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Bayerns Innenminister informiert über Containment- und Tracing-Strategie = zentraler Ansatz der bayerischen Corona-Bekämpfung

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

In seinem Newsletter von heute, 22. April, bringt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann die sog. Containment- und Tracing-Strategie als einen zentralen Ansatz der bayerischen Corona-Bekämpfungsstrategie auf den neuesten Stand:

 

Containment bedeutet, erkannte Infektionsquellen einzuhegen, um so die Weiterverbreitung des Virus und damit die Begründung immer neuer Infektionsketten zu unterbinden. Das Mittel der Wahl ist hierbei die Quarantäne.

 

Tracing meint, ausgehend von erkannten oder zumindest vermuteten Infektionen schnellstmöglich die Spur aufzunehmen und abzuklären, mit welchen Personen der neu Infizierte in jüngster Zeit in Kontakt war. Es geht also um die Rückverfolgung der Infektionskette und die Identifizierung weiterer infektiöser Personen durch Testung, um im „Trefferfall“ auch bei diesen über Quarantänemaßnahmen dem Virus den Weg zum nächsten Opfer abzuschneiden.

 

Containment und Tracing müssen optimal ineinandergreifen, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Dass dieser Ansatz praktikabel ist und auch wirkt, wissen wir bereits seit Beginn der Corona-Krise aus den im Zusammenhang mit den sog. Webasto-Fällen gewonnenen Erfahrungen. In den letzten Wochen haben wir den Ansatz konsequent ausgebaut und die Gesundheitsämter mit zusätzlichem Personal in einer vierstelligen Größenordnung verstärkt. Nunmehr geht es darum, die Maßnahmen zu intensivieren.

 

Dies bezieht sich zu aller erst auf das Management von Verdachtsfällen und die möglichst frühzeitige Erkennung von Infizierten. Sind in diesem Sinne Betroffene identifiziert, wird bisher eine häusliche Quarantäne nur bei leicht erkrankten Patienten, bei begründeten Verdachtsfällen sowie bei Personen angeordnet, die in engem Kontakt mit erhöhtem Infektionsrisiko zu einem COVID-19-Fall waren.

 

In Zukunft soll diese Aufzählung nun um weitere symptomatische Verdachtsfälle erweitert werden. So sollen dann Personen, die Corona-relevante Erkrankungsanzeichen wie insbesondere trockenen Husten und hartnäckiges Räuspern zeigen, eindringlich angehalten werden, unverzüglich telefonisch den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den Hausarzt zu kontaktieren. Hält dieser nach der beschriebenen Symptomatik eine Testung für angezeigt, ist diese sofort vorzunehmen. Je nach Lage der Dinge folgen ggf. weitere Maßnahmen. Diese können ausdrücklich eine vorläufige häusliche Quarantäne beinhalten, die zunächst bis zum Vorliegen des Testergebnisses befristet ist.

 

Keine verfahrensbezogenen Änderungen wird es beim Umgang mit positiven Fällen und engen Kontaktpersonen (sog. Kategorie-1-Fälle) geben. Sofern für positiv getestete Personen nicht eine stationäre Behandlung erforderlich ist, werden diese auch weiterhin häuslich isoliert und ambulant betreut.

 

Das zuständige Gesundheitsamt überwacht die Einhaltung der Quarantäne. Kontaktpersonen kommen auch dann in Quarantäne, wenn sie keine Symptome zeigen.

 

Intensiviertes Containment und Tracing stehen und fallen in ihrer Wirksamkeit mit der sehr schnellen Laboruntersuchung möglichst vieler Tests. Dies beinhaltet ausdrücklich auch ggf. mehrfach zu wiederholende Reihenuntersuchungen bei Personal und Patienten von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, Altenheimen und vergleichbaren Einrichtungen, sofern dort COVID-19-Fälle aufgetreten sind. Um die Intensivierung der Probennahme auch unverzüglich labortechnisch abarbeiten zu können, wird die derzeit für Bayern zur Verfügung stehende Laborkapazität von etwa 15.000 Tests pro Tag auf dauerhaft 25.000 bis 30.000 Tests pro Tag hochgefahren.

 

Die Rückverfolgung von Infektionsketten wird spezialisierten Teams obliegen. Hierfür ist auf Bundesebene vereinbart, dass in den Ländern pro 20.000 Einwohnern je ein fünfköpfiges sog. Contact Tracing Team (CTT) vorzuhalten ist.

 

Bayern übertrifft diesen Standard. Für diese Aufgabe und die weitere personelle Stärkung der Gesundheitsämter hat die Staatsregierung bereits in den letzten Wochen in mehreren Schritten ca. 4.000 Mitarbeiter der Staatsverwaltung den Gesundheitsbehörden zugewiesen.

 

Aus dem Geschäftsbereich des Innenministeriums betrifft dies insbesondere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes für Statistik. Weiterhin konnten 220 Medizinstudenten, 20 pensionierte Ärzte, 11 Ärzte des medizinischen Dienstes der Krankenkassen, 14 Ärzte der Bundesagentur für Arbeit und gut 60 befristet angestellte Ärzte für eine Verstärkung der bayerischen Gesundheitsverwaltung gewonnen werden.

 

In Entwicklung befindliche Tracing-App:  Diese wird sich auf freiwilliger Basis jedermann auf sein privates Smartphone herunterladen können. Stark vereinfachend dargestellt registriert die App fortlaufend anonymisierte Kennungen von gleichartigen Apps auf anderen Handys, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander dann erkennen, wenn sich deren Besitzer in einem potentiell ansteckungsrelevanten Abstand zueinander befinden.

Erhält die App eines bestimmten Smartphonebesitzers die Information, dass dieser positiv getestet ist, sendet die App ein Signal an alle anderen relevanten Apps bzw. Smartphones. Deren Besitzer erhalten lediglich die Information, DASS sie sich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben, aber nicht, wer das war, und können sich mit diesem Wissen ausgestattet umgehend testen lassen.

 

Die App soll als europäische Lösung und damit auch in den grenznachbarlichen Regionen etwa zu Österreich auch grenzüberschreitend einsetzbar konzipiert werden und den strengen EU-Datenschutzstandards genügen. Wann die App in den Echtbetrieb gehen wird, steht noch nicht genau fest. Angepeilt ist nunmehr Ende Mai/Anfang Juni.

 

Corona-Lage in Bayern, Stand heute, Mittwoch, 10:00 Uhr

  • - 39.190 bestätigte Corona-Infektionen  (+ 572 im Vergleich zum Vortag, + 1,5 Prozent)
  • - Wiedergenesen sind amtlich ausgewiesen 20.290 Personen, das sind 1.440 mehr als gestern (+ 7,6 Prozent).
  • - An einer Corona-Infektion sind weitere 89 Patienten (+ 4,2 Prozent) verstorben (gestern +55), sodass sich in Bayern nun die Gesamtzahl auf 1.443 Todesfälle beläuft.
  • - Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter statistisch ansteckt, ehe er selbst gesundet oder verstirbt, liegt nach den Berechnungen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weiter bei R = 0,6.
  • - Die sog. „Sieben-Tage-Inzidenz“ bezogen auf 100.000 Einwohner liegt heute bei guten 34 Fällen. Derzeit am stärksten betroffen sind die Stadt Straubing heute bei 150,7 (gestern 144,4), der Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab bei 106,0 und die Stadt Weiden i.d.Opf. bei 103,0.

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