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Sanierung und Ertüchtigung des Mainsteges machbar?

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

stegbestand
stegbestand
von Dieter Gürz

(Die Zeichnungen und technischen Beschreibungen  sind der Homepage des WNA  bzw. einer Dokumentation der Gemeinde Margetshöchheim -  Verfasser Roger Horn - entnommen)

Nach dem Wortlaut des  Bürgerbegehrens in Veitshöchheim wird in der ersten Zeile gefordert, dass der "Mainsteg am jetzigen Standort erhalten bleibt."

In diesem Artikel versucht der Verfasser die Fakten einer möglichen Bestandserhaltung sachlich darzustellen

 

Ausgangslage:

uebersichtbestand
uebersichtbestand

Die bestehende Brücke wurde 1967 fertig gestellt. Die Länge der stählernen Strombrücke beträgt 147,50 m unterteilt in 3 Felder a 42,50 – 62,50 – 42,50 m.  Es schließen sich auf beiden Seiten geschwungene Vorlandbrücken aus Stahlbeton und Rampen mit insgesamt jeweils ca. 50 m Länge an. Die Gesamtlänge des Bauwerks beträgt ca. 250 m.

Die Brücke besitzt 2 Strompfeiler aus Stahlbeton, die bis zum Normalwasserstand elliptisch mit einem Querschnitt von 80/250 cm ausgeführt wurden und darunter in einen ausbetonierten Spundwandkasten übergehen, der ca. 3 m unter Mainsohle flach gegründet ist.

steggefaehrdungsbereich
steggefaehrdungsbereich

Beide Strompfeiler des Steges sowie der Überbau in den an die Schifffahrtsöffnung anschließenden Feldern sind anfahrgefährdet durch Schiffe und nicht standsicher im Lastfall Schiffsstoß nach DIN 1055-9

[siehe obige Darstellung : Der Gefährdungsraum ( = nicht ausreichende Höhe)  ist grün dargestellt].

anpralllasten
anpralllasten

Die beiden Pfeiler erfüllen nicht die erforderliche Anpralllast von 13 MN (Bestand nur 0,5 MN).

Das nach DIN 1055-9 vorgegebene Richtraumprofil von 6,40 Meter über hsW(höchster schiffbarer Wasserstand) wird in den Bereichen zwischen den Pfeilern und Widerlagern nicht erreicht.

 

Rechtslage:

Laut wasserrechtlicher Genehmigung vom 30.9.1966 ist die Gemeinde Margetshöchheim als Baulastträgerf für die Standsicherheit der Pfeiler und Widerlager sowie deren Sicherung gegen Schiffstoß, Hochwasser und Eis allein verantwortlich. Dies bedeutet, dass die Gemeinde Margetshöchheim zu gewährleisten hat, dass die Anlage den Anforderungen an Sicherheit und Ordnung genügt, sie insbesondere ausreichend gegen Schiffsstoß gesichert ist, um zu vermeiden, dass von einer geschädigten Brücke Gefahren ausgehen.

Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd hat  deshalb mit Schreiben vom 12.3.08 beim Landratsamt beantragt, die Gemeinde Margetshöchheim als Baulastträgerin des Stegs zu verpflichten, "die Pfeiler, Widerlager und den Überbau entsprechend den geltenden Regeln der Technik (DIN 1055-9) zu sichern oder die Gefahrensituation durch Abbruch der bestehenden Brücke zu beseitigen."

 

Untersuchungen zur Sicherung des bestehenden Steges gegen Schiffsstoß

Varianten zur Sicherung des bestehenden Steges gegen Schiffsstoß wurden im Jahr 2004 im Auftrag des Wasserstraßen-Neubauamts Aschaffenburg untersucht. Der ermittelte technische und wirtschaftliche Aufwand für die Sicherung ist bei allen Varianten erheblich.

Im Zuge der genannten Variantenuntersuchung wurden Baugrunderkundungen durchgeführt und ein geotechnischer Bericht erstellt (mit der Zielstellung Instandsetzung bzw. Ertüchtigung des vorhandenen Steges).

Dalben1
Dalben1

Einbau von Dalbengruppen

Als einzig mögliche Sicherungsvariante kristallisierte sich der Einbau von 16 Dalbengurppen (siehe Zeichnung oben)  heraus, die manovrierunfähgie Schiffe durch die trichterförmige Anordnung der Dalben durch die beiden ein ausreichendes Lichtraumaufprofil aufweisenden Pfeiler leiten sollen.

Dalben2
Dalben2

Wie im Bild zu sehen, müssen sie jedoch 1 Meter über den Wasserspiegel herausragen und mit einander verbunden werden, um ihrer Sicherungsfunktion gerecht zu werden.

