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Glanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter Inklusion

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Die erfolgreichen Absolventen: von links vorne Marion Carvalho, Elisabeth Seemüller, Melanie Fleischmann, Anne Günther, hinten Stefan Müller, Agnes Kappaun, Roxanne Dibrell, Frank Dettenrieder, Schirmherrin Irmgard Badura (Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung) und BFW-GeschäftsführerChristoph Wutz

Die erfolgreichen Absolventen: von links vorne Marion Carvalho, Elisabeth Seemüller, Melanie Fleischmann, Anne Günther, hinten Stefan Müller, Agnes Kappaun, Roxanne Dibrell, Frank Dettenrieder, Schirmherrin Irmgard Badura (Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung) und BFW-GeschäftsführerChristoph Wutz

BFW-Geschäftsführer Christian Wutz feierte mit Absolventen (im inneren Stuhlkreis), Partnern und Mitarbeiterteam den erfolgreichen Abschluss eines Pilot- und Leuchtturmprojekts.
BFW-Geschäftsführer Christian Wutz feierte mit Absolventen (im inneren Stuhlkreis), Partnern und Mitarbeiterteam den erfolgreichen Abschluss eines Pilot- und Leuchtturmprojekts.

BFW-Geschäftsführer Christian Wutz feierte mit Absolventen (im inneren Stuhlkreis), Partnern und Mitarbeiterteam den erfolgreichen Abschluss eines Pilot- und Leuchtturmprojekts.

BFW-Geschäftsführer Christoph Wutz
BFW-Geschäftsführer Christoph Wutz

Neues Berufsfeld am BFW

Das Berufsförderwerk für Blinde (BFW) in Veitshöchheim hat die ersten "Schriftdolmetscher“ für hörgeschädigte Menschen ausgebildet. Das bundesweit bisher einmalige Konzept kommt sowohl Sehbehinderten als auch Hörgeschädigten und Gehörlosen zu Gute. Acht Männer und Frauen erhielten nach einer neunmonatigen Ausbildung ihre Zeugnisse von Irmgard Bardura, der Behindertenbeauftragten der Staatsregierung. Damit sind sie die ersten Blinden, die sich für diesen Beruf je qualifiziert haben.

Mit Hilfe moderner Computertechnik ist es ihnen möglich, das gesprochene Wort synchron in Schrift umzuwandeln. Für Blinde tun sich damit neue Berufschancen auf und Hörgeschädigten wird der Alltag in vielen Bereichen erleichtert.

Für BFW-Geschäftsführer Christoph Wutz und sein Mitarbeiter-Team war die Zeugniserteilung ein Grund, dieses Ereignis im BFW-Seminarsaal zusammen mit den Absolventen und den an der Ausbildung beteiligten Partnern gebührend zu feiern.

Als erstes Bildungszentrum hatte das BFW Würzburg das hohe Potential dieses Berufes für blinde und sehbehinderte Menschen erkannt.

Geschäftsführer Christoph Wutz sprach von einem erfolgreich bestandenen "Eichtest". Die persönlichen Beispiele der acht Absolventen seien wie ein Leuchtturm strahlende Signale für die vielen, die auf der Suche nach Orientierung sind, nach einem beruflichen Neuanfang. Symbolisch überreichte er deshalb an jeden der acht Pioniere, die sich vor einem Jahr auf den Weg gemacht hatten, zum Zertifikat einen von den Zerspanungsmechanikern seines Hauses aus Metall gefertigten, sogar blinkenden Leuchtturm.

Besonders dankte Wutz neben seinen für den Kurs zuständigen Mitarbeitern Monika Weigand und Peter Grieb den Ausbildungs-Partnern, der Dolmetscher-Agentur VerbaVoice und dem Sprachen- und Dolmetscherinstitut (SDI), beide in München ansässig. Innerhalb kurzer Zeit sei es gelungen, gemeinsam eine völlig neue Fortbildung zu kreieren. So habe VerbaVoice für die praktische Ausbildung die Konferenzsoftware zur Verfügung gestellt und Hospitationen und praktische Einsätze ermöglicht.

