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Naturgemäße Bewirtschaftung im Veitshöchheimer Gemeindewald

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Infogang2012 12 Waldbewirtschaftung 1  

Erstmals konnte der Bürgermeister in seiner Amtszeit bei einer Waldführung neben der seit zwölf Jahren hier tätigen Revierförsterin Anette Fricker (li.) mit der Forstoberrätin  Elfi Raunecker (ein in Rimpar aufgewachsenes Försterkind = Tochter des Forstdirektors Dr. Helmut Raunecker) die seit März dieses Jahres für Veitshöchheim zuständige  Abteilungsleitung Forsten 2  des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg herzlich willkommen heißen (2.v.l., rechts der Bauhofmitarbeiter Sebastian Kräml, der vor kurzem seine Ausbildung zum Forstwirt begonnen hat).

Der Waldgang war einer von vielen Stationen des diesjährigen Informationsganges der Gemeinde Veitshöchheim am letzten Samstag..

Durch den Kauf der 109 Hektar großen Waldflächen „Gebranntes Hölzlein“ und „Gadheimer Wald“ vom Juliusspital Würzburg im Jahr 1997 für 2,8 Mill. Euro konnte  die Gemeinde ihren Waldbesitz auf 223 Hektar verdoppeln.

Der Kauf war laut Bürgermeister eine Zukunftsinvestition für die Gemeinde, der nicht nur die Bohrung eines eigenen Trinkwasserbrunnens mit 190.000 m³ Fördervolumen jährlich, sondern auch der Gemeinde einen größeren Spielraum bei der Bewirtschaftung und Nutzung des Waldes als Erholungsraum ermöglichte.

Der gesamte Wald ist als Bannwald ausgewiesen in seiner Funktion als Erholungswald im Bereich der Maintaleinhänge (12,3 Hektar)  als Klimaschutzwald und Bodenschutzwald.

 

Am Waldrand zu den Gadheimer Feldern stellte Fricker zunächst die Bedeutung der Pflege des Waldrandes heraus, der als Einladungskarte für den Zugang zum Wald vielfältige Funktionen zu erfüllen habe. In seiner Erholungsfunkton erfreue er das Auge der Spaziergänger durch seine Pflanzenvielfalt zu jeder Jahreszeit. So seien es zur Zeit Weißdorn, Holunder, Liguster, Speierling oder die Elsbeere, die durch ihr Farbenspiel ins Auge fallen.

Die Forstleute der Gemeinde würden darauf achten, dass diese Sträucher am Waldrand überleben können und nicht von hohen Bäumen verdrängt werden. Im Frühjahr seien es natürlich mehr die krautigen Blüh-Pflanzen, die noch mehr Licht benötigen. Neben diesen schönen Eindrücken ist es laut Fricker auch so, je strukturierter der Waldrand sei, desto mehr ökologische Nischen biete er auch für Tier- und Pflanzenwelt.

Wichtig sei so auch, dass beispielsweise die auch abgetrocknet schön aussehende Brennessel über den Winter stehen bleibt, weil sich darin Eier, Raupen oder Puppen von Schmetterlingen befinden, die im nächsten Frühjahr ausbrüten.

Die gemeindlichen Forstwirte würden diese Waldraumpflege hervorragend machen.

Infogang2012 12 Waldbewirtschaftung 2

Elfi Raunecker erläuterte dann auf der Wanderung im Gebrannten Hölzlein und im Gadheimer Wald als die für Veitshöchheim zuständige  Betriebsleiterin zusammen mit Fricker sehr ausführliche die Bewirtschaftungsgrundsätze für den hiesigen Gemeindewald. 

Hier eine Auswahl:

Nachhaltigkeit oberstes Gebot

Durch die ganzjährige Tätigkeit zweier gut ausgebildeter Forstwirte erfährt der Wald eine heute selten gewordene ökologische Aufwertung und Sicherung in allen seinen Funktionen. Der Gemeindewald ist eine hervorragende „Solarfabrik“, der neben seiner Funktion als Sauerstoffspender, Wasserreservoir und Erholungsraum auch von wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Oberster Grundsatz der Bewirtschaftung ist die Nachhaltigkeit, das heißt, geerntet wird nur soviel, wie nachwächst. Pro Hektar sind dies jährliche 850 Festmeter. Es bleiben auch Flächen der natürlichen Entwicklung überlassen. Hier bieten umgestürzte Bäume als Totholz einer Vielzahl von Vögeln, Insekten, Pilzen und Mikroorganismen artspezifische Lebensräume.

Durch die Artenvielfalt war im Gemeindewald noch nie eine Schädlingsbekämpfung notwendig.

Der muschelkalkhaltige Boden im Gemeindewald ermöglicht einen Mischwald mit großer Artenvielfalt. 17 Laub- und 6 untergeordnete Nadelholzbaumarten sind hier in ausgezeichneter Qualität und hoher ökologischer Wirksamkeit anzutreffen. Der Gemeindewald wurde deshalb auch als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) eingestuft. Nach Einschätzung der Revierförsterin sind von der Gesamtwaldfläche 40% Eiche, 30% Rotbuche, 15% Edellaubholz, 8% Kiefer(incl. Lärche), 7% Fichte (incl. Douglasie) d.h.15% Nadelholz und 85 % Laubholz. Die Tendenz zum weiteren Anstieg des Edellaubholzes und dem Rückgang des Nadelholzes setzt sich in der Vorausverjüngung fort. In den Beständen haben immer wieder auch Baumindividuen wie Esche, Spitz-, Feld- und Bergahorn, Elsbeere oder Speierling ihren Platz.

Reich strukturierte Buchen- und Eichenwälder mit hohem Totholzanteil bieten insbesondere den seltensten Arten wie Mittelspecht, Halsbandschnäpper, Mops- und Bechsteinfledermaus, Hirschkäfer, Eremit oder Eichenbock passende Lebensbedingungen.

Die Gemeinde unterstützt mit ihrer daran orierientierten naturgemäßen Bewirtschaftung ihres Waldes die Erhaltung und Verbesserung dieses Lebensraumes.

Beim Erhalt alter Bäume durch das Baummethusalem-Konzept, steht zunächst die Waldästhetik im Mittelpunkt (Alter, Dimension Gestalt dieser Bäume). Da sie bis zu ihrem natürlichen Absterben stehenbleiben, haben sie mit der Zeit auch einen hohen ökologischen Wert (Refugium für viele Pflanzen und Tierarten. Bisher sind im Gemeindewald über  30  solcher Individuen dauerhaft markiert (umgedrehtes grünes Dreieck mit weißer Innenfläche).

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