Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Privatgartenwettbewerb 2011 - Vorgarten des Wein-Enthusiasten Heiner Bauer fasziniert und konfrontiert gleichermaßen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

27BauerPellens04

Dass Gartengestaltung oft auch eine Geschmacks- und Ansichtssache ist, wird beim Vorgarten der Familie Bauer/Pellens in der Herrnstraße deutlich.

Hierzu hat nun der Juryvorsitzende Rainer Berger am 4.8.2011 die am Ende abgedruckte Stellungnahme abgegeben.

27BauerPellens01

Er landete beim Privatgartenwettbewerb 2011 des Verschönerungsvereins Veitshöchheim - Link auf Bericht -  nach den Kriterien der dreiköpfigen Jury unter den 27 bewerteten Gärten mit nur 37 von 300 möglichen Punkten abgeschlagen auf dem letzten Platz.

27BauerPellens04a 27BauerPellens04b 27BauerPellens04h 27BauerPellens04e 27BauerPellens04g 

Seine skurrile, künstlerische Ausrichtung spaltet die Betrachter, löst bei den einen nur Kopfschütteln aus, fasziniert wiederum andere, denn der  Hausherr Heiner Bauer, bekannt als Institution im "Hockerle"  des Bürgerspitals Würzburg, hat hier nach seiner Pensionierung  rund um einen mit großen Natursteinen gestalteten Gartenteich auf seine Art und Weise eine künstlerische Hommage auf das Fränkische Weinland und seine neue Heimat Veitshöchheim kreiert, die allemal eine Führung wert ist, denn Bauer hat viel zu erzählen.

27BauerPellens05aa 27BauerPellens02 27BauerPellens05a 27BauerPellens05b 27BauerPellens05d 27BauerPellens04d 27BauerPellens05f

Kernstück der Gestaltung sind mit Metallstäben verbundene Gebilde, in die er wie bei seiner Bocksbeutelpalme die in den hiesigen Weinbaugebieten heimischen Gesteinsarten wie Muschelkalk, roten Buntsandstein oder Keupersteine anordnet und mit Bocksbeuteln und Wegweisern verziert hat. Viele Bocksbeutel weisen kunstvolle Flaschenhälse auf, die Bauer eigens für seinen Garten in Auftrag gab.

27BauerPellens04bb 27BauerPellens06  27BauerPellens06b

Der mosaikartig in einem Beet dargestellte Fränkische Rechen darf da natürlich nicht fehlen.

Auch auf der Wohnseite des Gartens fallen außergewöhnlliche Objekte ins Auge. Sehenswert auch das Hühner- und Kleintiergehege.

 

Stellungnahme des Juryvorsitzenden Rainer Berger vom 4.8.2011 zu diesem Garten:

Zunächst gebührt jedem der Teilnehmer Hochachtung, weil alle Gärten gut gepflegt waren und damit klar wird, dass allen Gartenbesitzern ihr Garten wichtig ist. Das ist mir als Vertreter der "Bayerischen Gartenakademie an der Veitshöchheimer "Lehranstalt" ganz wichtig. Alle Gärten im Wettbewerb stellen jeder für sich einen hohen Wert für die Nutzer dar, weil jeder sich darin aufhält, genießt, sich verwirklicht und damit ein Stück weit gesundhält.

Nur - wir von der Jury hatten die Aufgabe eine Reihenfolge in die Gärten zu bringen. Das ist schwer, weil wir Gartengrößen von vielleicht 15 qm bis mehrere Tausend Quadratmeter zu vergleichen hatten. Mancher "Gartler" macht alles selbst mit einem geringen Budget, andere können sich ein Paradies von Fachfirmen erstellen lassen, was ein hohes finanzielles Engagement bedeutet.

Wir hatten schlicht das jeweilige Ergebnis zu beurteilen. Kein Teilnehmer, der in den hinteren Rängen gelandet ist, darf sich herabgewürdigt fühlen.

Trotzdem aus fachlicher Sicht einige Anmerkungen: Gartengestaltung ist keineswegs reine Geschmackssache!

Das mag für Kunstgegenstände an sich gelten oder auch für bestimmte Gestaltungsstile im Garten. Dem einen gefällt mehr ein naturnaher Stil, der andere fühlt sich nur in einem Garten mit klaren Linien, einem eher architektonischen Stil wohl. Beides hat seine Berechtigung.

