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Die Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, Bezwingerin aller 14 Achttausender zog in den Veitshöchheimer Mainfrankensälen 850 Gäste in ihren Bann

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Kaltenbrunner 01

Link auf Mainpost-Bericht vom 6.3.2012 (pdf.Datei)

„Bergsteigen ist der absolute Mittelpunkt in meinem Leben. Wenn ich auf einen Berg hinaufkann, bin ich glücklich.“ Was Gerlinde Kaltenbrunner, die erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne Sauerstoffversorgung bezwang, live von Gipfeln, Schicksalsschlägen und Glücksgefühlen zu erzählen hat, zieht die Massen an.

Kaltenbrunner Caselmann1

Zum Auftakt ihrer 14 Vorträge allein im März gelang es dem Veitshöchheimer Rainer Caselmann, die professionelle-Extrembergsteigerin im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Die Welt in Bildern“ in die restlos ausverkauften Mainfrankensäle zu holen.

Kaltenbrunner 02

Wer die 41jährige neben der riesigen, die ganze Bühne ausfüllenden Projektionswand stehen sah, konnte kaum glauben, welch außergewöhnliche Leistungen die zierliche Person nun schon seit 18 Jahren bei oft extrem unwirtlichen Witterungsbedingungen vollbracht hat. Es gelang der übersprudelnden, viel Natürlichkeit ausstrahlenden, nunmehr im Schwarzwald lebenden Oberösterreicherin hervorragend, den 850 Besuchern zu vermitteln, dass Bergsteigen für sie Lebensinhalt und Berufung, Faszination, Leidenschaft und Fanatismus ist.

Kaltenbrunner MountEverest

Mit spannenden Bildern und Videosequenzen ließ sie das faszinierte Publikum vor allem an der Besteigung der beiden höchsten Berge der Welt, dem 8.848 Meter hohen Mount Everest (Foto) im Jahr 2010 und des 8611 Meter hohen K2-Giganten erst im August letzten Jahres teilhaben.

Zugleich waren großartige Aufnahmen von Land, Leuten und Bräuchen in Nepal rund um das Himalaya zu bestaunen. Kaltenbrunner: „Wenn die dortigen Bewohner die Zunge rausstrecken, heißt das Glück wünschen.“ Sie schilderte so auch ihre besondere Beziehung zum Kloster Tengpoche und die grandiose Eröffnung der von ihr durch Benefiz-Vorträge mitfinanzierten neuen Schule für 750 Kinder im Jahr 2009. Auch die unerlässliche Zusammenarbeit mit den Meteorologen zu Hause kam immer wieder zur Sprache.

Im kleinen Team, mit Minizelt und wenig Gepäck brach die im Alpinstil ursprüngliche Bergsteigerin immer wieder zu den höchsten Bergen des Himalayas auf, ohne fest installierte Hochlager, ohne Hochträger und ohne Sauerstoff. Die Anfänge ihrer Leidenschaft zum Berg spiegelten sich in Bildern aus ihrer Jugend wieder. Gemeinsam mit dem Pfarrer ihrer Heimatgemeinde Spital am Pyhrn erstieg die Hochleistungssportlerin ihre ersten namhaften Berge in der Region, die ihr zum Grundpfeiler für den weiteren Weg zu den Himalajariesen wurden.

Wie sie erzählte, hatte sie ihren ersten Achttausender 1994 als 23jährige bezwungen. Nach der Besteigung des wunderschönen Nanga Parbat 2003, von dessen Gipfel aus man 7000 Höhenmeter bis ins Industal hinunter sehen könne, gab sie ihre sichere Stellung als Krankenschwester auf und verschrieb sie sich völlig professionell dem Bergsteigen, kann mit Vorträgen und Sponsoren-Gelder das Bergsteigen und ihren Lebensunterhalt bestreiten. Denn jede Achttausender-Expedition kostet nach ihren Worten viel Geld für Material und Lizenzen. Auch dauere die Akklimatisierung mehrere Wochen und müssten Zeltplätze und Depots errichtet und Pfade gespurt werden.

Im Sommer 2007 hatte die Österreicherin Ralf Dujmovits geheiratet, dem einzigen Deutschen, der alle Achttausender bestiegen hat und der seitdem ihr Bergpartner ist.

