Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog

"AUFstehen für Freiheit" am 9. November per Tanz/Performance, Malerei, Film, Musik - Eindrucksvolle Abendveranstaltung von P-Seminarschülerinnen des Gymnasiums Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

GymnaisumAufstehen5

"AUFstehen für Freiheit in unserer Gesellschaft!" lautete der Programmtitel der Abendveranstaltung am 9. November im Gymnasium.

GymnaisumAufstehen9a  GymnaisumAufstehen9b

Eindrucksvoll setzten die 14 Schülerinnen des P-Seminars unter der Leitung von Oberstudienrätin Britta Habersack im Fachbereich Kunst per Tanzperformation, Malerei, Film oder Musik alle möglichen Facetten der Freiheit in Szene. Beraten wurden sie dabei von Thomas Kopp, dem Leiter der Kultur- und Tanzwerkstatt Würzburg. Im Mittelpunkt standen natürlich die  Ereignisse am geschichtsträchtigen 9. November. An diesem Tag wurde 1848 der Freiheitskämpfer Robert Blum erschossen, eskalierte in der Reichspogromnacht 1938 die Gewalt der Nazis  gegen die Juden, misslang einen Tag zuvor 1939 Georg Elsers "Tyrannenmord" an Hitler,  fiel 1989 die Mauer.

Freiheit bedeutet für die Gymnasiastinnen aber auch, Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen am Alltagsleben teilhaben zu lassen. So inszenierten Antonia Wendel, Anne Blatz, Guiliana Phhilippova und Lea Herrmann den Performance-Tanz "Fortschritte" und zeigten unter dem gleichen Titel einen Film in Zusammenarbeit mit Niklas und Johanna vom Förderzentrum für Menschen mit cerebralen Störungen des Vereins Fortschritt.

Den durch Sprachenverwirrung unmöglich gewordenen biblischen Turmbau zu Babel setzten Anna-Lisa Oppel und Adelja Badalova tänzerisch zur Musik "Now we are free" von Lisa Gerrard um.

Kurssprecherin Annika Jossberger und Angela Laudenbacher wiederum brachten mit ihrem Tanz "Wasser" die Gegensätze Schöpfung und Zerstörung, Leben und Tod, Freiheit und Unfreiheit zum Ausdruck.

 GymnaisumAufstehen5k GymnaisumAufstehen5i GymnaisumAufstehen5h GymnaisumAufstehen5g GymnaisumAufstehen5f

"Identität" nannten Zeynep Efe, Nina Hartmann, Emilia Stadler und Franziska Lindner ihren Tanz, mit dem sie zu progressiver Musik und mit  Malerei, wie auf den Fotos oben und unten zu sehen, symbolisierten und offenbarten, dass Freiheit durch Befreiung von Zwängen und Mut zur Individualität zu erlangen ist.  

GymnaisumAufstehen5e GymnaisumAufstehen5d GymnaisumAufstehen5b GymnaisumAufstehen5a

Den Abend beschlossen Ellena Seitz-Schäffner und Miriam Kollross mit ihren in Zusammenarbeit mit der KITA Menschenskinder, der Grundschule und dem Seniorenheim Sankt Hedwig gedrehten Kurzfilm, in dem Kinder und Senioren erzählen, was für sie Freiheit oder Glück bedeutet.

 

Ausführlicher Insiderbericht - Autorin Oberstudienrätin Britta Habersack (Projektleiterin):

Eindrucksvoller Abend zum 9.November am Gymnasium Veitshöchheim

Vierzehn Schülerinnen und ihre Kunstlehrerin erarbeiteten im Rahmen des Projekt-Seminars „Performance“ sechs kurze Interpretationen des Begriffs „Freiheit“, die mit einigen Schreckensereignissen aus der deutschen Geschichte in Kontrast gesetzt wurden.

Erschreckend unter die Haut gingen dabei gleich die ersten Minuten vor Beginn der Veranstaltung, als die Gruppe völlig in schwarz gekleidet im Aulabereich zwischen der Bestuhlung ruhig und mit geschlossenen Augen auf dem Boden lag, während die etwa 100 Gäste an ihnen vorbei gehen mussten, um ihre Plätze einnehmen zu können. Dazu spielte Janina Hottinger (Q12) live Gitarre.

Erst dann tanzten die Mädchen vom Boden auf die Bühne, auf dem Rücken mit einem X aus Klebeband versehen, meldeten sich in der Choreographie zu Wort, zeigten auch auf die anwesenden Besucher und machten somit deutlich, dass wir alle

Verantwortung füreinander übernehmen müssen, sie „Aufstehen für Freiheit in unserer Gesellschaft“, wie die Überschrift des Abends lautete.

