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Statt einem Christbaum, wie bisher üblich, ziert heuer in der Adventszeit ein Adventskranz das Kirchenportal von Sankt Vitus

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Statt einem Christbaum, wie bisher üblich, ziert heuer in der Adventszeit ein Adventskranz das Kirchenportal von Sankt Vitus

Nach Meinung des katholischen Ortspfarrers Robert Borawski entspricht es der Tradition, einen Christbaum erst am Mittag des 24. Dezembers ins Haus zu holen und die Zugänge zum jeweiligen Raum bis zur Bescherung verschlossen zu halten, um die Kinder schließlich mit dem reich geschmückten Christbaum zu überraschen.

In der Adventszeit sei vielmehr der grüne Kranz mit den vier Kerzen symbolträchtiger im christlichen Sinne. Deshalb ließ er heuer statt eines großen Weihnachtsbaumes vor dem Kirchenportal, einen Adventskranz aufstellen, der an einer mit Zweigen geschmückten weißen Stange hängt.

Symbolik

Auf www.brauchwiki.de ist nachzulesen, dass die Christen an Weihnachten die Geburt des "Lichtes der Welt" Jesus Christus feiern. In Texten, Liedern, Predigten und Meditationen zur Adventszeit werden deswegen Gedanken geäußert wie: Das sanfte, aber immer heller werdende Licht des Kranzes solle den Christen den Weg zeigen, soll ihnen die Angst nehmen, ihre Gemeinschaft fördern, zum Nachdenken und zur Besinnung anregen. Die Form des Kreises wird als ein Hinweis auf den Kreislauf der Zeit und des Lebens gedeutet, das für Christen, die an die Auferstehung und das Ewige Leben glauben, niemals endet. Grün und damit die grünen Zweige stehen für die Hoffnung, eine der christlichen Haupttugenden. Insgesamt gilt der Adventskranz im christlichen Sinne als Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung, den Sieg von Licht und Leben (= Christus) über Dunkel und Tod.

Der Christbaum, auch Weihnachtsbaum genannt, ist dagegen der ästhetische und besinnliche Mittelpunkt des privaten Weihnachtsfestes. Er spielt dort ganz besonders an Heiligabend eine zentrale Rolle. Der „aufgeputzte Baum" der in der Lage ist, Groß und Klein in „paradiesische Entzückung“ zu versetzen, war schon 1774 in Johann Wolfgang von Goethes Briefroman „Die Leiden des Jungen Werther“ ein Thema.

Adventskranz seit dem 19. Jahrhundert

Als Begründer dieses Brauches gilt der Hamburger Pfarrer und spätere Oberkonsistorialrat Berlins, Johann Hinrich Wichern (1808-1881). Im Advent 1839 hängte Wichern im "Rauhen Haus" in Hamburg, einem von ihm gegründeten Haus zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher, einen Holzkranz auf. Auf diesem befanden sich 23 Kerzen, vier große weiße und 19 kleine rote. Die großen Kerzen wurden an den vier Sonntagen, die kleinen an den Werktagen bis Heilig Abend, angezündet. Ab den 1850er Jahren schmückte er dann einen Kronleuchter im Bet-Saal der Anstalt mit Tannenzweigen und zündete vom 1. bis 24. Dezember jeweils eine Kerze an.

Diese Aktion fand in Kirchen und später auch in den Familien großen Anklang. Allerdings veränderte sich die Gestalt des Kranzes vom wagenradgroßen Kranz mit 23 bzw. 24 Kerzen zu einem kleineren handlichen mit nur mehr vier Kerzen. Zur Verbreitung trugen auch Gärtnereien und Blumengeschäfte bei, die sich schnell auf die steigende Nachfrage einstellten.Verbreitung

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Adventskranz fast ausschließlich in protestantischen Gebieten aufgestellt. Da der Süden Deutschlands mehr oder weniger in "katholischer Hand" war, fand man die Tannengestecke mehr in norddeutschen Familien. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges, die mit einer hohen Mobilität weiter Bevölkerungskreise verbunden waren, gewann der Adventskranz auch im Süden immer mehr an Beliebtheit. Die katholische wie evangelische Kirche nutzten den anschaulichen Brauch, einen Kranz im Kirchenraum aufzustellen und die Kerzen, verbunden mit entsprechenden Hinweisen auf Sinn und Zweck der Adventszeit, nach und nach zu entzünden. Nachdem die Menschen die Kränze mit den vier Kerzen in den meisten Kirchen bewundern konnten, lag es nicht fern, auch im eigenen Haus einen Adventskranz aufzustellen. Seit den 1940er Jahren ist der Brauch auch in Österreich zunehmend vertreten.