Dass Kaltenbrunner über eine enorme Willensstärke verfügt, wird deutlich, dass sie für den K2,der aufgrund seiner oft extremen Wetterbedingungen als schwierigster aller Achttausender gilt, seit 2007 vier Expeditionen unternahm und nicht zuletzt erst die siebte Besteigung dank ihrer alpinistischen Erfahrung und Vernunft erfolgreich verlief. Der Berggigant hatte ihr zuvor viele Male ihre Grenzen aufgezeigt und sie immer wieder zum Umkehren gezwungen. Bei ihrem sechsten Besteigungsversuch im August 2010 starb mit Fredrik Ericksson ein guter Freund von ihr kurz vor dem Gipfel. Sie stand wenige Meter entfernt am Eishang, als der Schwede 1000 Meter in die Tiefe stürzte.

Kaltenbrunner Fernost1

Dieses schreckliche Unglück verarbeiten und neue Kraft schöpfen konnte sie im Oktober 2010, als sie als Kontrastprogramm die Carstensz-Pyramide, den mit 4.884 m höchsten Berg Ozeaniens bestieg und dabei eine ganz andere Kultur kennen lernte.

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Dreimal war sie den K2 von Pakistan aus angegangen, nach dem tödlichen Absturz hatte sie für die Südseite kein gutes Gefühl mehr und sich daher nach einjähriger gründlicher Vorbereitungsplanung für den anspruchsvolleren Aufstieg von der Nord-Seite im chinesischen Kirgistan entschieden, erstmals mit Kamelen als Tragtieren bis ins 3.900 Meter hohe Basislager, eine grüne Oase mitten in der kargen Bergwelt Kirgistans.

Kaltenbrunner K 2 03 Kamele1-Kopie-1

Sie ließ sich bei ihrem Vorhaben auch nicht davon abhalten, dass ihr Mann sowohl 2010 am K2 und am Mount Everest als auch 2011 am K2 die Touren vor seiner Frau abbrach, das letzte Mal, weil er glaubte, dass die Steinschlag- und Lawinengefahr dort oben am K2 zu groß sei. Gemeinsam mit den beiden Kasachen Wassilij Piwzow und Maksut Schumajew und dem polnischen Filmemacher Darek Zaluski setzte sie erfolgreich die immer wieder aussichtslos erscheinende, gigantische Besteigung fort.

Kaltenbrunner K 2 01

Wie die Bergesteigerin bis ins letzte Detail eindrucksvoll ihre Gefühle schilderte, war es für die Hochleistungssportlerin dann aber ein unbeschreibliches Gefühl, nach unzähligen Wochen und so vielen Rückschlägen am K2-Gipfel zu stehen. Die letzten Schritte dort oben zu gehen, sei einmalig gewesen und könne man nicht in Worte fassen. Kaltenbrunner: „ Es ist ein tiefer Moment der Erfüllung und großer Dankbarkeit, und ich spüre voller Demut, wie klein wir Menschen vor der großen Natur dieser Berge sind.“

Für die enormen Anstrengungen, von Lunge und Herz am Limit in sauerstoffarmer Luft, bei grimmiger Kälte bis zu 35 Grad minus schlaflos im kleinen Zelt im fast senkrechten Berghang die Nacht verbringend und voller Angst, dass die Schneestürme mit 120 km/h das Zelt wegblasen, ständig mit Steinschlag und Lawinen rechnend, gebe es dann auch die besonderen Augenblicke, wenn man beim Biwak auf 7500 Meter Windstille und Abendsonne genießen und die großartige Natur und Bergwelt in ihrer ganzen Schönheit, Stille und Einsamkeit erleben dürfe. Dann sind das für Kaltenbrunner Augenblicke, die in ihrer Intensität nicht zu übertreffen seien und in denen die Energie geballt zurückkomme.

Im April macht sich Gerlinde Kaltenbrunner wieder auf. Sie will den Nuptse bezwingen, ein Berg, 7861 Meter hoch und in direkter Nachbarschaft zum Mount Everest.

Kaltenbrunner Autogramme

Einen Riesenandrang durch Autogrammjäger schon vor, in der halbstündigen Pause und nach ihrer Präsentation, hatte die Bergsteigerin zu bewältigen, denen sie allen ihr Buch „Ganz bei mir – Leidenschaft Achttausender“, Malik, München 2009, ISBN 978-3-89029-332-5 signiert.

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