Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog

Unterfränkische Gartenbaugruppe nimmt Politiker in die Pflicht - Beim Bezirksgartenbautag in Gadheim mehr Wertschätzung eingefordert

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Erinnerungsbild Unterfränkischer Gartenbautag im Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim v.l.n.r. Bezirksvorsitzender Friedrich Reim, BGV-Vizepräsident Jürgen Herrmannsdörfer, stellvertretende Landrätin Karen Heußner, Bundestagskandidatin Dr. Manuela Rottmann (Grüne), Moderator Franz Barthel, MdB Bernd Rützel (SPD) und MdB Paul Lehrieder (CSU)

Erinnerungsbild Unterfränkischer Gartenbautag im Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim v.l.n.r. Bezirksvorsitzender Friedrich Reim, BGV-Vizepräsident Jürgen Herrmannsdörfer, stellvertretende Landrätin Karen Heußner, Bundestagskandidatin Dr. Manuela Rottmann (Grüne), Moderator Franz Barthel, MdB Bernd Rützel (SPD) und MdB Paul Lehrieder (CSU)

"Man schätzt unsere Produkte, nicht aber die Produktion." Dies ist auf einen Nenner gebracht derzeit das Hauptproblem der über 1000 dem Bayerischen Gärtnerverband e.V. (BGV)  angehörenden gartenbaulichen Betriebe (Baumschulen, Gemüsebau, Einzelhandels-, Friedhofs-, Stauden- und Zierpflanzengärtnereien von der Produktion bis hin zu Dienstleistungen und Service rund um den Garten)..

Der Veitshöchheimer Blumenhausinhaber Friedrich Reim, seit einem Jahr an der Spitze des unterfränkischen Bezirksverbandes stehend, hatte deshalb dieses Thema in den Mittelpunkt des Bezirksgartenbautages gestellt, der am Mittwoch im Tagungshotel des Markushofes im Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim über die Bühne ging.

Reim sprach von einer recht schwierigen Lage, in der sich derzeit der unterfränkische Gartenbau befindet. Als Gründe nannte er  Fachkräftemangel, ein zunehmender Preisverfall gärtnerischer Produkte  und zu erwartende finanzielle Mehrbelastungen durch Maut, Mehrwertsteuer-Anpassung und die immer mehr zunehmende Bürokratie.

Da der Verbraucher Pflanzen zunehmend im Lebensmitteleinzelhandel erwerbe, verliere der Fachhandel in den letzten fünf Jahren vor allem in den Bereichen Grünpflanzen, blühende Pflanzen und Stauden  an Absatz und Umsatz.

"Alle Betriebe brauchen mehr Wertschätzung aus der Gesellschaft für unsere Pflanzen und die dahinterstehende Arbeit, sowie angesichts des Fachkräftemangels angemessene Preise, die es uns ermöglichen, die Mitarbeiter besser zu entlohnen und die Betriebe zukunftsfähig zu gestalten" forderte deshalb der Bezirksvorsitzende.

Nach seinen Worten ist es deshalb unabdingbar, dass auch die Politik ihren Teil dazu beiträgt, Landwirtschaft und Gartenbau wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken.

Zum Werteverständnis bestand allseits Einklang, vermehrt die Schulen in die Betriebe reinzubringen und zu vermitteln, dass es Blumen nicht nur bei Obi und Aldi gibt. So erhofft man sich auch einen Werbe-Beitrag zum Abbau des Fachkräftemangels. Noch geringer sei das Interesse von Flüchtlingen am Gärtnerberuf, die Naturarbeit habe bei ihnen keinen Stellenwert, wie eine bei der Tagung anwesende Lehrerin der Berufschule in Ochsenfurt erklärte.

