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Neugegründeter Arbeitskreis Behinderung und Inklusion stellte seine Ziele dem Veitshöchheimer Gemeinderat vor

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Mitglieder des Arbeitskreises Behinderung und Inklusion vor dem Rathauseingang mit der Behindertenreferentin Christina Feiler (2.v.r.) und der Expertin Lisa Pitz (2.v.l.). Der AK, der sich bisher viermal traf, hat derzeit 16 Mitglieder. Das nächste Treffen ist am 16. November 2015

Mitglieder des Arbeitskreises Behinderung und Inklusion vor dem Rathauseingang mit der Behindertenreferentin Christina Feiler (2.v.r.) und der Expertin Lisa Pitz (2.v.l.). Der AK, der sich bisher viermal traf, hat derzeit 16 Mitglieder. Das nächste Treffen ist am 16. November 2015

Christina Feiler, Grünen-Gemeinderätin und Vorsitzende des grünen Ortsverbandes wurde vom Gemeinderat am 24. Februar zur Behindertenreferentin ernannt. Zuvor hatte die grüne Fraktion für den Haushalt 2015 den Antrag gestellt, 10.000 Euro in den Haushalt einzustellen zur Umsetzung der von Deutschland 2009 unterzeichneten UN – Behindertenkonvention, um auch im Ort die Teilhabe Behinderter zu erleichtern. Zusätzlich sollte ein Behindertenbeirat gegründet werden. Beides wurde von der Mehrheit des Gemeinderates am 2. Dezember abgelehnt, jedoch beschlossen, als Ansprechpartner für Behindertenfragen einen weiteren Referentenposten zu schaffen.

Nach den Richtlinien des Gemeinderates sollen Referenten im Ort in den festgelegten Politikfeldern beraten, anregen und fördern und persönlicher Ansprechpartner der Bürger sein. Sie sollen insbesondere die Zusammenarbeit mit Personen, Gruppen und Initiativen, die im Aufgabenbereich tätig sind, koordinieren.

Christina Feiler setzte diese Vorgaben um und rief zur Umsetzung der Rechte Behinderter im Sinne der Inklusion zur Mitarbeit in einem Arbeitskreis auf und sprach vor allem auch Menschen an, die betroffen sind.

Eine große Unterstützung war ihr dabei die in der Rehabilitation beruflich und ehrenamtlich bereits seit über 20 Jahren tätige Veitshöchheimerin Elisabeth Pitz, die bereits im Vorfeld signalisiert hatte, ihre Erfahrung auf diesem Gebiet mit einzubringen. Die Diplomsozialpädagogin (FH) und pädagogisch-therapeutische Konduktorin (PTK) wurde für ihr Engagement 2013 mit der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste ausgezeichnet.

In der letzten Gemeinderatssitzung räumte nun Bürgermeister Jürgen Götz seiner Behindertenreferentin zehn Minuten ein, um das Gremium über die Ziele und bisherigen Erkenntnisse des von ihr ins Leben gerufenen Arbeitskreises zu informieren.

Anwesend waren auch viele Mitglieder des AK.

Leitfaden des Innenministeriums

Eine wertvolle Hilfe bei der Umsetzung sei der im Juli vom Bayerischen Innenministerium herausgegebene Leitfaden "Bayern barrierefrei 2023 - die barrierefreie Gemeinde" (pdf.Datei siehe Anlage).

Dort heißt es, Ministerpräsident Horst Seehofer habe mit dem Programm „Bayern barrierefrei 2023“ ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt. Eine „Gemeinde für Alle“, in der Sozialräume so gestaltet sind, dass alle Menschen zusammen leben können, so muss Bayern in Zukunft aussehen. Denn Bedürfnisse wie Wohnen, Einkaufen, medizinische Versorgung oder die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs seien für alle Menschen gleich. All diese Dinge müssten so gestaltet werden, dass sie für uns alle barrierefrei zugänglich und nutzbar sind.

Der Leitfaden informiert über mögliche Herangehensweisen zur Erstellung eines individuellen gemeindlichen Aktionsplans „Barrierefreiheit“. Er gibt Vorschläge für Planungsinstrumente, Tipps für die Organisation, Empfehlungen für Beteiligungsstrukturen und übertragbare Lösungsansätze für häufige Problemstellungen. Er will mit seinen Erläuterungen und Beispielen alle Städte und Gemeinden für das Thema sensibilisieren und Anregungen für die Umsetzung vor Ort geben.

Neugegründeter Arbeitskreis Behinderung und Inklusion stellte seine Ziele dem Veitshöchheimer Gemeinderat vor
Vorstellung des Arbeitskreises Behinderung und Inklusion durch Lisa Pitz

„Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.“ Mit diesem Zitat von Richard von Weizäcker (Bundespräsident von 1984 – 1994) begann Lisa Pitz ihren Vortrag vor dem Gemeinderat.

