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Gegen die Folgen des Klimawandels: LWG Veitshöchheim erforscht umweltfreundliche pilzwiderstandsfähige Rebsorten - Trauben mit grünem Gewissen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Auf dem Tafeltraubentag in Groß-Umstadt (Hessen) wurden bei einer Verkostung verschiedener PIWI-Traubensorten ein Geschmackstest direkt im Weinberg durchgeführt (Foto © Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim)

Auf dem Tafeltraubentag in Groß-Umstadt (Hessen) wurden bei einer Verkostung verschiedener PIWI-Traubensorten ein Geschmackstest direkt im Weinberg durchgeführt (Foto © Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim)

 
An die Scheren, fertig los!

So heißt es in diesen Tagen wieder in den Weinbergen. Mit dem Start der Weinlese Mitte August hat eine der frühesten Lesen überhaupt begonnen. Losgelöst vom Weinstock wandern mehr und mehr Trauben für ihren Werdegang zum flüssigen Gold jedoch nicht mehr in die Presse, sondern als Tafeltrauben auf den Teller. Dafür im Einsatz sind besonders umweltfreundliche und pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWI)

An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) werden schon seit Jahrzehnten PIWI-Sorten versuchsweise angebaut und erforscht. Bei seinem Besuch vom 24.-27. August 2017 verschaffte sich der Verein PIWI-International an der LWG in Veitshöchheim sowie bei fränkischen Weinbaubetrieben einen Überblick über PIWI-Tafeltrauben und Weine.
 
PIWI-International auf fränkischer Entdeckungstour

Der Austausch über wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse im Anbau von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten steht im Mittelpunkt des 2002 gegründeten Vereins, der mittlerweile weltweit über 400 Mitglieder zählt. Einmal im Jahr treffen sich die internationalen Weinexperten, um im Rahmen einer Lehrfahrt den PIWIAnbau in den verschiedensten Anbaugebieten zu erkunden. Diesmal ging es für 40 Winzerinnen und Winzer aus sechs Ländern auf Entdeckungstour. Neben der LWG in Veitshöchheim wurden auch verschiedene Anbaugebiete in Franken und Umgebung besucht.
 
Der große kleine Bruder der Keltertraube

Die äußere Erscheinung ist nicht alles? Bei Tafeltrauben schon! Denn nur Trauben mit einer makellosen Haut schaffen es auf den „Laufsteg“ – die Warenauslage in der Obst- und Gemüseabteilung. Neben der Größe und dem fruchtigen Geschmack spielt vor allem der Öko-Gedanke eine zunehmend wichtigere Rolle. So achten die Traubengenießer von heute beim Essen auf Nachhaltigkeit und Gesundheit.

Dabei können die PIWI-Trauben punkten: Denn durch Einkreuzung von resistenten Sorten kommen diese mit erheblich weniger Pflanzenschutz aus als die Trauben aus herkömmlichen Anbau. Derzeit werden in Deutschland auf rund 100 ha (davon 90 % PIWI) Tafeltrauben angebaut. Die Keltertraube mit deutschlandweit rund 100.000 ha Anbaufläche liegt dabei deutlich vorn. Auf dem PIWI-Tafeltraubentag in GroßUmstadt (Hessen) informierten sich die PIWI-Experten über Erziehungssysteme und diskutierten über aktuelle Themen wie Düngung und Pflanzenschutz.
 
PIWI-Weine – durch und durch Grün

Mit ihrer Pilzwiderstandsfähigkeit gegen echten und falschen Mehltau bieten die Rebsorten nicht nur die Möglichkeit, weitgehend auf Pflanzenschutz zu verzichten. Gleichzeitig überzeugen die Reben durch einen besseren Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Auch kann durch einen insgesamt geringeren Maschineneinsatz einer unnötigen Bodenverdichtung vorgebeugt werden: Eine klare Win-Win-Situation  für Umwelt, Winzer und Verbraucher.

Bei der Besichtigung der PIWIVersuchsanlange der LWG in Himmelstadt informierten sich die Experten u. a. über den Einsatz des Minimalschnitt-Systems, welches weniger Handarbeit benötigt und sich für flache Weinlagen sehr gut eignet. Bei einer PIWI-Weinverkostung stellten die Teilnehmer zudem ihre Weine vor und diskutierten neben Weinan- und -ausbau vor allem über die Vermarktung.

Denn PIWI-Weine stehen deutlich im Schatten der klassisch ausgebauten Weine. Der Hauptgrund dafür liegt an der geringen Bekanntheit der Weine beim Endverbraucher, denn der Geschmack unterscheidet sich nicht groß von den klassischen Rebsorten. Mit Aktionen wie dem „PIWI Weinpreis“ versucht die internationale PIWI-Gemeinschaft daher eine größere Bühne für den Wein „mit dem grünem Gewissen“ zu schaffen.
Weitere Informationen zu PIWI unter http://www.piwiinternational.de.  
 
 

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