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Landtagsabgeordnete Kerstin Celina besuchte mit Grünenvertretern das Fachzentrum Bienen der LWG - Bienen und Menschen brauchen einander

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

   Landtagsabgeordnete Kerstin Celina besuchte mit Grünenvertretern das Fachzentrum Bienen der LWG - Bienen und Menschen brauchen einander

Bilder von chinesischen Arbeitern, die mit dem Pinsel per Hand Obstbäume bestäuben, hat wohl jeder schon gesehen, Nachrichten über Bienensterben bei uns in Bayern durch Varroamilben, externe Schädlinge oder zu geringem Nahrungsangebot gelesen. Drohen uns bald chinesische Verhältnisse? Und was können und müssen wir konkret tun, um unsere Bienen zu schützen?

 

Diese und viele andere Fragen wurden im Rahmen eines Informationsbesuches der unterfränkischen Landtagsabgeordneten Kerstin Celina und einer Gruppe interessierter GRÜNER ausführlich diskutiert.

 

„Den Bienen geht es momentan nicht schlecht“, konstatierte Dr. Stefan Berg, Leiter des Fachzentrums Bienen bei der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, das als Forschungseinrichtung und Kompetenzzentrum für den Bereich Bienen und Imkerei ein kompetenter Partner und Dienstleistungseinrichtung für die bayerischen Imker, ihre Verbände und alle mit der Bienenhaltung befassten Institutionen bekannt ist.

 

Weil den Bienen eine besondere Bedeutung für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen zukommt, ist das Fachzentrum auch Ansprechpartner, wenn es um die gesellschaftlichen Leistungen der Bienenhaltung geht. „Aber jedes zweite Jahr überlebt bis zu einem Fünftel der hiesigen Bienenvölker den Winter nicht. Den Gesamtbestand können wir nur halten, indem wir widerstandsfähige Königinnen züchten, diese durch kompetente Imker gehegt und gepflegt werden und den Bienen ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot über die gesamte Sammelperiode bereitgestellt wird“, fügte Berg hinzu. 

 

Die Bedeutung der Bienen für Mensch und Natur lässt sich auch wirtschaftlich messen: Alleine die Bestäubungsleistung, die die Bienen in Deutschland erbringen, wird auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Letztlich hängt es aber oft vom Zufall ab, ob die Bienen während der gesamten Saison genügend Nahrung finden, oder ob sie bei anderen Völkern „räubern“ müssen.

 

Wenn in der trachtärmeren Zeit ab Juli die Nahrungsquellen geringer werden, versuchen die Bienen durch „Räuberei“ bei anderen Bienen Futter in den eigenen Stock zu bringen und greifen dabei schwächere Bienenvölker an. Dies betrifft in erster Linie Völker die durch den Befall mit Varroamilben oder anderen Parasiten geschwächt sind. Hierbei stirbt dann nicht nur das angegriffene Volk, sondern auch der „Sieger“, der mit der erbeuteten Nahrung auch die Krankheitserreger mit in den eignen Stock nimmt.

 

Für Celina ist klar: „Wir können das Nahrungsangebot für Bienen leicht an den Bedarf anpassen, z.B. durch Blühstreifen an Feldern, durch besonders gut geeignete Wildblütenmischungen als Energiepflanzen und vieles mehr.

 

Dazu brauche es aber Kooperation und den Willen in der Region, gemeinsam Nahrung für Bienen bereitzustellen. Überzeugende Argumente gibt es genug. Die, die Grundstücke haben, aber keine Bienen, müssen sich bewusst machen, dass weder auf kurzgeschnittenem Rasen noch auf ausgeräumten Landschaften Bienen ihre Nahrung finden können. Private und kommunale Eigentümer sind hier in der Pflicht“.

 

Viel Verantwortung liegt natürlich auch bei den Imkern: „Wir begleiten die Imker das ganze Jahr über mit Rat und Tat“, versicherte Dr. Berg und verwies auf die hohen Nutzungszahlen der Beratungsangebote der LWG, mehr als 1.5 Mio. Zugriffe auf das Internetangebot des Fachzentrums und das voll ausgebuchte Kursprogramm mit mehr als 250 Kursen machen das deutlich.

 

Nicht nur bei Räubereien müssen die Imker ggf. schnell reagieren, auch andere Schädlinge bedeuten oft Gefahr für die Bienenvölker. Durch den weltweiten Handel mit Bienen wurde z.B. der kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) trotz EU-weiter Einfuhrbeschränkungen im September 2014 in Süditalien (Kalabrien und Sizilien) nachgewiesen und setzt seine Wanderung gen Norden fort. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann er in Deutschland ankomme, so Berg.

 

In Bayern arbeite man deshalb an einem Frühwarnsystem, um rechtzeitig gegenhalten zu können. Auch die asiatische Hornisse verbreitet sich in Deutschland und schädigt Bienenvölker, indem sie in Gruppen heimkehrende Sammelbienen am Flugloch abfängt. Die Honigbienen stellen daraufhin oftmals Ihren Flugbetrieb ein. Aufgrund der Jagdstrategie und ihres Vermehrungspotentials kann die asiatische Hornisse zu massiven Schäden bei Bienenvölkern führen.

 

Die bedeutendsten Bienenschädlinge sind jedoch die Varroamilben, die sich sehr schnell in der Umgebung verbreiten. Maßnahmen zur Vermeidung von Varroaverlusten sind deshalb nicht nur für die Imker selbst wichtig,  sondern helfen auch den Bienenvölkern in der Umgebung. „Um Bienenvölker gesund zu erhalten, muss die Belastungssituation richtig eingeschätzt werden“, erläuterte Dr. Berg. Hierzu sei, eine hohe Aufmerksamkeit und eine wiederholte Diagnose durch die Bienenhalter erforderlich. Je nach Jahreszeit seien unterschiedliche Bekämpfungsmethoden sinnvoll, jetzt im Juni empfehle er konsequente biotechnische Maßnahmen zur Eindämmung der Milbenvermehrung.

 

Karen Heußner, Kreisrätin  und Vorstandsmitglied bei den GRÜNEN, war ebenso wie Celina beeindruckt davon, wie friedlich die Bienen unter anderem  in einem offenen Bienenstock auf dem Gelände der LWG leben. „Das zeigt, dass Bienen bei einem guten Nahrungsangebot ganz und gar  nicht aggressiv sind. Sanftmut  ist ein wichtiges Kriterium bei der Bienenzucht, das unterscheidet unsere Bienen von z.B. afrikanischen Bienen und nützt nicht nur Allergikern" stellt  sie fest. 

 

Autor: Gerhard Kraft, Referent

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