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"Reparieren statt Wegwerfen" - Drittes Veitshöchheimer "Repair-Café" kam sehr gut

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

"Reparieren statt Wegwerfen" - Drittes Veitshöchheimer "Repair-Café" kam sehr gut

"Tüfteln" war angesagt beim 3. Veitshöchheimer Repair-Café im Werkraum der Eichendorff-Grundschule, das gestern der gemeindliche Klimaschutzmanager Jochen Spieß zusammen mit Daniel Schiel von der hiesigen Firma dando-art Lichttechnik veranstaltete.

Wer kaputte Sachen zuhause hatte, konnte diese mitbringen. Wer etwas repariert haben wollte, musste einen Reparatur-Zettel und hinterher ein Feedback-Formular ausfüllen. Bedarf bestand reichlich. Den ganzen Samstagnachmittag über herrschte ein emsiges Treiben und Gewusel. Das von den beiden Organisatoren rekrutierte Helferteam, darunter acht Reparaturexperten, hatte während der fünf Stunden Öffnungszeit alle Hände voll zu tun, scheinbar Nutzloses wieder in Schuss zu bringen. Und die Wahrscheinlichkeit war groß, dass die Reparatur gelang, denn die Fachleute im Repair Café wussten fast immer eine Lösung. Gemeinsam repariert wurde so vom Toaster über löchrige Wollsachen bis zum Fahrrad fast alles.

Aber nicht alles gelang. So versuchte im Bild oben Elektromeister Stefan Kroll (links) die störenden Lagergeräusche der Lüftung des über zehn Jahre alten Philipps-Soundanlagen-Receivers des Veitshöchheimers Bruno Franken (rechts) zu beheben. Da die Anlage ansonsten einen Superklang hat, möchte er das Gerät gerne weiter nutzen. Zum Fachhändler wollte er es nicht zur Reparatur bringen, denn dann hätte er sich wegen der hohen Kosten gleich ein neues kaufen können. Da keine Original-Ersatzteile mehr erhältlich sind, hatte sich Franken online sogar einen Ersatzlüfter besorgt. Doch zu seinem Leidwesen konnte ihm der Elekromeister nicht helfen, denn um den mit Staub zugesetzten Lüfter auszuwechseln, hätte er die Platine ausbauen müssen. Dies erschien ihm wenig ratsam, denn er befürchtete, das dann höchstwahrscheinlich andere elektrische Teile aufgrund ihres Alters den Geist aufgeben.

"Reparieren statt Wegwerfen" - Drittes Veitshöchheimer "Repair-Café" kam sehr gut

Mainpost-Bericht vom 16.3.2015

"Reparieren statt Wegwerfen" - Drittes Veitshöchheimer "Repair-Café" kam sehr gut "Reparieren statt Wegwerfen" - Drittes Veitshöchheimer "Repair-Café" kam sehr gut

Wertvolle Erinnerungen verbindet der 79jährige Dieter Trummer aus Veitshöchheim mit seinem 60 Jahre alten Uhrwecker "made in Germany", dessen Spannfeder sich nicht mehr aufziehen ließ. Er ist ein Erbstück seines vor 30 Jahren verstorbenen Vaters. Er wollte von Martin Kisser, ein Softwareexperte der Automobilindustrie wissen, ob eine Reparatur noch möglich und sinnvoll ist. Wenn er sie zu einem Uhrmachermeister gebracht hätte, dann wäre nach seiner Meinung allein das Hinschauen und in die Hand nehmen teuerer als eine neue gewesen. Kisser erschien es nach Abnahme des Deckels zu gefährlich die Uhr die feinmechanischen Teile weiter auseinander zu nehmen. Er meinte aber, dass die Reparatur für einen Uhrmachermeister kein Problem sei. Genau dies wollte Trummer in Erfahrung bringen.

Dafür vermeldete der Elektromaschinenbauer Klaus Weiglein aus Gemünden voller Stolz, als er gerade eine Kaffeepause einlegte, dass er zuvor erfolgreich über 30 Jahre alte Geräte wie einen Dampfbügler, einen Radiowecker und einen Toaster wieder zum Laufen bringen konnte.

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Lieb gewonnen hat auch Melanie Wolf ihr Röhren-Radio aus dem Jahr 1953, den ihr ihre 98jährige Schwiegermutter vermacht hatte. Sie möchte ihn auch weiterhin nutzen und über die UKW-Welle Bayern 3 hören, wenn nur das Brummen nicht wäre. Experte Daniel Schiel wusste auch hier Rat, wie man diesen Defekt beseitigt.

