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Beim Weltgebetstag 2017 für Frauen stand beim Gottesdienst in der Veitshöchheimer Christuskirche die globale Gerechtigkeit im Mittelpunkt

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Zu den Gebeten, Liedern und Geschichten sorgte der ökumenische Singkreis „Mit Herz und Stimme“ für die musikal. Gestaltung zusammen mit den Musikern am Keyboard Petra Wirth, Henry Wirth, Percussion und an der Blockflöte Gertrud Gerhard.

Zu den Gebeten, Liedern und Geschichten sorgte der ökumenische Singkreis „Mit Herz und Stimme“ für die musikal. Gestaltung zusammen mit den Musikern am Keyboard Petra Wirth, Henry Wirth, Percussion und an der Blockflöte Gertrud Gerhard.

Globale Gerechtigkeit stand heuer für die Frauen auf den Philippinen im Zentrum des Weltgebetstags.

Sie hatten unter dem Titel "Was ist denn fair" ökumenische  Frauengruppen  rund um den ganzen Globus eingeladen, ihre Gebete, Lieder und Geschichten in einem Gottesdienst zum Weltgebetstag zu feiern. Ins Zentrum ihrer Liturgie stellten dabei die Christinnen aus dem bevölkerungsreichsten christlichen Land Asiens das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg. Den ungerechten nationalen und globalen Strukturen setzten sie die Gerechtigkeit Gottes entgegen.

Zur Umsetzung dieser Vorgaben hatte deshalb auf örtlicher Ebene eine ökumenische Projektgruppe mit Anni Winkler, Ria Aumüller, Barbara Reich-Scholz, Doris Schwittkowski, Kirsten Hummel, Rita Ruthemeyer, Helga Pietschmann und Waltraud Sturm zum Gottesdienst unter der Leitung von Andrea Huber in die evangelische Christuskirche in Veitshöchheim.

Kirsten Hummel

Nach der Begrüßung durch Ria Aumüller aus der evangelischen Gemeinde informierte Kirsten Hummel die Gäste über die Philippinen: 

„Die über 7.000 Inseln der Philippinen sind trotz ihres natürlichen Reichtums geprägt von krasser Ungleichheit. Viele der über 100 Millionen Einwohner leben in Armut. Wer sich für Menschenrechte, Landreformen oder Umweltschutz engagiert, lebt nicht selten gefährlich.

Die Verfassung garantiert nicht nur die Grund- und Menschenrecht, sondern verpflichtet den Staat auch zur Herstellung sozialer, politischer und ökonomischer Gerechtigkeit. Wer aber genauer schaut, sieht, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Die Landreform kommt nicht vom Fleck, Armut und soziale Ungleichheit nehmen zu. Clans, politische und wirtschaftliche Eliten treiben weiter ihr Unwesen. Trotz eines beachtlichen Wirtschaftswachstums ist die Zahl der Armen kaum gesungen und die Kluft zwischen extrem Armen und extrem Reichen wird immer größer. Die Hauptaufgabe in den kommenden Jahren wird es sein, die Diskrepanz aufzulösen und das in allen Schichten praktizierte Korruptionswesen zu stoppen. Aufgaben, die sich nicht nur für die Philippinen stellen, sondern auch globale Maßnahmen erfordern.“

SprecherinnenDie Sprecherinnen Helga Pietschmann, Waltraud Sturm und Anni Winkler erzählten Geschichten der Landesbewohnerinnen, um auf die Situation der Frauen aufmerksam zu machen.

Geschichte von Merlyn:

"Ich bin Merlyn aus Mindanao. Das ist eine Insel im Süden des Landes. Als Kind musste ich zuhause oft miterleben, wie meine Mutter geschlagen wurde. Und als ich sieben war, starb sie an Krebs. Nur einen Monat nach ihrem Tod wurde mein Vater bei einem Streit um Land erschossen – und ich musste zusehen. Später war ich gezwungen, mir Arbeit suchen, damit meine jüngeren Geschwister in die Schule gehen konnten. Ich ließ mich anwerben und bestieg ein Schiff, das mich in die riesige Stadt Manila brachte. Ich war 15, hatte mich aber als 18-jährige ausgegeben, um den Job zu bekommen.