Die UN-Behindertenkonvention setze als Handlungsfelder auch für die Gemeinden fest:

  • Art. 9 - Zugänglichkeit
  • Art. 29 – Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben
  • Art. 30 – Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport

Der Arbeitskreis möchte, so Pitz, die Gemeinde Veitshöchheim auf diesem Weg unterstützen, auf Barrieren im Alltag aufmerksam machen, das Erfahrungswissen seiner Mitglieder einbringen und so helfen, Barrieren abzubauen. Denn wer selbst betroffen sei, wisse am besten, wo im Alltag Barrieren sind und wie man sie Schritt für Schritt abbauen könne.

Dem Arbeitskreis gehören an:

  • Bürger mit Gehbeeinträchtigungen am Rollator
  • Bürger mit Körperbehinderungen u. a. Gehbehinderte Menschen an Gehhilfen, im Rollstuhl
  • Bürger mit Hörbehinderungen
  • Bürger mit Sehbehinderungen oder blinde Bürger
  • Angehörige von behinderten Menschen

Die Leiterin des AK und Behindertenreferentin des Gemeinderates Christina Feiler sei persönlicher Ansprechpartner für Bürger mit Beeinträchtigungen, um deren Belange zu sammeln und weiterzuleiten, zu beraten, zu koordinieren und nach Lösungen zu suchen.

Der AK lade alle Interessierte ein, an seinen Treffen teilzunehmen. Das nächste Treffen ist am 16. November 2015.

Außerdem ermögliche der AK, interessierten nichtbehinderten Bürgern, im Rollstuhl Veitshöchheim zu erleben oder als Blinder Veitshöchheim zu erfahren. Pitz: „Ein wenig Mut gehört dazu, aber es ist eine Bereicherung und eine wichtige Erfahrung, um „die Welt aus einer anderen Perspektive“ zu erleben und damit zu verstehen...“

Neugegründeter Arbeitskreis Behinderung und Inklusion stellte seine Ziele dem Veitshöchheimer Gemeinderat vor

Lisa Pitz informierte, dass

  • jeder 5. Bundesbürger behindert ist oder im Laufe seines Lebens behindert wird
  • jeder 2,5. im Laufe seines Lebens „Angehöriger“ eines behinderten Menschen ist oder wird
  • 72% der pflegebedürftigen Menschen zu Hause gepflegt werden
  • 43% der Veitshöchheimer Bürger über 50 Jahre sind (siehe Grafik)

Es sei der dringende Wunsch der AK-Mitglieder, so sagte Lisa Pitz, die Behindertenreferentin bei allen in Frage kommenden Entscheidungen einzubinden und zu Rate zu ziehen. Die Arbeitskreisteilnehmer würden über sie mit ihren Ideen und Anregungen der Gemeinde aber auch direkt zur Verfügung stehen.

Die Behindertenreferentin des Gemeinderates übergab an Bürgermeister Jürgen Götz die von AK-Mitgliedern zusammengetragene Auflistung von „Barrieren“ in Veitshöchheim (Stand 21.09.2015) als Anregung, Punkt um Punkt abzuarbeiten. Die Liste sei nicht vollständig.

Bereits umgesetzt: Behelfsmäßige Rampe am Eingang zum Sitzungssaal, die es Rollstuhlfahrern ermöglicht, mit Anschiebehilfe in den Raum zu kommen.

Bereits umgesetzt: Behelfsmäßige Rampe am Eingang zum Sitzungssaal, die es Rollstuhlfahrern ermöglicht, mit Anschiebehilfe in den Raum zu kommen.