Der Bezirksvorsitzende Friedrich Reim (rechts) hatte deshalb die Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder (CSU - links) und  Bernd Rützel (SPD - 3.v.l.) sowie Dr. Manuela Rottmann (Kandidatin der Grünen für die Bundestagswahl 2017) zu einer von Franz Barthel moderierten Podiumsdiskussion eingeladen. Die Belange der Gärtner vertrat dabei der BGV-Vizepräsident Jürgen Hermannsdörfer (2.v.r.) aus Würzburg. Diskutiert wurden dabei Themen aus einem 30-seitigen Positionspapier des Zentralverbandes Gartenbau e.V. (ZVG) zur Bundestagswahl 2017. Nach fast zweistündiger lebhafter Diskussion, zu der auch viele Inhaber der 45 anwesenden unterfränkischen Gartenbaubetriebe beitrugen, lobte Moderator Barthel, dass keiner der drei Politiker versucht habe, sich zu profilieren und keiner durch die Blume, sondern mit Fakten argumentiert habe.

Der Bezirksvorsitzende Friedrich Reim (rechts) hatte deshalb die Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder (CSU - links) und Bernd Rützel (SPD - 3.v.l.) sowie Dr. Manuela Rottmann (Kandidatin der Grünen für die Bundestagswahl 2017) zu einer von Franz Barthel moderierten Podiumsdiskussion eingeladen. Die Belange der Gärtner vertrat dabei der BGV-Vizepräsident Jürgen Hermannsdörfer (2.v.r.) aus Würzburg. Diskutiert wurden dabei Themen aus einem 30-seitigen Positionspapier des Zentralverbandes Gartenbau e.V. (ZVG) zur Bundestagswahl 2017. Nach fast zweistündiger lebhafter Diskussion, zu der auch viele Inhaber der 45 anwesenden unterfränkischen Gartenbaubetriebe beitrugen, lobte Moderator Barthel, dass keiner der drei Politiker versucht habe, sich zu profilieren und keiner durch die Blume, sondern mit Fakten argumentiert habe.

Franz BarthelPodiumsdiskussion - Exzellenter Moderator Franz Barthel

(von 1980 bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter des BR)

Während Lehrieder und Rützel im Bundestag sich mehr sozialen Fragen widmen, verfügt die Grünen-Bundestagskandidatin Rottmann aufgrund ihrer sechsjährigen Tätigkeit als hauptamtliche Dezernentin in Frankfurt über eine sechsjährige praktische Erfahrung im Umweltbereich. Wie sie sagte, sind ihr Weihnachtssterne und Tulpen aus Holland suspekt, bevorzugt sie Pflanzen und Blumen aus der Region und vertritt im Hinblick auf die Belange von Bienen auch ein klare Meinung zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Für sie ist ein großes Dilemma, dass im Gemüsebau bei der Massenproduktion von Gurken oder Krautköpfen vieles eingeackert werde, was nicht der Norm entspricht.

Einsetzen wollen sich die Politiker, dass künftig eindeutig aus der Kennzeichnung von Gemüse und Obst hervorgeht,  aus welchen Ländern diese kommen und nicht nur, wo die Abpackung erfolgte.

Eine Katastrophe ist für viele Gartenbauinhaber die immer mehr zunehmende Bürokratie. Sie klagen über unsinnige behördliche Vorgaben und Bestimmungen.

Ein weiteres Anliegen, das die Gärtner den Politikern ans Herz legten, ist es, dass für Blumen und Pflanzen auch weiterhin der ermäßigte  Umsatzsteuersatz gilt, da diese sich durch vielfältige Wohlfahrtswirkungen und ihre kulturelle Bedeutung auszeichnen würden. Unverständlich ist für die Branche, dass Baumschulen bei Pflanzmaßnahmen die gelieferten Bäume nur den ermäßigten Steuersatz in Rechnung stellen können, nicht jedoch Friedhofsgärtner für ihre auf Friedhöfen von ihnen eingesetzte Pflanzen.

Von der Ausdehnung der Mautpflicht auf alle Bundesstraßen im nächsten Jahr befürchtet die Branche eine erhebliche  Mehrbelastung, insbesondere für Betriebe im ländlichen Raum. Den Politikern mit auf den Weg gab daher die Tagung entsprechend dem Positionspapier des ZVG die Forderung, keine Ausdehnung der Maut auf Lastkraftwagen unter 7,5 Tonnen und Beibehaltung der bisherigen Ausnahmeregelungen für landwirtschaftliche Betriebe und für Fahrten im Rahmen der so genannten Handwerkerregelung.