Die Kosten für diese Lösung wurden vom WNA am 11.5.2007 mit 1,2 Mill. Euro veranschlagt, mit einem kommunalen Kostenanteil von 710.000 €.

Diese Dalbengruppe würde beispielsweise auf Veitshöchheimer Seite bis zur Kneippanlage reichen und sich wegen der Massivität auf das Landschaftsbild wesentlich auswirken.

 

Bauliche Mängel des bestehenden Steges

Die  Brücke weist darüber hinaus jedoch bauliche Mängel auf, die mittelfristig behoben werden müssen. 

Die Sanierungskosten wurden 2006 auf 420.000 Euro geschätzt.

Gesamtkosten

Die von kommunaler Seite zu tragenden Gesamtkosten würden somit bei der Dalbenlösung insgesamt bei 1,13 Millionen Euro liegen (Kostenstand vor vier bis fünf Jahren)

 

Ergänzung am 1.2.2011: Bei dieser Kostenberechnung wurde außer acht gelassen, dass bei der Dalbenlösung zwar die Durchfahrtshöhe von 6,40 Meter zwischen den Pfeilern ausreicht, der Überbau aber im 1,5 Meter höheren Gefährdungsraum liegt und nicht ausreichend bemessen ist, das heißt mit Kosten von rund 900.000 Euro verstärkt werden müsste.

 

Fazit:

Obwohl zuvor in der Zeit vom 16.4. bis 15.7.2007 in Margetshöchheim durch den Agenda-AK  3..200 Unterschriften zum Erhalt des Mainstegs gesammelt und an den Regierungspräsidenten übergeben wurden, entschloss sich Margetshöchheimer Gemeinderat nach Einholung von Stellungnahmen des Gemeindetages zur gemeindlichen Sicherungspflicht am 18.9.2007 seinen wiederholten Beschluss zum Erhalt des Steges vom 24.5.2007 zu revidieren und Planungen für den Neubau des Steges einzuleiten, nachdem alle Sicherungsvarianten aussichtslos  und auch landschaftsästhetisch bedenklicherschienen, zu dem sich ein Ersatzneubau sich als wirtschaftlichste und auch funktionell bessere  Lösung darstellte.

Kosten
Kosten

Dies hat sich im Nachhinein bestägt, denn bei der vom WNA gerechneten billigsten Variante 2.3 am Dreschplatz würde bei 70%iger GVFG-Förderung der kommunale Kostenanteil bei 1,03 Mill. Euro liegen, bei der Variante 1.2 (Neubau am alten Standort )bei 1,35 Mill. Euro (jeweils Bruttobeträge). GGf. wäre nach dem GVFG sogar eine 80%ige Förderung möglich.

 

Ergänzung aufgrund des Kommentars von Bernd Wiek:

 

Hier wurden natürlich nicht alle Alternativen dargestellt, sondern der Objektivität und Urteilsfähigkeit der Margetshöchheimer vertraut, die sich natürlich auch mit anderen Lösungen wie den Einbau von Flussbausteinen, die statische Verstärkung der Pfeiler und des Überbaus oder die Aufhängung des Überbaus z.B. durch "Pylone" und Kombinationen zur Verstärkung befasst haben, deren Kosten geschätzt bei ca. 2 Millionen Euro lagen.

Aber man kann natürlich alles in Frage stellen und fordern, alle Untersuchungen von vorne beginnen zu lassen.

 

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Sicherung und die Sanierung des Mainstegs nicht förderfähig nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (mit bis zu 80 % Zuschuss zu den förderfähigen Kosten) wäre und der Kostenanteil des WNA gegenüber einem Neubau nach den Vorschriften des Kreuzungsrechts deutlich niederiger ausfallen würde.

Im übrigen wäre bei der zuletzt genannten Lösung eine vollständige Änderung der Rampen und eine Anpassung des Überbaus notwendig, was einem Neubau vergleichbar wäre.

 

Weitere Ergänzung siehe Kommentierung P. Etthöfer.

 

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Bernd Wiek 01/26/2011 11:02


Eins habe ich inzwischen verstanden, die Zuschuß-Politik der Regierungen, ob Bund, Land oder Regierungsbezirk wird zwar von vielen Kommunal-Politikern kritisiert, aber eine Änderung ist nicht in
Sicht. Fazit: Es werden immer mehr und größere Bauvorhaben entschieden, die dann anschließenmd von den Kommunen unterhalten werden müssen. Dabei gehen viele Kommunen langsam aber sicher in die
Knie.
Das ist auch bei sinkenden Einwohnerzahlen und der zukünftig geplanten besonderen Förderung der Stadt-Zentren nicht verwunderlich. Noch könnte Veitshöchheim locker die Brücke oder den Anteil aus
der Portokasse bezahlen. Dann wird die Portokasse bald leer sein und es werden dann wohl Kredite herhalten. OK solange es geht haun wir auf die Pauke. Nach uns die Sintflut.