Martina Greb
Martina Greb

Ein tolles Erfolgserlebnis konnte auch die Veitshöchheimerin Martina Greb verzeichnen. Sie war mit ihrem HP-Drucker aus dem Jahr 2006 erschienen, weil er keine Druckaufträge mehr ausführte. Für das Pressefoto wurde sie gebeten, den Drucker in die dargestellte Position zu bringen. Der Clou: Als dann Daniel Schiel über seinen Laptop einen Druckauftrag erteilte, funktionierte der Drucker wie durch ein Wunder, offenbar durch die zuvor erfolgten Drehungen wieder.

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Über das ganze Gesicht strahlte Christine Raab aus Güntersleben, denn der Diplom-Informatiker Uwe Vieweg konnte ihre heiß geliebte Mikro-Stereoanlage durch eine Kabel-Überbrückung reparieren, so dass diese nun wieder CDs "lesen" kann.

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Der Ausflug nach Veitshöchheim lohnte sich auch für Marita Schmachtenberger aus Randersacker. Sie kam mit ihrer heiß geliebten, schon 23 Jahre alten Nähmaschine "Made in Taiwan. Aufgrund mangelhafter Fadenspannung hatte diese beim Nähen nur noch "Fadensalat" produziert. Experte Heino Klingenfuß wusste sofort Rat. Nachdem er die Nähmaschine gereinigt und geölt hatte, funktionierte sie sehr zur Freude der Besitzerin wieder einwandfrei, auch bei der Zickzack-Naht. "Er ist echt ein Genie" lobte denn auch Erika Weinhold-Duwe.

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Erika Weinhold-Duwe (links) weiß wovon sie spricht. Denn die in der IT-Branche arbeitende Hobbyschneiderin gehörte selbst zur Experten-Crew, die im Bild die Veitshöchheimerin Bettina Kretschmer (Einzelfoto) im Kunststopfen anleitete, um ein Loch im Woll-Pullover ihres Sohnes zu schließen. Wie Kretschmer sagte, sind ihre drei Söhne inzwischen aus dem Haus und in Beziehungen. Aber zum Beseitigen von Löchern in Pullovern sei niemand in der Lage und so würden alle ihre kaputten Sachen zu ihr bringen.

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Ein Kaffeegenießer ist der Veitshöchheimer Ralf Fernsemer. Doch leider funktionierte sein fünf Jahre alter Tchibo-Kaffeeautomat nicht mehr. Wie der Reparatur-Experte Christoph Schmiedel, ein Informatiker, feststellte, funktionierte der Brühvorgang aufgrund eines gerissenen Schlauches nicht mehr.

Reparabel war für Elektromeister Stefan Kroll auch der von ihm festgestellte Kabelriss im sechs Jahre alten Staubsauger von Christine Garnjost.

Fazit

Wie die Auswertung am Ende ergab, standen insgesamt 57 Reparaturen an. Hauptsächlich wurden elektrische Geräte gebracht. Aber auch Fahrräder und Kleidung war relativ stark vertreten.

Wie der Ende März bei der Gemeinde ausscheidende Klimaschutzmanager Jochen Spieß vermeldete, konnte die Hälfte der defekten Gegenstände erfolgreich repariert werden. Bei den nicht geglückten Reparaturen lag es meist daran, dass die Ersatzteile nicht vorhanden waren.

So war laut Spieß denn auch die Stimmung sowohl bei den Helfern, als auch bei den Besuchern wieder sehr gut. Selbst wenn mal eine Reparatur nicht klappte, wurden die freundlichen und Kompetenten Helfer gelobt. Wie der Name "Repair-Café" schon sagt, durften Kaffee und Kuchen nicht fehlen. Und so diente das Repair Café auch dazu, hier beim Smalltalk Menschen in der auf neue Art und Weise wieder mit einander in Kontakt zu bringen.

Jochen Spieß weist weiter darauf hin, dass eine Reparatur zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes beiträgt und auch Geld und kostbare Rohstoffe einspart. „Wir wollen mit dem Repair Café auch zeigen, dass Reparieren Spaß macht und oft ganz einfach ist.“

Indem er sich fürs Reparieren einsetzt, möchte Daniel Schiel auch zur Reduzierung des Müllbergs beitragen. Das sei absolut notwendig, findet er. Schiel: „In Deutschland werfen wir unfassbar viel weg. Auch Gegenstände, denen fast nichts fehlt und die nach einer einfachen Reparatur wieder ordentlich zu gebrauchen wären. Leider wissen viele Menschen nicht mehr wie man Dinge repariert. Mit dem Repair Café wollen wir das ändern.“

So war für die beiden Organisatoren das Repair-Café wieder ein Volltreffer im Sinne der Nachhaltigkeit. Ihr Dank galt der Gemeinde und der Schulleitung für die Unterstützung und Bereitstellung der Räumlichkeiten.

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