Auflistung von Barrieren in Veitshöchheim

Bereich Gemeinde
  • Rathaus: nicht Barrierefrei (weder Toiletten, Aufzug nach oben, Infos in einfacher Sprache, Infos für Sehbehinderte etc.)
  • Sitzungssaal Stufen am Eingang und fehlender Handlauf
  • Fehlender Behindertenparkplatz nah am Bürgerbüro, z. B. für Rollstuhlfahrer problematisch bei Regen, da sie nicht die Möglichkeit haben einen Schirm zu tragen, wären sie durchnässt, bis sie beim Rathaus angekommen sind
  • Altort: Situation mit wild parkenden Fahrzeugen, Schildern und Blumenkübeln als Fußfallen, schmalen Gehwegen etc.
  • Martinskindergarten: Wildes Parken, Gehweg dabei oft zugeparkt
  • Mainfrankensäle: Fehlende Rampe ist für Menschen mit Behinderung nach wie vor nicht nachvollziehbar. Auch Rettungsweg zur selbständigen Rettung dadurch nicht möglich. Beschilderung für den Aufzug nicht gut
  • Treppenabgang an der Kaskade: fehlende Markierung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung
  • Blättle: Lesbarkeit bei Sehbehinderung nur eingeschränkt möglich (Hintergrund bietet an vielen Stellen zu wenig Kontrast)
  • Gehwege im Eisenbahntunnel zu Beginn der Würzburgerstrasse bei Haltestelle Gartenstrasse extrem schmal, nicht geeignet für Rollstühle, sehbehinderte Menschen mit Blindenführhund und Rad fahrende Kinder, müssen aber genutzt werden um die Haltestelle Gartenstrasse zu erreichen.
  • Bushaltestelle Scheffelstrasse: Fehlende Fußgängerüberwege im Bereich der Tankstelle
  • Fehlende Gehsteigabsenkungen, z. B. um vom Birkental in Altort zu kommen . (Um mit ihrem kürzlich pflegebedürftig gewordenen Mann im Rollstuhl in den Altort zu kommen, musste eine Frau von der Abzweigung „An der Steige“ bis zur Abzweigung „Herrnstraße“ auf die Straße ausweichen im Bereich der Auf und Abfahrten zur B27!!! )
  • Beschilderungen: Wird die Behindertengerechte Toilette an der Mainlände gut beworben?
  • Geithainer Alle: Schöner Fuß- und Radweg endet ohne Querungsmöglichkeit an der WÜ 3
  • Fußweg Lindentalstr. Richtung Geisberg (auch viel von Schülern genutzt) endet ohne Querungsmöglichkeit an der Wü 3
  • Parkdeck: Handlauf bei den Stufen endet vor der letzten Stufe
  • Barrierefreie Wege sind nicht ausgeschildert, werden nicht gefunden
  • Parkplätze für Schwerbehinderte: oft unberechtigt besetzt, z.B. Geisbergbad
  • Situation am Geisbergbad an heißen Tagen für Menschen mit Behinderung sehr problematisch, viele parkende Autos auf den Gehwegen, die Wege zum Teil so zugestellt, dass man mit Rollstuhl, Kinderwagen, Blindenführhund oder Blindenstock auf die Straße ausweichen muss, großes Sicherheitsproblem an dieser hochfrequentierten Straße (Stellen von Ausweichparkplätzen an diesen heißen Tagen möglich?)
  • Eingang am Geisbergbad für Rollstuhlfahrer mit Euroschlüssel möglich? Momentan lange Wartezeiten nötig, bis die Tür an der Drehtür von Mitarbeitern an vollen Tagen geöffnet werden kann.
Andere Bereiche
  • Eingang der Sparkasse mit Treppe und schwerer Tür, beides gleichzeitig stellt Menschen mit Gehbehinderung oder ältere Menschen vor erhebliche Probleme
  • Rokokogarten: Fehlende Geländer an Treppen im Hofgarten
  • Bahngelände Rückschnitte der Sträucher beim fehlt
  • Schloss: Einem Interessierten wurde der Eingang wegen eines Blindenführhundes verwehrt.
  • Haus der Begegnung: Fehlende Markierung für Menschen mit Sehbehinderung an den Treppen
  • ÖPNV: Aktuell sind die Busse nicht immer barrierefrei, es wurde nach Berichten von Anwesenden schon ein Mensch mit E-Rollstuhl mehrfach zurückgelassen, weil der Bus ihn nicht aufnehmen konnte. Im Bus selbst ist die Stellfläche oft sehr eng und reicht manchmal nicht für Kinderwägen, Rollatoren, Blindenführhunde, Wendemöglichkeit für E-Rollstühle. Teilweise fehlen die Lautsprecherdurchsagen der Haltestellen
  • Die Fahrpläne an den Haltestellen sind schwer lesbar für Menschen mit starker Sehbeeinträchtigung und für Rollstuhlfahrer zu hoch
Vom AK sehr gelobt: Die im Vorjahr im Freibad installierte Behindertentreppe, die von vielen genutzt werde und für viele eine große Erleichterung bringe.

Vom AK sehr gelobt: Die im Vorjahr im Freibad installierte Behindertentreppe, die von vielen genutzt werde und für viele eine große Erleichterung bringe.

Bürgermeister Jürgen Götz bedankte sich bei den beiden Damen für ihre Arbeit und ihren Vortrag. Der AK sei eine Bereicherung für die Gemeinde. Er sicherte zu, dass die Gemeinde im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuche, die Belange der Behinderten in ihrem Zuständigkeitsbereich nach und nach zu berücksichtigen, wie zuletzt beim Ausbau der Kreuzung an der Friedenstraße bei den Fußgängerquerungen und an den Bushaltestellen.

Orientierungs-Hilfen für Blinde beim Ausbau der Kreuzung an der FriedenstraßeOrientierungs-Hilfen für Blinde beim Ausbau der Kreuzung an der FriedenstraßeOrientierungs-Hilfen für Blinde beim Ausbau der Kreuzung an der Friedenstraße

Orientierungs-Hilfen für Blinde beim Ausbau der Kreuzung an der Friedenstraße

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Heinz Toepfel 10/06/2015 13:44

dieser Blog gefaellt mir sehr gut.

Heinz Toepfel 10/06/2015 13:37

Suche neues griechisches Restaurant in VHH.

Peter Then 10/05/2015 16:18

Eine saubere Arbeit von Frau Feiler. Meine Anerkennung.