Schulleiter Dieter Brückner begrüßte die Besucher und nahm erfreut zur Kenntnis, wie sich auf interessante Weise die dürren Worte der gymnasialen Schulordnung des achtjährigen Gymnasiums mit Leben füllen. Dabei stellte er die Zusammenarbeit mit externen Partnern als ein Charakteristikum des Projektseminars heraus.

Britta Habersack betonte, dass sich die Schülerinnen in Auseinandersetzung mit Aktions/Performance-Künstler(innen) das Thema „Freiheit“ selbst stellten und Zeynep Efe, stellv. Kurssprecherin wünschte sich aktive Zuschauer, die sich angesprochen fühlen und selbst für Freiheit eintreten.

So folgte nach der Begrüßung ein Bildnis und Zitat Robert Blums (1807-1848), eines Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung. Ersprach sich in einer Debatte zur Außenpolitik für ein neues friedliches Europa aus, das eine neue Verfassung brauche und wurde von gegnerischen Truppen am 9.11.1848 hingerichtet.

So auch Georg Elser, der in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1939 im Bürgerbräukeller in München ein Attentat auf Adolf Hitler verübte und im Gestapo-Protokoll bekannte, für den Frieden sterben zu wollen und gegen Kriegsende im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde.

Herschel Grynszpan, ein junger Jude, rächte die Vergehen der Nazis an seiner Familie durch die Ermordung eines deutschen Botschaftssekretärs in Paris, was dem Naziregime als willkommener Anlass für die Novemberpogrome diente.

Eine vierte Folie zeigte die Berliner Mauer, ergänzt durch einen Text, der uns daran erinnerte, wie viele Menschen an der Deutsch-deutschen Grenze ihr Leben lassen mussten.

 

Welche Aspekte von Freiheit stellten die Schülerinnen in ihren Performances in den Vordergrund?

  • Für Antonia Wendel, Anne Blatz, Guiliana Philippova und Lea Herrmann bedeutet Freiheit in erster Linie Menschen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen am Alltagsleben teilhaben zu lassen. So gestalteten sie mit Johanna und Niklas aus dem Verein Fortschritt, dem Förderzentrum für Menschen mit cerebralen Störungen im Blindeninstitut, T-Shirts mittels Action-Painting und vollzogen mit ihnen und den Betreuerinnen Schritteund Bewegungsübungen, die sie im Video fest hielten. Sie tanzten in ihrer Choreographie gegenseitige Hilfestellung und Befreiung durch Überwindung von Barrieren.
  • Anna-Lisa Oppel und Adelja Badalova sind der Meinung, dass der Mensch nur durch Überwindung eigener Hybris und die Einsicht in Sprache undKultur anderer Völker frei sein kann und zitierten den „Turmbau zu Babel“in ihrer Choreographie. Nicht kongruente Begrüßungsrituale zu Beginn der kurzen Combination verdeutlichten Missverständnisse und Verwirrung. Bewegungen aus dem „Modern Dance“ sowie aus religiösem Zusammenhang harmonisierten mit der Projektion des Wortes Frieden, das in vielen Sprachen übersetzt, in Kreisform geschrieben, auf ihren weißen Outfits erschien.
  • Zeynep Efe, Nina Hartmann, Emilia Stadler und Franziska Lindner zeigten in Anlehnung an Niki de Saint-Phalle, dass Freiheit bedeutet, zu seiner eigenen Individualität zu stehen und malten während ihrer Choreographie gemeinsam an einer großformatigen Leinwand in Action-Manier.
  • Den ersten Teil des Abends rundeten Miriam Kollroß und Elena Seitz-Schäffner mit ihrem Kurzfilm „Von Freiheit und Glück – Menschen erzählen“ ab, in dem sie Senioren, Kleinkinder, Vorschulkinder und Erwachsene mittleren Altern vor laufender Kamera zu ihren Vorstellunge von Freiheit interviewten. Dazu nahmen sie Kontakt mit der KiTa Menschenskinder, der Eichendorff-Grundschule und dem Caritas-Seniorenheim St.-Hedwig in Veitshöchheim auf und drehten mit Freiwilligen vor Ort.

Im zweiten Teil des Abends bestaunten die Besucher im ersten Stock die  Objekte und Installationen zum Thema Menschenrechte sowie  Zeichnungen, die den Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren beleuchten.

Mit persönlichen Gesprächen vor den Exponaten klang der Abend aus.

Kommentiere diesen Post