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Artikel ergänzt: Veitshöchheimer Bilhildiskindergarten mausert sich zum Kompetenzzentrum für Familien - Erfolgreich durchgeführtes FuN-Elternstärkungsprogramm

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Die fünf Teamer/innen aus den drei Einrichtungen empfingen die zwölf am FuN-Programm teilnehmenden Familien mit viel Begeisterung und Offenheit, v.l.n.r. Erzieherin Julia Hammer (Bilhildis), Erzieherin Alexandra Reubelt (Martin), Sozialpädagogin Angelika Vey-Rossellit (Bilhildis), Erzieher Michael Radtke (Bilhildis) und Lehrerin Sigrid Schneider (Vitusschule)

Die fünf Teamer/innen aus den drei Einrichtungen empfingen die zwölf am FuN-Programm teilnehmenden Familien mit viel Begeisterung und Offenheit, v.l.n.r. Erzieherin Julia Hammer (Bilhildis), Erzieherin Alexandra Reubelt (Martin), Sozialpädagogin Angelika Vey-Rossellit (Bilhildis), Erzieher Michael Radtke (Bilhildis) und Lehrerin Sigrid Schneider (Vitusschule)

Im September 2013 wurde das sehr mutige, zukunftsweisende und pädagogisch sehr klug gebaute und offen als multifunktional nutzbares Familienzentrum konzipierte Bauwerk des neuen Bilhildiskindergartens in Betrieb genommen. Zusätzlich zum gesetzlich geforderten Raumprogramm hatte der Träger des 2,2 Millionen Euro teuren Ersatz-Neubaus ein 16 Quadratmeter großes Elterncafé, einen 15 Quadratmeter großen Einzeltherapieraum und einen 45 Quadratmeter großen Begegnungsraum (Raum der Stille) gewünscht, der Kontakte zwischen Jung und Alt ermöglichen soll sowie auch einen als Seminarraum nutzbaren 28 Quadratmeter großen Hausaufgabenraum.

KiGa-Leiterin Angelika Vey-Rossellit: "Wir wollten neue Wege und Formen gehen in diesem Haus." Für sie ist das Mitte Januar dieses Jahres in Angriff genommen Programm FuN ein weiterer Baustein für ihre Kita zum Kompetenzzentrum für Familien. Das FuN-Programm wurde schon 2002 am Institut für präventive Pädagogik in Münster von Bernd Brixius und Birgit Piltmann entwickelt und konzipiert und ist mittlerweile schon weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Die Urheber wählten das Wort FuN bewusst zweideutig. Es ist die Abkürzung für Familie und Nachbarschaft und steht im Englischen für Spaß. Anliegen ist die Stärkung des inneren Zusammenhalts der Familie und in ihrem sozialen Umfeld. FuN soll Eltern nahebringen, sich im nächsten Umfeld Verbündete zu suchen und es soll sie beim Elternsein auf lustbetonte Art, ohne erhobenen Zeigefinger, nur mit leichter Hilfestellung unterstützen. Und man trifft sich an einem vertrauten Ort, in der Kita.

FuN ist kein Kurs, den man gegen ein Entgelt irgendwo belegt. Hier bekommt man Impulse, wie man Familienstress mindern und den -Zusammenhalt stärken kann, wie man überhaupt ins Gespräch kommt, erklärt Angelika Vey-Rossellit.

Und so verabredete sich die Sozialpädagogin Vey-Rossellit mit zwei weiteren Einrichtungen im Altort, dem Kindergarten St. Martin und der Vitus-Grundschule, ein solches FuN-Programm in Angriff zu nehmen. Auf eine entsprechende Ausschreibung zeigten zwölf Familien Interesse und so fanden sich achtmal an einem Donnerstagnachmittag von 16 bis 19 Uhr im Bilhildiskindergarten 19 Erwachsene und 22 Kinder zusammen, um neue Kontakte im Altort zu knüpfen, über alles zu reden, was ihnen wichtig ist, um so die Verständigung und den Zusammenhalt in ihren eigenen Familien zu stärken. Dabei wurden sie vom eingangs aufgeführten Team begleitet.

Eltern, Kinder und Pädagogen aus allen drei Bildungseinrichtungen haben hier so gemeinsam gespielt, gesungen, gelacht, gebastelt und viel Zeit miteinander verbracht, auch gemeinsam zu Abend gegessen. Wie Vey-Rossellit, berichtet, hatten noch viel mehr Familien Interesse angemeldet. Sie mussten auf den geplanten zweiten Durchlauf der Familienbildungswochen im Herbst vertröstet werden.

Nach ihren Worten war es eine ausgewogene Mischung von Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Bei der gemeinsamen Elternzeit beim ersten Treffen konnten sich die Mütter und Väter zu Fragen der Erziehung austauschen. Dabei hätten viele noch nicht so richtig gewusst, was sie erzählen sollten. Doch beim zweiten Treffen sei dann das Eis gebrochen. Die Eltern hätten sich immer mehr geöffnet und es sei viel gelacht worden. Besonders erfreulich für Vey-Rossellit: Das Handy bleibt aus, seien sich alle schnell einig gewesen.

Die Teilnahme war für alle Familien kostenlos. Für Vey-Rossellit und ihr Team bedeutete es eine zusätzliche Personalpower. Es wurden für das Projekt eigens zwölf Tische und Stühle für die Erwachsenen sowie das nötige Geschirr angeschafft. Wie die Sozialpädagogin sagt, war es das erste FuN-Projekt in Unterfranken und in ganz Deutschland die erste Initiative, dass drei Einrichtungen zusammenarbeiteten.