Aus Sicht der Gestaltung wird es dann schwierig, wenn sich verschiedene Elemente vermischen. Und das ist beim Garten von Herrn Bauer der Fall. Und das hat dann nichts mehr mit gefallen oder nicht gefallen zu tun. In diesem Garten sind verschiedenste Elemente, verschiedenste Materialen und verschiedenste Stilrichtungen auf engstem Raum kombiniert.

Die Pflanzenverwendung ist in manchen Bereichen fraglich. Zudem sind manche Details wie z. B. die Randausbildung des Teiches technisch "suboptimal" ausgeführt.

Und dies hat zur Einstufung des Gartens geführt - übrigens innerhalb der Jury in großer Einigkeit. Die Wertung des Gartens kann keine Wertung der Kunstwerke sein.

Auf keinen Fall sollte sich Herr Bauer den Spaß an seinem Garten und an seiner Kunst nehmen lassen. Er macht alles selbst, insofern sind technische Mängel, die aus professioneller Sicht auffallen, nicht so wichtig. Und positive Resonanz bekommt er von Passanten zu seiner Kunst, insbesondere dann, wenn die Leute mit ihm ins Gespräch kommen. Denn fesselnd erzählen kann er!

Kommentiere diesen Post

Rainer Berger 08/04/2011 12:09


Als Juryvorsitzender in diesem Wettbewerb muss ich diesem Artikel eine Erwiederung entgegenstellen.
Zunächst gebührt jedem der Teilnehmer Hochachtung, weil alle Gärten gut gepflegt waren und damit klar wird, dass allen Gartenbesitzern ihr Garten wichtig ist. Das ist mir als Vertreter der
Bayerischen Gartenakademie an der Veitshöchheimer "Lehranstalt" ganz wichtig. Alle Gärten im Wettbewerb stellen jeder für sich einen hohen Wert für die Nutzer dar, weil jeder sich darin aufhält,
genießt, sich verwirklicht und damit ein Stück weit gesundhält.
Nur - wir von der Jury hatten die Aufgabe eine Reihenfolge in die Gärten zu bringen. Das ist schwer, weil wir Gartengrößen von vielleicht 15 qm bis mehrere Tausend Quadratmeter zu vergleichen
hatten. Mancher "Gartler" macht alles selbst mit einem geringen Budget, andere können sich ein Paradies von Fachfirmen erstellen lassen, was ein hohes finanzielles Engagement bedeutet.
Wir hatten schlicht das jeweilige Ergebnis zu beurteilen. Kein Teilnehmer, der in den hinteren Rängen gelandet ist, darf sich herabgewürdigt fühlen.
Trotzdem aus fachlicher Sicht einige Anmerkungen:
Gartengestaltung ist keineswegs reine Geschmackssache!
Das mag für Kunstgegenstände an sich gelten oder auch für bestimmte Gestaltungsstile im Garten. Dem einen gefällt mehr ein naturnaher Stil, der andere fühlt sich nur in einem Garten mit klaren
Linien, einem eher architektonischen Stil wohl. Beides hat seine Berechtigung. Aus Sicht der Gestaltung wird es dann schwierig, wenn sich verschiedene Elemente vermischen. Und das ist beim Garten
von Herrn Bauer der Fall. Und das hat dann nichts mehr mit gefallen oder nicht gefallen zu tun. In diesem Garten sind verschiedenste Elemente, verschiedenste Materialen und verschiedenste
Stilrichtungen auf engstem Raum kombiniert. Die Pflanzenverwendung ist in manchen Bereichen fraglich. Zudem sind manche Details wie z. B. die Randausbildung des Teiches technisch "suboptimal"
ausgeführt. Und dies hat zur Einstufung des Gartens geführt - übrigens innerhalb der Jury in großer Einigkeit. Die Wertung des Gartens kann keine Wertung der Kunstwerke sein. Auf keinen Fall sollte
sich Herr Bauer den Spaß an seinem Garten und an seiner Kunst nehmen lassen. Er macht alles selbst, insofern sind technische Mängel, die aus professioneller Sicht auffallen, nicht so wichtig. Und
positive Ressonanz bekommt er von Passanten zu seiner Kunst, insbesondere dann, wenn die Leute mit ihm ins Gespräch kommen. Denn fesselnd erzählen kann er!


Dieter Gürz 08/04/2011 12:37



Aus der Stellungnahme erschließt sich mir aber nicht, weshalb Gartengestaltung keine Geschmackssache sein kann, denn die letzten Sätze bestätigen wieder genau das Gegenteil. Ich nehme an
der Juryvorsitzende wollte zum Ausdruck bringen, dass Experten wie er hier anders urteilen als der Normalbürger.