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50 Jahre Katholische Militärseelsorge in Veitshöchheim - General Schütt: Wie ein Fels in der Brandung

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Erinnerungsfoto 50 Militärseelsorge am Standort Veitshöchheim v.l.n.r. Militärpfarrer Martin Klein, Brigadegeneral a.D. Ernst-Otto Berk, Generalmajor Bernd Schütt, Militärdekan Artur Wagner, Oberst i.G. Nau, Domkapitular a.D. Kurt Witzel, Bürgermeister Jürgen Götz, Oberstabsgefreiter Christoph Eckstein, Altbürgermeister Rainer Kinzkofer und Pfarrhelfer Elmar Fries

Erinnerungsfoto 50 Militärseelsorge am Standort Veitshöchheim v.l.n.r. Militärpfarrer Martin Klein, Brigadegeneral a.D. Ernst-Otto Berk, Generalmajor Bernd Schütt, Militärdekan Artur Wagner, Oberst i.G. Nau, Domkapitular a.D. Kurt Witzel, Bürgermeister Jürgen Götz, Oberstabsgefreiter Christoph Eckstein, Altbürgermeister Rainer Kinzkofer und Pfarrhelfer Elmar Fries

Im Speisesaal der Balthasar-Neumann-Kaserne hatten sich heute 239 Gäste versammelt. Soldaten und zivile  Mitarbeiter aus Volkach und Veitshöchheim und viele Ehrengäste feierten gemeinsam das Goldene Jubiläum der Katholischen Militärseelsorge Veitshöchheim.

Im Speisesaal der Balthasar-Neumann-Kaserne hatten sich heute 239 Gäste versammelt. Soldaten und zivile Mitarbeiter aus Volkach und Veitshöchheim und viele Ehrengäste feierten gemeinsam das Goldene Jubiläum der Katholischen Militärseelsorge Veitshöchheim.

Am Beginn der Jubiläumsfeier stand ein von Pfarrhelfer Elmar Fries mit viel Eifer und Elan organisierter Festgottesdienst, den der Militärpfarrer zusammen mit seinem Vorgesetzten, dem Leitenden Militärdekan Artur Wagner aus München und Domkapitular a.D. Kurt Witzel zelebrierte.

Am Beginn der Jubiläumsfeier stand ein von Pfarrhelfer Elmar Fries mit viel Eifer und Elan organisierter Festgottesdienst, den der Militärpfarrer zusammen mit seinem Vorgesetzten, dem Leitenden Militärdekan Artur Wagner aus München und Domkapitular a.D. Kurt Witzel zelebrierte.

Diesen eröffnete imposant ein zehnköpfiges Bläserensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim unter der Leitung von Hauptfeldwebel Eduard Maypoder mit Henry Purcells "Trumpet Tune".

Diesen eröffnete imposant ein zehnköpfiges Bläserensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim unter der Leitung von Hauptfeldwebel Eduard Maypoder mit Henry Purcells "Trumpet Tune".

Mit den Worten "Wir Pfarrer sind Miet-Mäuler, d.h. wir werden dafür bezahlt, dass wir fromm daherreden und dass wir gläubig sind" gab Militärpfarrer Martin Klein seine originelle Eingebung preis, statt einer eigenen Predigt Soldaten etwas sagen zu lassen. So schilderten ein Oberst, ein Mannschaftsdienstgrad und ein 44 Jahre gedienter Ex-General ihre persönlichen Erfahrungen mit der Militärseelsorge.

Oberst i.G. Nau machte diese an seiner persönlichen Laufbahn fest, zunächst als er noch Chef einer Ausbildungskompanie zu Zeiten der Wehrpflicht war und seine Rekruten mit dem Pfarrer regelmäßig ein Bundeswehrkrankenhaus für schwerst erkrankte oder verwundete Soldaten und auch ein Seniorenheim besuchten. Dies habe als Teil seines Erziehungsauftrages nachhaltigen Eindruck bei den jungen Wehrpflichtigen hinterlassen. Bei seinem ersten Auslandseinsatz Ende der 90er Jahr in Bosnien erinnerte er sich an einen Sonntagsgottesdienst in der vollbesetzen Kathedrale von Sarajewo zwei Jahre nach Kriegsende, als der Soldatenchor der Militärseelsorge die Kirchenbesucher zu Tränen rührten.

So ziemlich der Supergau für Soldaten war, als bei einem Schießunfall mit der Bordkanone des Schützenpanzers Luchs zwei Soldaten ihr Leben verloren und Zweifel an der Zuverlässigkeit des Geräts aufkamen. In dieser äußerst schwierigen Situation sei der Militärfürsorge eine immense Bedeutung in der Bewältigung der Lage zugekommen.