Das SDI schließlich war Partner in allen Belangen der Prüfung. Professor Klaus Ziegler und sein Team hätten die Teilnehmer auf Herz und Nieren geprüft, so dass den Absolventen aussagekräftige, anerkannte Zertifikate überreicht werden konnten.

Wegen der anhaltenden Nachfrage kündigte Wutz an, zum 1. Juni 2016 einen neuen Kurs zu starten. Um Blinde und Sehbehinderte für den Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu machen, sei beim BFW außerdem bereits die nächste Innovation in der Mache, nämlich die Ausbildung zum Lagerlogistiker für Blinde und Sehbehinderte.

Glanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter Inklusion

Der Professor übermittelte per Videobotschaft: "Die Kursteilnehmer sind ein hervorragendes Beispiel dafür, dass unsere Gesellschaft in der Lage ist, durch die Entwicklung innovativer und intelligenter Bildungskonzepte einen Raum zu schaffen, in dem sich jeder mit seinen individuellen Stärken einbringen kann."

(Link auf sein Video:

https://www.bfwonline.de/download/Gru%C3%9FwortAbschlussfeierZiegler.wmv

Er sei stolz, dass sein Bildungsnetzwerk des SDI München unter Schirmherrschaft der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit den Kooperartionspartner BFW und VerbaVoice zum Erfolg der Ausbildung beitragen konnte.

Glanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter Inklusion

Irmgard Badura aus München, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, fand es beeindruckend, dass ausgerechnet Blinde und sehbehinderte Menschen für schwerhörige Menschen die Welt eröffnen, also für Menschen, die wie sie bei der Teilhabe am Erwerbsleben benachteiligt werden. Einerseits bestehe ein hoher Bedarf an Schriftdolmetschern, andererseits aber auch ein Mangel an solchen.

Badura plädierte dafür, noch mehr an die Öffentlichkeit zu gehen und sich bemerkbar zu machen, dass die Teilhabe am Arbeitsleben und Bereitstellung dringend notwendiger Kommunikationswege wie die des Schriftdolmetschers für Hörgeschädigte allen Menschen nutzt.

Dazu gehöre, dass in jeder Veranstaltung die notwendigen Kommunikationshilfen, Gebärdensprachdolmetscher und oder Schriftdolmetscher bereit gestellt werden. Badura: "Auf diesen Standard müssen wir hinwirken. Bis es selbstverständlich zur Wirklichkeit wird. Natürlich auch in der Politik, aber auch bei Kunst und Kultur und in der Freizeit."

Werner Hagedorn, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e.V. sprach davon, dass 19 Prozent der Bevölkerung über zwölf Jahren durch Schwerhörigkeit ein Handicap hätten. Man bräuchte in Deutschland mindestens 1500 Sprachdolmetscher. Zur Verfügungs stünden derzeit aber nur an die 150, neu nun auch die ersten acht blinden BFW-Absolventen.

Glanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter InklusionGlanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter InklusionGlanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter Inklusion

Bernise Rivière von VerbaVoice verdeutlichte, dass es den neuen Schriftdolmetschern freistehe, wo sie arbeiten wollen, ob in München, Würzburg, Berlin, Tokio oder San Francisco. Sie bräuchten lediglich einen Internetanschluss. Sie loggen sich dann einfach über die Online-Plattform von VerbaVoice ein, hören die Worte des Sprechers und geben per Spracherkennung den Live-Text ein. Der Nutzer könne den Live-Text auf der Leinwand, dem Laptop oder einem Smartphone lesen. So konnte man bei der Abschlussfeier Baduras Rede, zeitgleich übersetzt durch eine Dolmetscherin in Ingolstadt, auf der Leinwand mitlesen.

Während die Absolventin Elisabeth Seemüller aus Bamberg bereits einen Volltime-Job in der Rentenantragstelle des Blindenbundes hat und ihre neue Qualifikation als Schriftdolmetscherin nur nebenher nutzen will, hat der 33jährige Stefan Müller aus Kelkheim in Hessen nun in Aussicht, bei VerbaVoice eine Anstellung zu finden.