Mehr Flexibilität von der Politik erhoffen sich die gärtnerischen Betriebe aufgrund des Fachkräftemangels beim Arbeitszeitgesetz, wenn saisonal bedingte Mehrarbeit ansteht. MdB Rützel meinte dazu, dass bereits jetzt die Möglichkeit bestehe, 29 Tage lang jeden Tag bis zu zwölf Stunden zu arbeiten.

Unterstützung erwarten die Gartenbaubetriebe von der Politik weiter beim Risikomanagement aufgrund Witterungseinflüsse oder beim Auftreten von Quarantäne-Schädlingen. Sie fordern die Einführung einer steuerlichen Glättungsmethode und wie in Italien üblich bei der Ermäßigung bei der Versicherungssteuer sowie von Entschädigungsleistungen wie bei den Winzern, um so die Liquidität des Betriebes im Jahr der Krise zu verbessern. 

Beim Mindestlohn ergeben sich laut BGV-Beschäftsführer Jörg Freimuth für die Betriebe Probleme nur beim Einsatz von Erntehelfern und von Gartenwerkern, wie sie in der Tagungsstätte des  Don Bosco-Berufsbildungswerks der Caritas in Gadheim  in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau und Zierpflanzenbau ausgebildet werden. Da sie nur eine stark verminderte Arbeitsleistung erbringen könnten, würden viele Betriebe inzwischen von einer Einstellung von Gartenwerkern absehen.

Der stellvertretenden Landrätin Karen Heußner war es ein Anliegen, in ihrem Grußwort zu betonen, dass diese jungen Menschen die Gartenbaubetriebe brauchen, um eine Stelle zu finden und dass nur so ihre Integration in den ersten Arbeitsmarkt gelinge.

Karen HeußnerIm übrigen sprach Heußner der Branche Mut für die Zukunft zu. Denn "Gartenarbeit" zähle laut einer Umfrage von 2015 zu den beliebtesten, zumindest häufigsten Freizeitaktivitäten der Deutschen, so angegeben von rund 30,5 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung.

Der Garten sei und bleibe für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres gestalteten Zuhauses, sei es um sich selbst dort zu betätigen, oder auf andere Weise dafür zu sorgen, dass er, der Garten, eine schöne, wohltuende Umgebung bietet.

Beim Gärtner fänden die Menschen Anregungen für Ihr privates Stückchen Grün und die gewünschten Pflanzen, Erden und Zubehör aller Art. Sie würden zu allen Fragen rund um die Pflanze fachkundig beraten.

Eine wertvolle Unterstützung für die angeschlossenen über 1000 Fachbetriebe ist nach Heußners Worten der Bayerische Gärtnerverband, der sich neben den pflanzenbezogenen Fachthemen auch um Fragen zu Ausbildung, zu Recht und Steuern, sowie Versicherungsfragen und Entgelttarife kümmert und Lobbyarbeit leiste.

Heußner verwies hier auch voller Stolz auf die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit Sitz hier in Veitshöchheim, die als Ausbildungs-, Forschungs- und Informationsstelle für die professionellen Gärtner eine wichtige Unterstützung sei.

Beispielhaft für die zahlreichen Ergebnisse der Zusammenarbeit nannte sie die Züchtung, Präsentation und Vermarktung der "Bayerischen Pflanze des Jahres", die alljährlich Beete und Balkonkästen bereichert.

Potientiale für seine Branche sah auch Karl-Heinz Hupp, Obermeister der Gartenbaugruppe Würzburg in seinem Willkommensgruß.

Er forderte seine 45 zum unterfränkischen Gartenbautag in den Markushof in Gadheim gekommenen Kollegen auf, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern in der Zukunft die Chancen zu nutzen. Solche sah er nicht nur im vielgelobten Dienstleistungsbereich, von dem außer Frage stehe, dass er weiterhin wachsen werde.