Klein machte er das Kompliment: "Martin, du bist einer derjenigen Pfarrer, die auch ohne Familie mit beiden Beinen im Leben stehen, die wissen, wie sie die Botschaften der heiligen Schrift in das aktuelle Zeitgeschehen übersetzt bekommen und die auf die Menschen zugehen und ihr Vertrauen gewinnen können." Weiter lobte der Oberst, dass hier am Standort die Ökumene groß geschrieben werde, Martin Klein und der evangelische Militärpfarrer Johannes Müller wie Topf und Deckel zu einander passen und so Ökumene beispielhaft für jede zivile Kirchengemeinde vorleben.

Die Militärseelsorge am Standort bezeichnete Nau als das definitiv stärkste Bindeglied in der Zusammenarbeit mit Veitshöchheim, seien es die regelmäßigen Standortgottesdienste in der Kuratiekirche, das Erntedankfest, die Adventskonzerte mit dem Heeresmusikkorps wie auch heuer wieder am 4. Dezember in der Kuratiekirche, der Weihnachtsgottesdienst am 24. Dezember im Umfeld der Wache mit mehreren hundert Teilnehmern, der Weltfriedenstag im Kiliansdom auf Einladung des Würzburger Bischofs und nicht zuletzt auch der seelsorgerische Dienst in der Gemeinde Veitshöchheim einschließlich Seniorenheim.

Oberstabsgefreiter Christoph Eckstein war eigens aus Erfurt angereist, um das Bild aus dem Blickwinkel seines Amts als ehemaliger Vorsitzender der Gemeinschaft Katholischer Soldaten hier im Standort vorzutragen. Er berichtete über seine sehr guten Erfahrungen über die unter einem Themenschwerpunkt stehenden Familienwochenenden, wie zuletzt über die Trennung der Familie bei einem Einsatz, der einen Monat später bei ihm bevorstand. Das Wochenende in Neu-Isenburg habe die Möglichkeit geboten den Alltag zu verlassen und in Ruhe darüber zu sprechen, wo die Frau nicht kochen muss und die Kinder betreut werden.

Als zweites Veranstaltungsformat der Militärseelsorge habe ihm die Soldatenwallfahrt nach Lourdes  vor zwei Jahren viel gegeben. Es war für ihn eine Tankstelle, wo man spirituell alles aufnehmen und neue Kraft tanken kann und wo Kameradschaft auf internationaler Ebene gefeiert und überzeugend gelebt wird.

Der pensionierte Brigadegeneral Ernst Otto Berk betonte, dass er die Arbeit der Militärseelsorge hochschätze und er Hochachtung vor dieser Arbeit habe. Im Laufe seiner 44jährigen Dienstzeit habe er zwei unterschiedliche Rollen und Einstellungen der Soldaten gegenüber der Militärseelsorge erlebt. In den ersten 22 Jahre bis Mitte der 90er Jahre habe sich die Militärseelsorge materialisiert einerseits im monatlichen Standortgottesdienst, andererseits im lebenskundlichen Unterricht und ein paar Dingen wie Weihnachten. Froh sei man natürlich bei einem tödlichen Unfall gewesen, den Pfarrer beim Kontakt mit Angehörigen an seiner Seite zu wissen.

Dann habe sich auf einmal die Welt geändert mit den Kriegen in Kambodscha und Somalia, auf dem Balkan .... Auf einmal habe man zu tun gehabt mit Verwundeten und Toten und der Dienst musste auf einmal in einem Grenzbereich ausgeübt werden. Nun sei man froh gewesen, jemand an seiner Seite zu haben, mit dem man sprechen konnte, der einem Stütze und Hilfe war und einem Trost geben konnte. Dies sei nicht nur in den Einsätzen so gewesen.

Berk: "Wer für Menschen verantwortlich ist und glaubt, dieser Verantwortung gerecht werden zu können, ohne dass er sich verantwortlich gegenüber einer transzendentalen Instanz befindet, der wird mit dieser Last auf Dauer nicht zurechtkommen." Und da hätten alle Verantwortlichen in den Militärpfarrern eine ganz große Stütze. Auch im täglichen Dienstbetrieb könne man nun durch die veränderte Rolle zwischen bewaffneten Menschen in den Streitkräften und den Pfarrern dort Hilfe finden und sich austauschen, um vor sich selber in seiner Entscheidung stehen können. Der ehemalige stellvertretende Divisionskommandeur vertritt deshalb die Auffassung, dass man nicht an Dingen rühren sollte, die sich wie die Militärseelsorge bewährt haben.

