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Jugend- und Bundesfreiwilligendienste (FSJ/Bufdi) sind zunehmend auch für Veitshöchheimer Mittelschüler interessant

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Auf dem Foto von links Verena Häberl (BRK), die FSJler Luca Albero, Janek Kopriva,  Nico Zürrlein und Michael Kramer (BRK).

Auf dem Foto von links Verena Häberl (BRK), die FSJler Luca Albero, Janek Kopriva, Nico Zürrlein und Michael Kramer (BRK).

Der etwas andere Weg nach der Schule

 

Vier Jungs nutzen nach bestandener Abschlussprüfung an der Mittelschule Veitshöchheim seit 1. September 2016 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Bayerischen Roten Kreuz als Bildungs- oder Wartejahr bzw. als Vor-/Praktikumszeit für die Ausbildung. Drei dieser ehemaligen Schüler waren nun der Einladung von Theresia Öchsner, der an der Schule tätigen Übergangsmanagerin der Handwerkskammer Service GmbH zum Fachgespräch mit den drei Abgangsklassen der Mittelschule gefolgt, um im Rahmen eines 45-minütigen Fachvortrags über ihre bisher gemachten Erfahrungen zu berichten.

Für Öchsner hat Praxiserfahrung einen hohen Stellenwert. Deshalb ist für sie die sogenannte „Peergroup“-Arbeit ein wichtiger Bestandteil der Vertieften Berufswahlorientierung an der Mittelschule Veitshöchheim.

Mit den FSJlern waren auch Verena Häberl und Michael Kramer in die Mittelschule gekommen, die die FSJ-Einsätze beim BRK-Bezirk Unterfranken pädagogisch und fachlich begleiten. Sie erklärten den Mittelschülern der drei Abgangsklassen zunächst die Rahmenbedingungen und die Erwartungen an interessierte Jugendliche. Vielfältig seien die Einsatzmöglichkeiten in der Pflege und Betreuung, in der Alltagsbegleitung und in der Freizeitgestaltung von Wohnheimen für Menschen mit Behinderung, Kliniken, Kindertageseinrichtungen, Altenheimen, Sozialstationen und Jugendeinrichtungen.

Interessant seien auch Einsatzstellen im Training, beim Kinderturnen, in der Organisation und Begleitung bei Wettkämpfen und bei der Mittags- und Hausaufgabenbetreuung in Sportvereinen, Sportverbänden und Sportprojekten in Schule, Kindergarten oder Feriendorf, mit der Möglichkeit zunächst eine Übungsleiterausbildung zu absolvieren. Daneben gebe es auch noch ökologische, kulturelle und politische Einsatzstellen.

Kramer verdeutlichte, das FSJ und Bufdi zwar keine Ausbildungsberufe sind, aber gute Motive und Hintergründe dafürsprechen würden. Dass diese alternativen Angebote in gemeinwohlorientierten Einrichtungen spannende Betätigungsfelder für den nächsten Schritt nach der Schule und zunehmend auch von Interesse für die Absolventen der Mittelschule Veitshöchheim sind, machte nun der Erfahrungsaustausch deutlich.

Die drei Jugendlichen erzählten von ihrem jetzigen Arbeitstag und ihren alltäglichen Aufgaben im Team an den verschiedenen Einsatzstellen wie Fahrdienst, OP-Vorbereitung beim BRK oder Förderstättengruppe/Mainfränkische Werkstätten und von den ersten Seminarwochen und –Planungen.

Es sind insgesamt 25 Bildungstage, die sie ableisten müssen. Im ersten Block stehen auch alltagspraktische Pflichtthemen auf dem Programm wie Infektionsschutz, Einführung in die Grundpflege mit oft erheiterndem Rollentausch wie gegenseitiges Händewaschen, Zähneputzen, Essen eingeben, aber auch Simulationsübungen wie Rollstuhltraining oder „Blind für einen Tag“.

Sie berichteten über Austausch und Gruppenarbeit aus den jeweiligen Praxiserfahrungsfeldern, Vertrauensübungen, Exkursionen, kreative-/erlebnispädagogische Aktionen und über jede Menge Spaß, die sie hatten.

Viele würden sich nicht ganz freiwillig engagieren, meint Verena Häberl. Für diese sei das Freiwillige Soziale Jahr ein Wartejahr, eine Notlösung. Freiwillig bedeute aber auch nicht kostenlos. Es gebe ein Taschengeld, Kindergeldansprüche, ein Arbeitszeugnis und die Versicherung sei gewährleistet.

"Das Beste was mir passieren konnte"

Nico Zürrlein sagt dagegen, dass das FSJ für ihn das Beste war, was ihm passieren konnte. Im Rahmen der Boy’s-Day-Schulveranstaltung an der Mittelschule Veitshöchheim habe er bereits in der siebten Klasse in die Tagespflege St. Gregor (Generationenhaus Güntersleben - Seniorentagesstätte der Caritas) geschnuppert. In der achten Klasse durfte er Einblick bei den Mainfränkischen Werkstätten gewinnen und traf dann seine Berufswahlentscheidung. Nach einem weiteren schulverpflichtenden Praktikum stand fest, dass er Heilerziehungspflegehelfer werden will.

Luca Albero wünscht sich nach diesem Einsatzjahr beim BRK einen Ausbildungsplatz in einem Büroberuf.  Janek Kopriva will im nächsten Schritt die Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten am Universitätsklinikum Würzburg beginnen.

Die Übergangsmanagerin findet es bemerkenswert, überraschend und erfreulich, wie sich diese Jungs, ausgehend vom Boy's-Day neue Bereiche für ihr Berufsleben erschlossen.

Hintergrund: Der Boy’s-Day ist seit 2011 ein bundesweiter Aktionstag zur Berufsorientierung und Lebensplanung für Jungen. Schüler aller Schularten haben an diesem Tag die Gelegenheit, eher jungenuntypische Berufsfelder kennen zu lernen.

Öchsner Fazit: „ich bin mir sicher, ein Freiwilligendienst tut jedem jungen Menschen gut – egal ob dieser im sozialen, pädagogischen, technischen, ökologischen, kulturellen Bereich, oder auch im freiwilligen Wehrdienst ist. Ein Jahr zum Durchschnaufen, neue Erfahrungen sammeln, sich für andere engagieren und selbst neu kennenzulernen darf man sich nach der Schule guten Gewissens gönnen!"

Oft hätten die Schulabgänger erstmals intensiven Kontakt zu alten, Kranken und behinderten Menschen und erfahren, dass es guttut, für andere da zu sein.

Früher hätten junge Männer durch die Wehrpflicht quer durch alle Bevölkerungsschichten solche wertvollen Erfahrungen gemacht. Heute entscheide man sich freiwillig und ganz bewusst dafür.

 

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