Die Agentur vermittelte mich als Haushaltshilfe in eine Familie. Dort arbeitete ich als Mädchen für alles, fast rund um die Uhr, ohne einen freien Tag. Nach drei Monaten Arbeit hatte ich immer noch keinen Lohn bekommen, also kündigte ich und zog aus. Daraufhin zeigte mich meine Arbeitgeberin wegen schweren Diebstahls an. Sie beschuldigte mich, die Ohrringe ihrer Tochter gestohlen zu haben. Man steckte mich für drei Tage und zwei Nächte in ein Untersuchungsgefängnis. Ein christlicher Anwalt, der kein Geld verlangte, hat mir im Prozess gegen meine Arbeitgeberin geholfen. Ich habe in beiden Fällen gewonnen: Wegen der gesetzeswidrigen Arbeitsbedingungen musste mir meine ehemalige Arbeitgeberin eine Entschädigung zahlen und die Anklage wegen Diebstahls wurde fallengelassen. Jetzt steht mein Name nicht mehr im Strafregister."

Kirsten Hummel informiert: Die Geschichte von Merlyn ist die Geschichte vieler junger Mädchen vom Land, die aus wirtschaftlicher Not in die großen Städte oder ins Ausland abwandern, um dort zu arbeiten. Sie beenden kaum die Grundschule und werden dann Haushaltshilfen. Sie werden oft missbraucht und ausgebeutet. Und das, obwohl im November 2012 ein Gesetz über die Rechte der Hausangestellten verabschiedet wurde. Für dieses sogenannte „Kasambahay Gesetz“ haben viele Menschen lange gekämpft. Es gibt mehr als zwei Millionen Hausangestellte im Land. Sie brauchen menschenwürdige Arbeitsbedingungen, um die Armut überwinden zu können.

 

Geschichte von Celia

"Ich bin Celia und habe ein Kind. Ich arbeite als Tagelöhnerin auf einer der größten Zuckerrohrplantagen in Zentral Luzon, der großen Insel im Norden der Philippinen. Mein täglicher Lohn reicht nicht aus, um meine Familie zu ernähren. Weil manche Anbauflächen jetzt anders genutzt und Maschinen eingesetzt werden, gibt es für uns weniger Arbeit. Deshalb kann ich dort meist nur an zwei Tagen in der Woche arbeiten.

Um zusätzliches Geld für meine Familie zu verdienen, verkaufe ich an Schultagen Fischbällchen und kühle Getränke. Ich erledige auch die Wäsche für andere Familien oder arbeite als Straßenverkäuferin für Seife und Zahnpasta. Obwohl ich hart arbeite, verdiene ich nicht genug, um meine Familie mit drei richtigen Mahlzeiten am Tag versorgen zu können. Auch einen eigenen Wasseranschluss im Haus kann ich mir nicht leisten. Wasser muss ich von der öffentlichen Pumpe holen. Die Zuckerrohrplantage ist 6.453 Hektar groß. Zusammen mit 5.000 anderen Landarbeiterinnen und Landarbeitern warte ich auf den Tag, an dem wir endlich alle ein eigenes Stück Land bekommen, um es selbst bewirtschaften zu können. So sieht es die Agrarreform der Regierung vor. Und die Landbesitzer versprachen, dementsprechend Land zu verteilen.

Wir müssen einfach weiter für unser Recht auf ein menschenwürdiges Leben kämpfen."

Geschichte von Editha

Ich bin Editha, 69 Jahre alt und Witwe. Meine drei Kinder sind schon verheiratet. Ich lebe in der Stadt Ormoc im Osten der Philippinen. Bei uns wütete der Taifun Yolanda, in anderen Ländern Haiyan genannt.

