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Neue Bürgermeisterin aus Veitshöchheims tschechischer Partnerstadt Rotava (Rothau) will Partnerschaft beleben

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

 

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Die Ortsfahne von Veitshöchheims tschechischer Partnerstadt Rotava (Rothau)  überreichte deren im September 2011 neugewählte Bürgermeisterin Iva Kalátová (2.v.l.) bei ihrem ersten Besuch in Mainfranken zusammen mit ihrem Stellvertreter Jan Šedlbauer (3.v.l.), dem Sportreferenten Václav Zronek (3.v.r.)  und der Dolmetscherin Eva Štouraĉová (2.v.r.) zur Ausstattung der Fahnenmasten vor dem Rathaus an Bürgermeister Rainer Kinzkofer (re.) und seinem Stellvertreter und Partnerschaftsbeauftragten Oswald Bamberger.

Iva Kalátová ist seit dem Abschluss des Partnerschaftsvertrages im Oktober 2006 nach Jiří Holan und Jan Sliva  bereits die dritte Person, die in der tschechischen Partnerstadt das Sagen hat.

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Der vor 1945 noch Rothau genannte und damals überwiegend von Deutschen besiedelte Ort liegt im Grenzgebiet nahe dem sächsischen Klingenthal am Südhang des Erzgebirges.  Infolge der Umsetzung der Benes-Dekrete, die Enteignung und Vertreibung derjenigen Deutschen anordneten, die sich nicht nachweislich gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten ausgesprochen hatten, wurden viele alte Wohnhäuser abgerissen. An ihrer Stelle entstand eine sehr dominante Plattenbausiedlung (auf dem als Geschenk überreichten Fotobild links oben am Ortsrand), in der heute der überwiegende Teil der Einwohner lebt. Andere Grundstücke wurden renaturiert. Heute fehlt ein historischer alter Ortskern.

Nach dem 2. Weltkrieg und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung war der Ort ziemlich entvölkert. Das änderte sich erst, als 1957 eine Maschinenfabrik und eine Gießerei ihre Arbeit wieder aufnahmen. Arbeitskräfte aus ganz Tschechien kamen nach Rotava. 1965 wurde Rotava Stadt und zählte ca. 4200 Einwohner. Nach der Wende 1989 veränderte sich die Situation. Betriebe lösten sich auf, und die Einwohnerzahl ging zurück. Die Stadt, die ca. 3.500 Einwohner zählt, ist nur 264 Kilometer von Veitshöchheim entfernt.

Die Stadt Rotava beherbergt heute alle wichtigen gesellschaftlichen Einrichtungen wie Kindergarten, Schulen, Krankenhaus, Polizei, Kulturzentrum, Bibliothek oder Seniorenheim. Für auswärtige Gäste stehen einfachere Unterkünfte zur Verfügung.

 

Wie Iva Kalátová bei ihrer ersten Stippvisite in Veitshöchheim am Wochenende sagte, werde ihre Arbeit durch eine  Arbeitslosenquote von über 20 Prozent wesentlich erschwert, aus der viele soziale Probleme, vor allem eine hohe Jugendkriminalität resultieren würden.

Umso mehr zeigte sie sich beeindruckt über vielschichtige Vereinsstruktur und die Vielzahl der sportlichen Anlagen der Gemeinde und der örtlichen Vereine. Bis auf wenige Ausnahmen gebe es fast kein Vereinsleben in ihrer Stadt. Die

einzige städtische Halle sei dringend sanierungsbedürftig. Die früher in der Landesauswahl aktive Volleyballerin will deshalb sportliche Einrichtungen vor allem auch für die Jugend zu schaffen, um sie von der Straße wegzuholen.

Die tschechischen Gäste hatten daneben am Samstag Gelegenheit, auch weitere gemeindliche Einrichtungen wie Mainfrankensäle, Feuerwehrhaus und Bücherei zu besichtigen. Der Bürgermeister stellte ihnen weiter das  Gewerbegebiet, den  Markushof in Gadheim und die Struktur des letzten Baugebiets der Gemeinde im Speckert vor. Die Tour führte auch durch die Gartensiedlung, in der nach dem Krieg viele Vertriebene aus dem Osten eine neue Heimat fanden. Natürlich fehlte auch nicht eine Führung durch die gemeindliche Kulturreferentin Martina Edelmann durch Veitshöchheims Aushängeschild, dem Hofgarten. 

Die idyllische Mainuferpromenade lernten die Gäste beim Abend-Essen im Restaurant Fischerbärbel kennen. Hier hatte Bürgermeister Kinzkofer zum Erfahrungsaustausch und geselligem Beisammensein auch Vertreter der hiesigen Fraktionen und Karl Nausch eingeladen. Der  Vorsitzende der Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft hat zu der vor 1945 noch Rothau genannten Partnerstadt in Tschechien einen besonderen Bezug, lebte er doch dort bis zu seinem zwölften Lebensjahr, ehe er mit seinen Eltern vertrieben wurde (sein Elternhaus ist auf dem Foto am Bildrand rechts oben).

Am Sonntag waren die im BFW untergebrachten Tschechen Gast beim Konzert der Jagdhornbläser im Hofgarten und beim Sommerfest der Naturfreunde.

Hier konnten sie sich davon ein Bild machen, dass das Naturfreundehaus als Unterkunft für Besuchergruppen auch aus Rotava, vor allem auch für den geplanten Jugendaustausch bestens geeignet ist.

Bereits für September vereinbarten die beiden Ortsoberhäupter einen Gegenbesuch in Rotava. Hier sollen auch Vereinsvertreter teilnehmen und sich nach Möglichkeit die katholischen Geistlichen beider Orte kennenlernen.

 

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Rotavas neue Bürgermeisterin kehrte nämlich nicht nur mit vielfältigen Eindrücken aus der deutschen Partnergemeinde nach Hause. Veitshöchheims katholischer Ortsgeistlicher Robert Borawski (3.v.l.)  überreichte ihr einen Scheck über 600 Euro zur Weitergabe an seinen tschechischen Mitbruder Dékan Petr Fórt zur Verwendung in der kirchlichen Gemeindearbeit.  Es ist dies der Erlös der Kollekte beim Festgottesdienst anlässlich des 50jährigen Bestehens der Kirchengemeinde Kuratie Heilige Dreifaltigkeit. Die Übergabe erfolgte symbolhaft am Denkmal des böhmischen Hofbildhauers Ferdinand Tietz vor der nördlichen Mauer des Hofgartens, für den er seine Hauptwerke schuf.  

 

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