veitshöchheim spielte endlich auch das Wetter mit. Nach zwei verregneten Sonntagen im Jüdischen Kulturmuseum konnten Musiker und die über 80 Gäste nun sehr zur Freude von Helena Seck vom gemeindlichen Kulturamt die ganze Magie dieses besonderen Open-Air-Orts genießen.
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Auf der Bühne: das Duo Saitenblicke – Feodora-Johanna Mandel an der Harfe und der Veitshöchheimer Musiklehrer Oliver Thedieck an der Gitarre. Zwei Instrumente aus unterschiedlichen musikalischen Welten, die sich an diesem Abend zu einer klangvollen Einheit verbanden. Unter dem Titel „Danzas – Tänzerisches für Harfe und Gitarre“ spannte das Programm den Bogen von argentinischem Tango über spanische Tanzsalons bis hin zu französischer Kammermusik – stets mit dem Rhythmus als Herz des Tanzes im Mittelpunkt.
Zum Auftakt erklangen drei Sätze aus der „Suite Logique“ des Franzosen Erik Marchelie, feine, fließen de Strukturen voller harmonischer Wärme.
Tänzerisches Feuer entfachte die „Suite para Arpa y Guitarra“ (2009) des Argentiniers Narciso Saúl (*1957, deren Sätze auf Tango, Walzer und Milonga basieren. Mit dem Walzer „Como agua“ ließ das Duo die Klänge wie Wasser dahinströmen – zart, schimmernd, fließend.
Eindringlich wurde es mit den vier Sätzen der „Suite Mágica“ von Máximo Diego Pujol (*1957), die das portugiesische Gefühl der „Saudade“ in Musik fasst – jene wehmütige Sehnsucht nach etwas Verlorenem.
Folkloristische Farben brachte der Argentinier Sergio Bosser (*1967) ins Spiel: „Luna sobre al Paraná“ und „Alta Paraná“ beschrieben in schnellen Bewegungen und harmonischen Wechseln die Landschaft am großen Fluss.
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Bekanntere Melodien interpretierten die Harfenistin und der Gitarrist mit einer eigenen Version des ausdruckstarken feurigen „Fandango“ aus „Introducción y Fandango“ des italienischen Komponisten Luigi Boccherini (1742-1805) und ließen dabei südliches Temperament aufblühen.
Sentimental und melancholisch wurde es mit "Oriental", den zweiten von zwölf Tanzen aus den „Danzas Españolas“ des katalonischen Komponisten Enrique Granados (1867 bis 1918).
Zum glanzvollen Abschluss des Programms brachte der Tangoklassiker „La Cumparsita“ des Uruquayers Gerardo Matos Rodríguez (1897–1948) aus dem Jahr 1917 das Publikum zum Mitwippen – zu Recht als „Tango aller Tangos“ berühmt.
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Das Zusammenspiel der beiden Musiker war geprägt von präzisem Timing, feiner Abstimmung und sichtbarer Spielfreude. Harfe und Gitarre wechselten zwischen filigranen Dialogen und kraftvollen Tutti-Passagen, nutzten ihre Klangfarben vom sanften Harfenpizzicato bis zum markanten Gitarrenanschlag voll aus.
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Der lang anhaltende Applaus verlangte nach einer Zugabe, und das Duo erfüllte den Wunsch mit zwei Klassikern von Astor Piazzolla: „Libertango“ und „Oblivión“ – ein letztes Mal Tangoglut unter dem Abendhimmel.
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Ein Abend, der zeigte, wie sehr Musik und Ort einander beflügeln können – und warum die Sommerkonzerte im Synagogenhof seit fast zwei Jahrzehnten zu den besonderen Momenten im Veitshöchheimer Kulturjahr zählen. Das vom Profimusiker Rainer Schwander in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt zusammengestellte Programm überrascht Jahr für Jahr mit seiner stilistischen Vielfalt.
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Das Duo Saitenblicke gründete sich 2022 mit dem Ziel, neue kammermusikalische Perspektiven zu erschließen. Da die Zahl der Originalkompositionen für Harfe und Gitarre überschaubar ist, ergänzen Mandel und Thedieck ihr Repertoire mit raffinierten Bearbeitungen, um ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Konzertprogramm zu gestalten. Feodora-Johanna Mandel studierte Harfe an den Musikhochschulen Würzburg und München, absolvierte die Meisterklasse bei Prof. Cristina Bianchi und erhielt zahlreiche Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Von 2008 bis 2010 war sie Mitglied der Sächsischen Staatskapelle Dresden, gastierte bei renommierten Orchestern und unterrichtete u. a. an der Musikhochschule München. Heute arbeitet sie als Schulmusikerin an einem Würzburger Gymnasium, gibt Harfenunterricht und ist als Jurorin bei „Jugend musiziert“ tätig. Oliver Thedieck ist als Solist und Kammermusiker gefragt, insbesondere mit Repertoire aus der zeitgenössischen und südamerikanischen Musik. Er gab Konzerte im In- und Ausland, leitete Meisterkurse in Brasilien und Mexiko und arbeitete für deutsche Botschaften, Goethe-Zentren und den DAAD. Seit 2016 lebt er in der Nähe von Würzburg, unterrichtet seit Anfang 2018 an der örtlichen Sing- und Musikschule klassische Gitarre und hat bislang sechs Solo-CDs eingespielt. Bereits 2018 hatte Thedieck das Publikum im Synagogenhof als Teil eines Gitarren-Duos (Armin Rupppel) mit lateinamerikanischem Flair begeistert. |
Fotos Dieter Gürz
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