"Ich verlor meinen Laden und mein Haus, konnte mich selbst aber in Sicherheit bringen. Immer noch lebe ich in einer provisorischen Hütte zusammen mit meiner Nachbarin, und wir teilen unser Essen. Ich habe überhaupt keine staatliche Hilfe bekommen, um mein Haus wieder aufzubauen. Aber wir sind dankbar, dass wenigstens einige Organisationen die Opfer des Taifuns versorgen. Ich wurde durch das Programm „Bargeld für Arbeit“ des britischen Hilfswerks „Christian Aid“ unterstützt. Der Taifun hinterließ eine tiefe Wunde in meinem Leben. Ich suche nach Arbeit und einer neuen Bleibe. Das Programm der Regierung zur Entschädigung und zum Wiederaufbau ist viel zu langsam. Dabei waren doch als Reaktion auf die immense Zerstörung durch den Taifun Hilfsgelder und Spenden der internationalen Gemeinschaft in Milliardenhöhe ins Land geflossen."
 

Reis abfüllenKirsten Hummel  informierte, dass es auf den Philippinen ist es üblich, beim Pflanzen und Ernten von Reis die Nachbarschaft um Hilfe zu bitten. Niemand werdedafür bezahlt, aber alle bekommen etwas von der Ernte. Diese Tradition wird Dagyaw (ausgespr.Dagjau) genannt. Dagyaw helfe, eine gute Gemeinschaft aufzubauen und zu erhalten. So werden Mitgefühl und Sorge füreinander in die Tat umgesetzt.

 

Andrea Huber erklärte dazu: „Nur gemeinsam ist es möglich etwas zu schaffen."

Die Frage „Was ist den fair beschäftige uns, wenn wir uns im Alltag ungerecht behandelt fühlen. Sie treibe uns erst recht um, wenn wir lesen, wie ungleich der Wohlstand auf unserer Erde verteilt ist. In den Philippinen sei die Frage der Gerechtigkeit häufig Überlebensfrage.

Bedeutet Gerechtigkeit, dass alle das bekommen was sie verdienen oder dass erhalten, was sie zum Leben brauchen?“

Die Gottesdienstbesucher wurden gebeten auf Ihr Leben zu blicken und sich die folgenden Fragen selbst zu stellen: Was habe ich verdient? Werden ich und mein Einsatz wertgeschätzt? Werde ich angemessen behandelt? Ist das denn fair? Was ist denn fair? Wo hören wir in unserem Alltag Gottes Ruf gerecht zu handeln, gelingt uns das, gerecht zu sein?

Doris Schwittkowski informierte: „Der Weltgebetstag ist eine große weltweite Basisbewegung christlicher Frauen. Jedes Jahr lassen wir uns begeistern von den Stärken der beteiligten Frauen, nehmen Anteil an ihren Sorgen und finden Ermutigung im Glauben. Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Frauen selbstbestimmt leben können. Auf dem Weg dorthin brauchen wir Zeichen gelebter Solidarität. Ein Zeichen ist unsere Kollekte, mit der wir weltweit Projekte unterstützten, die Frauen und Mädchen stärken."

Alle Gäste wurden anschließend noch zu einem Imbiss in das evang. Gemeindehaus eingeladen, wo sie ein reichhaltiges Büffet mit Köstlichkeiten der Philippinischen Küche, die von Teilnehmern des Singkreises und des Vorbereitungsteams zubereitet wurden, erwartete.

Die Kollekte ergab erfreulicherweise insgesamt 450 Euro. „Ich betrachte diese Spende als größtmögliche Anerkennung und Wertschätzung der Gottesdienstbesucher für das Projekt des Weltgebetstages, für das Gottesdienstteam und für den ökum. Singkreis“ Mit Herz und Stimme“. Sie alle spenden ihre wertvolle freie Zeit dafür, um diese Gottesdienste vorzubereiten und zu gestalten. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken“ so Andrea Huber, die diesen Bericht fertigte.

Fotos: D.G.

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