Bernd Wiek 01/21/2011 09:35


Man kann sich mit Sanierungskostendes vorhandenen Stegs auch totrechnen. Was ist denn mit den zukünftigen Sanierungskosten eines neuen Stegs?
Da gibt es sicher auch Erfahrungswerte, die sich an den Investitionskosten von 5 - 6 - 7 MIO ? bemessen lassen.


Patrick Hanft 01/21/2011 02:24


Hallo Herr Wiek,

zu den 1,6 Mio € sind dann aber mittelfristig aller Voraussicht nach auch noch rund 400000€ Sanierungskosten für den bisherigen Steg hinzuzuaddieren. Im Jahr 2007 gingen alle davon aus, dass der
Steg in einem einigermaßen guten Zustand sei. Bei den Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass bei einer Ertüchtigung massiv Geld in den Steg gesteckt werden müsste. Das war dann eben mit
einer der Gründe der zur Erkenntnis führte, dass sich der Steg unter keinen vernünftigen Umständen halten ließe.

Oben genannte Kosten wären dann kaum förderungswürdig, die Wirtschaftlichkeit, die Sie andeuten, ist auf jeden Fall fraglich. Dass das WNA die Kosten zu 100% übernimmt gibt die Rechtslage nicht
her. Da hilft auch kein Wunschdenken.

Wo bleiben denn jetzt die Alternativen?


Peter Etthöfer 01/20/2011 19:53


Der Vollständigkeit halber muss noch ergänzt werden, dass durch die Dalben nur die Bereiche zwischen den Flusspfeilern und dem Ufer abgesichert werden, was laut WNA bei Hochwasser wegen des
Rückstaus problematisch sein kann. Die Veitshöchheimer haben in den letzten Tagen ja hautnah erfahren dürfen, was es bedeutet, wenn etwa beim Hochwasserschutz an der Unteren Maingasse das Wasser
einige Zentimeter höher gestanden hätte.
Zusätzlich müssten noch die Flusspfeiler selbst gesichert oder verstärkt werden.
Der Stegbogen über der Fahrrinne (zwischen den Pfeilern) hat zwar die erforderliche Höhe, ist aber nach Ansicht des Wasserstraßen-Neubauamtes trotzdem nicht massiv genug und deshalb
einsturzgefährdet, wenn ein Schubverband oder Kreuzfahrtschiff seinen Führerstand nicht rechtzeitig einfährt. Auf den ersten Blick mag dies an den Haaren herbeigezogen sein, leider ist so etwas
aber bereits mehrmals passiert.
Alle, die noch mehr Patentlösungen auf Lager haben, können sicher sein, dass man in Margetshöchheim alles, aber auch wirklich alles geprüft hat, um den Steg erhalten zu können. Aber irgendwann muss
man auch mal (zähneknirschend) akzeptieren, dass weitere hinhaltende Bemühungen für die Katz sind und die Stegverbindung möglicherweise ganz torpedieren können.
Man möge in Veitshöchheim auch zur Kenntnis nehmen, dass man in Margetshöchheim sogar einen der renommiertesten deutschen Verwaltungsjuristen eingeschaltet hat, um den Abrissbescheid abzuwenden,
leider ohne Erfolg.
Es ist nun wirklich an der Zeit, nach vorne zu sehen und das beste aus der bestimmt nicht optimalen Situation zu machen!


ute schnapp 01/20/2011 19:51


Es geht doch nicht an ,dass man einfach die Scheuslichkeit von einem auf das andere Ufer verschiebt.Würde M einfavh ca 50 m flussaufwärts gehen sieht die Sach egleich anders aus .Aber Gott Brohm
stellt sich stur.


Bernd Wiek 01/20/2011 18:57


also Sanierung und Dalben kosten 1,62 MIO Das sind etliche MIO weniger als ein Neubau. Deswegen sind die Bürger sehr erbost, da die Differenz auch aus ihren Steuergeldern bezahlt werden muß. Mal
sehen, ob die Bürger lieber die höheren Kosten tragen, als sich das Monstrum vor die Nase setzen zu lassen. Dabei ist es eigentlich Sache des WNA die Kosten für die Dalben zu 100 % zu tragen. Das
würde ich auch einklagen.


Bernd Wiek 01/20/2011 18:16


Alternativlos?
Diese Kosten für Dalben in dieser Größe sind bisher vielen Bürgern nicht bekannt und würden auch erstmal angezweifelt.
Da sind Alternativen gefragt.