Hupp: „Auch und vor allem unser Fachwissen über Pflanzen und deren Verwendung, unsere Begeisterung und die Leidenschaft für Blumen und Pflanzen sind Bausteine für einen echten Erfolg“.

Nur wer positiv gestimmt sei und mit guten Gedanken an die Arbeit gehe, werde am Ende des Tages auch Erfolg haben. Gerade mit gärtnerischen Produkten, die für Freude, Glück und guter Stimmung stehen, sei es elementar wichtig, ein positives Bild abzugeben.

Friedrich ReimIn seiner Bestandsaufnahme zur unterfränkischen Situation im Gartenbau ist für den Bezirksvorsitzenden Friedrich Reim ein großer Pluspunkt, dass der BGV seit Jahren die Pflanzen des Jahres anbietet, die es ausschließlich nur für Mitglieder gibt. Das Beet- und Balkonpflanzengeschäft war und ist nach seinen Worten mittlerweile eine tragende Säule vieler Betriebe.

Auch die zunehmenden Dienstleistungen an Friedhöfen mit der Dauergrabpflege könne zu Recht als Zukunftsmodell für die Hinterbliebenen und die kulturelle Achtung und Wertschätzung in unserer Gesellschaft gesehen werden.

Die Pflanzenüberwinterung habe sich bei einigen Betrieben auch zu einer sehr starken kundenbindenden Dienstleistung entwickelt.

Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau, als Planer und Ausführer bei Gartenbewässerungstechnik, Mähroboter gehören laut Reim bei dem ein oder anderen ebenso zum Portfolio wie die lnnenraumbegrünung und mache  deutlich, wie sich der Gartenbau weiterentwickelt.

Reim freut sich jetzt schon auf die Pflanzentaufe, die in diesem Jahr in der Gärtnerei Christoph Schlereth in Hammelburg durchgeführt wird.

Auf der Negativseite zeige der Fachkräftemangel sich nicht nur in vielen Betrieben, so Reim, sondern er sei auch in der Beratung am Gartenbau Zentrum Nord und in anderen Forschungseinrichtungen angekommen.

Zu wenig Beachtung findet nach seiner Meinung,  dass man seit über 40 Jahren in der Gartenbaugruppe Würzburg einen Gärtnergottesdienst habe, hier seit über 10 Jahren die Benefizgeranie mache  und für soziale Dienste spende, sowie auch seit Jahren zu Nikolaus Senioren im Altenheim einen weihnachtlichen Gruß überbringe, ganz zu schweigen auch noch bei der Organisation St. Egidio zu Weihnacht.

Er kenne in Unterfranken keine andere Berufsgruppe, die so lange ein breites soziales Engagement ausübe wie wir Gärtner.

Gartenbau – wer sind wir morgen? Jürgen Hermannsdörfer, BGV-Vize-Präsident Vortrag

Weitere Punkte, die bei der Tagung auf dem Programm standen:


Bericht aus den Fachgruppen

 Ausbildung Werner Pudell

 Friedhof Hans Steger

 Gemüse sowie Perspektive BGV André Busigel

 Zierpflanzen/Einzelhandelsgärtnerei Jürgen Herrmannsdörfer

 Zierpflanzen/Produktion Herbert Eichelmann

 
Infos aus Ihrer BGV-Geschäftsstelle  Jörg Freimuth, Verbandsgeschäftsführer
 
Die TBF – berufsständischer Dienstleister Stephan Jürgenliemk, Geschäftsführer der Treuhandgesellschaft bayerischer Friedhofsgärtner  
 
Strategischer Einkauf & Lieferantenmanagement (NN)
 
Katastrophen im Betrieb

 …aus Sicht eines Betroffenen Elmar Gimperlein, Maintal-Kresse

 …aus Sicht der Versicherer Christian Senfft (Gartenbau-Versicherung VVaG) und Hans-Peter Noll (Landwirtschaftl. Verein Münste/LVM)


Schlusswort Herbert Eichelmann, Stv. Bezirksvorsitzender
 
Im Anschluss:  Mitgliederversammlung des Betriebshilferings Unterfranken

Kommentiere diesen Post