Ein Schriftdolmetscher kann laut Riverè von Veranstaltern ab 42 Euro pro Stunde gebucht werden. Benötigt werde ein Internet-Anschluss und ein Beamer mit Leinwand. Kontakt sind über www.verbavoice.de möglich.

So konnte man bei der Abschlussfeier Baduras Rede, zeitgleich übersetzt durch eine Dolmetscherin in Ingolstadt, auf der Leinwand mitlesen.

So konnte man bei der Abschlussfeier Baduras Rede, zeitgleich übersetzt durch eine Dolmetscherin in Ingolstadt, auf der Leinwand mitlesen.

Glanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter InklusionGlanzvolle Abschlussfeier für Deutschlands erste blinde Schriftdolmetscher für Hörgeschädigte - Leuchtturmprojekt des BFW in Veitshöchheim mit doppelter Inklusion

Monika Weigand, am BFW für Forschung und Entwicklung zuständig, gab humorvolle Einblicke über Kursverlauf und Teilnehmer. Der Weg bis zum Abschluss sei auch für sie ein Abenteuer gewesen, ziemlich schwer, uneben, steinig, mit Stolperfallen und Hindernissen. Sie lobte alle Teilnehmer. Sie hätten sich als eine starke Truppe und ein richtig gutes Team erwiesen.

Peter Grieb, BFW-Leiter für Qualifizierung betonte, wie wichtig es sei, durch neue Berufsfelder für sein Klientel, den Blinden und Sehbehinderten, Signale zu setzen. Sein Dank und seine Anerkennung galt Monika Weigand, die sich den Hut aufgesetzt und die Fäden für den Erfolg zusammengehalten hatte.

Die Ausbildung

Die neun Monate dauernde, von vielen berufsbegleitend absolvierte Ausbildung mit rund 20 Präsenztagen mit jeweils acht Unterrichtseinheiten im BFW und zwölf Stunden Einzelcoaching kostete jedem Teilnehmer 5.465 Euro, die sie alle bis auf drei förderfähige Absolventen selbst zahlen mussten. Bestandteil waren des Kurses waren auch Selbstlernphasen, in denen die Ausbildungsinhalte auf der Lernplattform BFW online bereitgestellt wurden. Dazu gehörten Allgemeine Sprachgrundlagen, Dolmetschtechniken und Übertragungsverfahren , Fachkunde und Fachterminologie, fachspezifische Grundlagen zum Themenbereich Hörschädigung sowie rechtliche für Hörgeschädigte, ergänzt durch praktisches Einsatztraining und Kommunikationstraining. Hierzu organisierte die Münchener Dolmetscheragentur VerbaVoice jeweils ein Praktikum für 70 Stunden, online, regelmäßige Hospitation und Teilnahme bei Live-Einsätzen.

Die Vermittlungschancen der erfolgreichen Absolventen sind gut. Für Blinde und Sehbehinderte, die Blindenhilfsmittel inkl. Braille sicher beherrschen, sehr gute Deutschkenntnisse und eine hohe Konzentrations- und Merkfähigkeit haben, bietet diese Ausbildung einen Weg in die Teilhabe am Berufsleben.

Die Absolventen sind laut Weigand in der Lage, bei der Übersetzung des Gehörten in Schrift 400 Anschläge und mehr pro Minuten zu bewältigen.

Während Elisabeth Seemüller aus Bamberg bereits einen Volltime-Job in der Rentenantragstelle des Blindenbundes hat und ihre neue Qualifikation als Schriftdolmetscherin nur nebenher nutzen will, hat der 33jährige Stefan Müller aus Kelkheim in Hessen nun in Aussicht, bei VerbaVoice eine Anstellung zu finden.

Veranstalter, die einen Schriftdolmetscher einsetzen möchten, können sich an den Dolmetscherpool bei www.verbavoice.de wenden.

Ein Schriftdolmetscher kann laut Riverè von Veranstaltern ab 42 Euro pro Stunde gebucht werden. Benötigt wird ein Internet-Anschluss und ein Beamer mit Leinwand.