Das sich daraus ergebene Teamer-Team besuchte fünf kostenlose FuN-Fortbildungs-Veranstaltungen in Frankfurt. Während des Trainings lernten die Teamerinnen die Ziele und Inhalte des Familienprogramms sowie Spiele und Übungen zur Umsetzung der Ziele kennen, wie sie Elternkompetenzen stärken, Gruppenprozesse gestalten und moderieren können und wie sie ihre Praxiserfahrung reflektieren. Eine Lifesupervision während eines Familiennachmittags ergänzte das Training.

Die Rolle der fünf Teamerinnen war so nicht lehrerhaft für die teilnehmenden Familien, sondern begleitend und moderierend bei der Ideenfindung.

So begann ein Nachmittag mit einem Schüttel-Hit. Alle bewegten sich und wärmten sich auf für die erste große Aufgabe des Tages: Jede Familie bastelte gemeinsam ihr Familienwappen. Danach ging es mit Spielen weiter, bei denen jedes Mitglied der Familie seinen Beitrag leistete.

So begann ein Nachmittag mit einem Schüttel-Hit. Alle bewegten sich und wärmten sich auf für die erste große Aufgabe des Tages: Jede Familie bastelte gemeinsam ihr Familienwappen. Danach ging es mit Spielen weiter, bei denen jedes Mitglied der Familie seinen Beitrag leistete.

Beim Kooperationsspiel, bei dem es galt, als Familie am Familientisch gemeinsam eine Aufgabe zu lösen, seien alle sehr konzentriert bei der Sache gewesen. Eltern und Kinder redeten miteinander und hörten sich zu.

Beim Kooperationsspiel, bei dem es galt, als Familie am Familientisch gemeinsam eine Aufgabe zu lösen, seien alle sehr konzentriert bei der Sache gewesen. Eltern und Kinder redeten miteinander und hörten sich zu.

Spielzeit für die Kinder während der Elternzeit.
Spielzeit für die Kinder während der Elternzeit.

Spielzeit für die Kinder während der Elternzeit.

Wie die Teilnehmerin Maria Ziegler-Lutz berichtet, bot eine Spielzeit für alle Kinder den Eltern die Möglichkeit die "Elternzeit" wieder neu zu entdecken. Hier habe die nötige Ruhe zum Kennenlernen in großer Runde und zum Austausch der Elternpaare untereinander bestanden.

Wie die Teilnehmerin Maria Ziegler-Lutz berichtet, bot eine Spielzeit für alle Kinder den Eltern die Möglichkeit die "Elternzeit" wieder neu zu entdecken. Hier habe die nötige Ruhe zum Kennenlernen in großer Runde und zum Austausch der Elternpaare untereinander bestanden.

Pünktlich mit der Rückkehr der Kinder habe dann jede Familie an ihrem Tisch gemeinsam das Abendessen genossen. Ein oder zwei Familien bereiteten immer das Essen für die anderen vor nach dem Motto "einmal arbeiten, siebenmal genießen".
Pünktlich mit der Rückkehr der Kinder habe dann jede Familie an ihrem Tisch gemeinsam das Abendessen genossen. Ein oder zwei Familien bereiteten immer das Essen für die anderen vor nach dem Motto "einmal arbeiten, siebenmal genießen".

Pünktlich mit der Rückkehr der Kinder habe dann jede Familie an ihrem Tisch gemeinsam das Abendessen genossen. Ein oder zwei Familien bereiteten immer das Essen für die anderen vor nach dem Motto "einmal arbeiten, siebenmal genießen".

Dann ging es zum Überraschungs-Spiel, das Kinder wie Eltern gleichermaßen forderte, aber viel Bewegung und Spaß für alle brachte.

Dann ging es zum Überraschungs-Spiel, das Kinder wie Eltern gleichermaßen forderte, aber viel Bewegung und Spaß für alle brachte.

Nach acht Wochen erhielt jede Familie ein "FuN-Diplom". Die Bilhildis-Kita-Leiterin zieht ein überaus positives Fazit der Familienbildungswochen: "Alle Eltern konnten eine intensive Zeit mit ihren Kindern verbringen und eine stressfreiere Verständigung innerhalb der Familie erleben." Auch sei die Wertschätzung zwischen den Familien gewachsen. Da würden jetzt Leute miteinander reden, die bisher nicht miteinander gesprochen haben. Auch für die Teamer/innen sei es eine ganz neue Erfahrung gewesen. Arbeiten sie sonst fast ausschließlich mit den Kindern, hätten sie hier den Eltern den Rücken gestärkt. Der Umgang untereinander sei viel lockerer geworden, eine neue Nähe zu den Eltern entstanden.

Und gestärkt worden sei auch das Netzwerk zwischen den Kitas und der Schule im Altort. Davon würden beim Übergang Kita-Schule vor allem die Kinder profitieren. Vey-Rossellit: "Je besser beide Seiten ihre pädagogischen Konzepte aufeinander abgestimmte haben, desto schneller finden Kinder mit ihren Eltern in der Schule ein neues Zuhause."

Nach den ersten acht Wochen ist aber noch nicht Schluss. Nun werden die Eltern über sechs Monate begleitet, selbstorganisierte monatliche Treffen gemäß dem Motto "Familie und Nachbarschaft" durchzuführen. In dieser auf die Programmphase folgende Selbstorganisationsphase sollen nach der FuN-Intention die Selbsthilfepotentiale der Familien gefördert und gefordert werden. Als Familienselbsthilfegruppe oder als selbstorganisierter Familienkreis sind weitere Projekte vorstellbar, die sich auf das soziale Leben im Altort positiv auswirken können.

Alle Fotos: Bilhildis-KiGa

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