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Erinnerungen an „80 Jahre Ermächtigungsgesetz“ - Eindrucksvolle Gedenkveranstaltung des SPD-Ortsvereins Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Am Sonntag, den 24.03.2013 führte der SPD Ortsverein (SPD-OV) Veitshöchheim im Ratskeller eine Gedenkveranstaltung zu 80 Jahre Ermächtigungsgesetz durch. Gertraud Azar, 1. Vorsitzende des SPD-OV, erwähnte in ihrer Begrüßungsrede u.a., dass die SPD am 23. März 1933 als einzige Partei mit 94 Reichstagsabgeordneten gegen das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (geläufig als: Ermächtigungsgesetz) gestimmt hatte. Dies war als rabenschwarzer Tag für die SPD und die Demokratie in die Geschichte eingegangen. Ebenso unter den Ereignissen des Jahres 1933 hatte die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die NaturFreunde sowie der DGB (früher ADGB) zu leiden, die ebenfalls verboten wurden. „Deshalb ist dieser Tag nach 80 Jahren auch Anlass zur heutigen Gedenkveranstaltung“, so die 1. Vorsitzende.

  • Gertraud Azar erteilte danach dem ehemaligen Landtagsabgeordneten und Ehrenvorsitzenden der AWO Herbert Franz das Wort. Herr Franz sprach die Grußworte für die AWO. Besonders erinnerte er daran, dass auch die AWO nach KPD, den Gewerkschaften und der SPD als sogenannte „volks-/staatsfeindliche Organisation eingestuft wurde.
  • Doris Aschenbrenner, die Karin Rademachers Nachfolge als Landtagsabgeordnete für Kitzingen anstrebt, sprang für die Ehrenvorsitzende der NaturFreunde kurzfristig als Rednerin ein. Auch sie betonte, dass die NaturFreunde ebenfalls unter dem damaligen Regime zu leiden hatten. Die Mitglieder der NaturFreunde wurden verfolgt und die NaturFreundehäuser beschlagnahmt, um nur einiges zu erwähnen.
  • Albrecht Vornberger, ehemaliger Gewerkschaftssekretär, übernahm den Part der Grußworte für den auf die Teilnahme verzichtenden DGB.
  • Als Hauptredner der Gedenkveranstaltung konnte Professor Dr. Klaus Schönhoven gewonnen werden. Prof. Schönhoven gilt als profilierter Historiker. In seinem packenden Vortrag über die Ereignisse von 1933 bis 1945 konnte man sich richtig hineinversetzen in die NAZI-Zeit. Minutiös referierte er über den Ablauf der Abstimmung am 23.3.1933. „ Keine Sitzung in der deutschen Parlamentsgeschichte, die 1848 begann, kann mit der vom 23. März 1933 verglichen werden “.
    Besonders wies er auf die die Schicksale der Abgeordneten hin, berichtete aber auch über das Umfeld der Verfolgung im Jahr 1933. Dabei konnte er einiges Neues für die Anwesenden berichten, so z.B., dass die ersten Toten in Dachau zwei Kommunisten und ein Medizinstudent aus Würzburg waren. Den Kommunisten war die Abstimmung bereits verwehrt und die bürgerlichen Parteien hatten zugestimmt. Von den in der Reichstagswahl am 5. März gewählten 120 Abgeordneten der SPD konnten nur 94 teilnehmen. Die anderen waren bereits in „Schutzhaft“ genommen oder waren ins Ausland emigriert. „Es war ein bisher einmaliger Vorgang, dass ein Parlament seiner eigenen Entmachtung zustimmte und die politische Gewalt in die Hände eines einzigen Mannes legte“ so seine Schlussworte. Zu einer Gedenkfeier gehören auch Lieder der damaligen Zeit. Unser Genosse Thomas Kämmer mit seiner Gitarre spielte in brillanter Weise das „Bundeslied“, die „Moorsoldaten“ und „Mein Vater wird gesucht“.
  • Weitere Gäste: Neben den zahlreich Interessierten konnte Gertraud Azar Bürgermeister Rainer Kinzkofer nebst Ehefrau, den 3. Bürgermeister Michael Birk, Volkmar Halbleib, MdL; Georg Rosenthal, Oberbürgermeister von Würzburg nebst Gattin; Edgar Dünninger von den NaturFreunden; Homaira Mansury, Kandidatin für den Bundestag; Eva-Maria Linsenbreder, Bürgermeisterin von Kleinrinderfeld und Kreisrätin; Bernd Rützel Bundestagskandidat aus dem Landkreis Main-Spessart, die Vorsitzende der ASF Veitshöchheim Ute Schnapp, Den Vorsitzenden von 60+ Rudi Hepf sowie die Vorsitzende von Selbstaktiv Sibylle Brandt begrüßen.

Eine wunderschöne erinnerungsreiche Gedenkveranstaltung des SPD-OV.

(Auszug aus der Veröffentlichung „Meldungen“ von Volkmar Halbleib)

  • Auch die Kandidatin für den Bundestag Homaira Mansury äußerte sich gegenüber Pressevertretern sehr positiv über die Gedenkveranstaltung zu 80 Jahren „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich (genannt „Ermächtigungsgesetz“) in Veitshöchheim:
    „Ich bin einmal mehr stolz, jener Partei anzugehören, deren 94 Abgeordnete (von den zuvor gewählten 120 Abgeordneten der SPD waren die anderen zum Abstimmungszeitpunkt schon in „Schutzhaft“ genommen oder ins Ausland emigriert) sich gemeinsam vor 80 Jahren diesem Gesetz entgegenstellten“.Homaira verwies ebenfalls darauf, dass die Arbeiterbewegung bereits zu schwach war, sich 1933 Hitler und seinem Regime entgegen zu stellen. Die Arbeiterparteien waren zerstritten, die Mitgliederzahl der freien Gewerkschaften war zurückgegangen und nur noch ein Viertel der Mitglieder waren vollerwerbstätig.
    Dem Referenten der Gedenkveranstaltung, Prof. Dr. Klaus Schönhoven, stimmte sie in seiner Aussage „es war ein bisher einmaliger Vorgang, dass ein Parlament seiner eigenen Entmachtung zustimmte und die politische Gewalt in die Hände eines einzigen Mannes legte“ zu. „Niemals mehr dürfen die Rechte der Abgeordneten ausgehebelt, ein totalitäres System begünstigt und demokratische Grundsätze außer Kraft gesetzt werden. Aus dieser Zeit muss man Lehren ziehen“.

Text: Doris Bachmann, Schriftführerin und Pressearbeit

 

Bilder folgen noch.

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