Als kleine Anerkennung und zur Erinnerung  für die geleisteten Dienste gab es von Generalmajor Bernd Schütt für den Militärpfarrer Glückwünsche zum Jubiläum in Form eines Bildes mit Darstellung der Gemeinsamkeiten und was die Militärseelsorge ausmacht.

Als kleine Anerkennung und zur Erinnerung für die geleisteten Dienste gab es von Generalmajor Bernd Schütt für den Militärpfarrer Glückwünsche zum Jubiläum in Form eines Bildes mit Darstellung der Gemeinsamkeiten und was die Militärseelsorge ausmacht.

Generalmajor Bernd Schütt, der Divisionskommandeur der 10. Panzerdivision, betonte in seinem Grußwort nach dem Gottesdienst, die Katholische Militärseelsorge stehe seit 50 Jahren fest und sicher wie ein Fels in der Brandung. Die Militärseelsorge habe während seiner Ägide in den letzten drei Jahren als Ort der Begegnung, des Gesprächs und bei Bedarf auch der Hilfe und der Zuflucht gedient für alle Soldaten und Zivilbediensteten, als der Standort von einer Welle erfasst wurde. Schütt verwies auf die Umstrukturierung und Auflösung von Dienststellen mit dem Umzug von Soldaten mit ihren Familien, die Aufnahme von Flüchtlingen in einer Liegenschaft der Kaserne, viele Einzelschicksale, aber auch auf Festivitäten wie der Tag der Bundeswehr oder die 50 Jahr-Feier der Kaserne.

Pfarrer Klein, seit neun Jahren hier tätig, wie auch seine Vorgänger, sei stets aktiv auf die Menschen zugegangen und habe mit seinem Team den Glauben hier in der Kaserne stets erlebbar gemacht.

Besonders hervor hob der Kommandeur, dass die seelische Betreuung der Kameraden, die  im Auslandseinsatz in ihren Freiheiten eingeschränkt und von ihren Lieben getrennt, Dienst für die BRD, für den Frieden und die Freiheit unter Gefahr von Leib und Leben und zum Teil extremen klimatischen Bedingungen leisten, nicht hoch genug einzuschätzen ist. Schütt sagte, er wisse von was er spreche, denn in seinen vier Auslandseinsätzen, zwei davon als Kommandeur im Norden Afghanistans habe er hautnah den Tod und die Verwundung erlebt.

Die Militärseelsorge sei deshalb ein wesentlicher, nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Kaserne, stelle eine beachtliche Größe in der Garnisonsgemeinde dar und sei in stürmischer Zeit ein Fels in der Brandung und Zufluchtsort für alle Soldaten, wenn sie es wünschen.

50 Jahre, so  sagte Leitender Miltiärdekan Artur Wagner humoristisch in seinem Grußwort, seien relativ wenig, wenn er an seine Großmutter denke, die drei Gebissprothesen brauchte, bis sie endlich mit 97 Jahren ins Gras gebissen hat. Auch im Militär und in der Kirche seien 50 Jahre relativ. Im Verhältnis zur Bundeswehr sei die Militärseelsorge gleich alt, denn sie war laut Wagner von Anfang an dabei. Im Verhältnis zur Kirche mit ihrer 2.000jährigen Tradition sei sie gerade eben dem Ei entsprungen.

Kleins Chef fand es gut, das 50jährige Jubiläum miteinander zu feiern, denn dies zeige, dass auch in dieser Situation, in der Menschen ihr Leben für andere einsetzen, die Kirche nicht nur fromm daherrede, sondern erfahrbar und spürbar sei. Wagner sagte, er sei Klein sehr dankbar, dass er seine Aufgaben seit 2009 so gut meistere, ebenso wie zuvor seine Vorgänger (Erwin Kuhn 1965 - 1967, Hartmut Wahl bis 1973, Theo Sell bis 1980, Kurt Witzel bis 1986, Georg Hartmann bis 1999 und Wolfgang Bier bis 2008).

Im Speisesaal West wartete dann auf die Jubiläumsgäste ein bayerisches Frühstück mit Weißwurst, Leberkäs und Bratwürste.

Im Speisesaal West wartete dann auf die Jubiläumsgäste ein bayerisches Frühstück mit Weißwurst, Leberkäs und Bratwürste.

Passend spielte dazu bayerische Musik ein Quintett des Heeresmusikkorps, das sich "Die Wirtshaus Vielharmoniker" nennt.

Passend spielte dazu bayerische Musik ein Quintett des Heeresmusikkorps, das sich "Die Wirtshaus Vielharmoniker" nennt.

50 Jahre Katholische Militärseelsorge in Veitshöchheim -  General Schütt: Wie ein Fels in der Brandung

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