(Quelle: http://www.brauchwiki.de/Adventskranz)

Verbreitung des Christbaumes im 19. Jahrhundert

Erst allmählich wurde der Weihnachtsbaum in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zum „Mittelpunkt eines biedermeierlichen Kinderbescherfestes" und auch das nur im gehobenen Bürgertum. Eine wichtige Rolle spielte anfangs die Konfession. Der Weihnachtsbaumbrauch verbreitete sich zunächst hauptsächlich in protestantischen Haushalten. An der Art, wie man Advents- und Weihnachtszeit außerhalb der Kirchen beging, war lange die konfessionelle Zugehörigkeit zu erkennen. Die Katholiken feierten im 19. Jahrhundert eine Krippenfeier, evangelische Familien eine Weihnachtsbaumfeier.

Für die Entwicklung des Christbaumbrauchs von einer exklusiven Erscheinung, die distinguierten Familien vorbehalten war, hin zum populären Ausdruck familiärer Innigkeit, war der Deutsch-Französische Krieg von 1870 / 71 maßgeblich. Im Kriegswinter wurden die Voraussetzungen für eine allgemeine Verbreitung des Christbaumes als „echt deutschem“ Festsymbol geschaffen. Am Heiligen Abend dieses Jahres ließ die Heeresleitung in Quartieren, Unterständen und Lazaretten Christbäume aufstellen: „Heimweh und Familiengefühl, Friedenssehnsucht und nationaler Stolz, ja: Deutscher Chauvinismus, das alles waberte nun im weihnachtlichen Lichterglanz“. Das gemeinsame Erleben der Soldaten mag den entscheidenden Impuls gegeben haben: „Die heimgekehrten Soldaten sorgten dafür, daß bald in jedem deutschen Haus ein Christbaum erstrahlte wie im Schloß des Kaisers. So wurde er in jener Zeit eine Art Symbol für deutsche Siege und Frieden, für deutsches Wesen, verbunden mit der bürgerlichen Utopie von einer heilen Welt“. Das Weihnachtsfest wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts zunehmend zum Familienfest. Der Weihnachts- oder Christbaum als ästhetischer Dreh- und Angelpunkt und Zentrum für Besinnlichkeit im Familienkreis verbreitete sich erst seit den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts allmählich auch bei den "einfachen" Leuten.

Allgemeingut im Verlauf des 20. Jahrhunderts

Mit der weiteren Verbreitung des Weihnachts- bzw. Christbaums in Deutschland sind allmählich kaum mehr konfessionelle Unterschiede auszumachen. Katholiken wie Protestanten nehmen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Baum und Krippe in ihre Art, die Advents- und Weihnachtszeit zu gestalten mit auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Weihnachten blieb in der "Wirtschaftswunder"-Zeit nicht von kommerziellem Werberummel verschont. Es kam in Mode, einen mit Lichterketten geschmückten Weihnachtsbaum auch auf Balkonen oder im Vorgarten aufzustellen.

Das Weihnachts-Geschäft ist gerade im Einzelhandel entscheidend. Die Zeit um das Gabenfest herum ist in vielen Wirtschaftszweigen die Umsatz stärkste des ganzen Jahres. Um den christlichen Symbolwert des Christbaums wird deshalb schwer gerungen, seitdem er als öffentlicher Werbeträger in Kaufhäusern, Prospekten und Medien meist bereits viele Wochen vor dem Fest durchweg präsent ist. Dies führt zweifelsohne zu einer gewissen Abstumpfung. Seit den 70er und 80er Jahren ist auch der Familien-Christbaum immer mehr modisches Accessoire und ein Dekorationsstück. Nicht auszublenden ist jedoch die Tatsache, dass vielerorts der Christbaum hilft, in einer so dynamischen und unpersönlichen Zeit dennoch private Andacht zu halten. Er kann Zusammenhalt fördern und Anlass für besinnliche Momente sein.

(Quelle: http://www.brauchwiki.de/christbaum)

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