Durch das unterhaltsame Programm der zweistündigen Feierstunde führte BFW-Pressereferentin Irene Girschner
Durch das unterhaltsame Programm der zweistündigen Feierstunde führte BFW-Pressereferentin Irene Girschner

Durch das unterhaltsame Programm der zweistündigen Feierstunde führte BFW-Pressereferentin Irene Girschner

Musikalisch umrahmte die Feier die sehbehinderte, seit ihrem zwölften Lebensjahr in Deutschland lebende deutsch-kamerunische Sängerin Sang Ganyonga, die von einem Gitarristen begleitet, ausdrucksstark mit ihrer ihrer souligen Stimme und ihrer herzlichen Art mit traditionellen Jazzstücken wie "A domino day" begeisterte und den Strand von Brasilien ins BFW transferierte (im Video dazu ein kleiner Ausschnitt). Musikalisch umrahmte die Feier die sehbehinderte, seit ihrem zwölften Lebensjahr in Deutschland lebende deutsch-kamerunische Sängerin Sang Ganyonga, die von einem Gitarristen begleitet, ausdrucksstark mit ihrer ihrer souligen Stimme und ihrer herzlichen Art mit traditionellen Jazzstücken wie "A domino day" begeisterte und den Strand von Brasilien ins BFW transferierte (im Video dazu ein kleiner Ausschnitt). Musikalisch umrahmte die Feier die sehbehinderte, seit ihrem zwölften Lebensjahr in Deutschland lebende deutsch-kamerunische Sängerin Sang Ganyonga, die von einem Gitarristen begleitet, ausdrucksstark mit ihrer ihrer souligen Stimme und ihrer herzlichen Art mit traditionellen Jazzstücken wie "A domino day" begeisterte und den Strand von Brasilien ins BFW transferierte (im Video dazu ein kleiner Ausschnitt).

Musikalisch umrahmte die Feier die sehbehinderte, seit ihrem zwölften Lebensjahr in Deutschland lebende deutsch-kamerunische Sängerin Sang Ganyonga, die von einem Gitarristen begleitet, ausdrucksstark mit ihrer ihrer souligen Stimme und ihrer herzlichen Art mit traditionellen Jazzstücken wie "A domino day" begeisterte und den Strand von Brasilien ins BFW transferierte (im Video dazu ein kleiner Ausschnitt).

In einem komöditantisch ausgeschmückten Sketch führten die Kursteilnehmer das Berufsbild des Schriftdolmetchers plastisch vor Augen, sich dabei selbst auf den Arm nehmend.

"Das war eine in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte inklusive Veranstaltung" freute sich am Ende BFW- Geschäftsführer Christoph Wutz.

Auch das BR berichtete über die Abschlussfeier: Schriftdolmetscher - Einzigartige Ausbildung für Blinde 12.02.2016, 16:00 Uhr, BR.de 1 Min.

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Stefan Müller 04/13/2016 22:26

Ich war Teilnehmer dieser Fortbildung und bin über Bekannte auf diesen Artikel gestoßen. Es gibt hier Dinge, die ich mal richtig stellen muss. Ich bin keine 33 Jahre alt sondern schon 46. Auch habe ich nie eine Festanstellung bei Verbavoice in Aussicht gehabt, sondern eine rein freiberufliche Tätigkeit. Und wenn man Glück hat, bekommt man auch Aufträge. Leider hat uns in der gesamten Fortbildungszeit niemand gesagt, dass eine Festanstellung ausgeschlossen ist. Sonst hätte ich mir diesen Schritt gut überlegt. Da ich keine andere Perspektive habe, lasse ich mich - wohl oder übel - in die Selbsständigkeit drängen. Ich bin entteuscht, dass man nicht von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, rein selbständig zu arbeiten. Jetzt stehe ich vor einem großen Berg ungelöster Probleme. Es wäre besser gewesen mit den betreffenden Teilnehmern persönlich zu sprechen, bevor man einen Artikel veröffentlicht. Aber das ist eben dieser übliche Zeitungsjournalismus!!! Der Leuchtturm bleibt für micht aus!!!